Wenn Raimund Kupfer die Tür der Stadtkasse schließt, dann liegen 50 Jahre und sechs Monate Verwaltungsarbeit hinter ihm - und der wohlverdiente Ruhestand vor ihm. Der Kassenleiter zieht jetzt die Schlussbilanz seines Arbeitslebens. Wobei er seinen Berufserfolg vor allem einem Charakteristikum zuschreiben: "Dass der Kupfer stur ist", wie ihm in einer E-Mail von Kollegen bezeugt worden ist.
Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) weiß diese Eigenschaft durchaus zu schätzen. Bei der offiziellen Verabschiedung im kleinen Rathaussaal würdigt er den kritischen Geist : "Er ist ein Mann der Zahlen - aber einer der nicht nur zählt, sondern einer, der auch die Zahlen hinterfragt." Dadurch habe der scheidende Kassen-Leiter auch Schaden von der Stadt abgehalten. Obgleich es bisweilen hitzige Debatten gegeben habe, so gesteht Stumpf gegenüber Kupfer freimütig ein, "bin ich Ihnen dankbar dafür, dass Sie mich manchmal wieder eingenordet haben." Wenn in Forchheim etwas in die falsche Richtung gelaufen sei, habe Kupfer dies auch immer deutlich gesagt. Von seinen 50 Berufsjahren hat Raimund Kupfer 44 im öffentlichen Dienst gearbeitet. Dies werde es in Zukunft nicht mehr so oft geben, weil die Ausbildung immer länger dauere, stellt Dienstherr Stumpf anerkennend fest.
Der gebürtige Buckenhofener hatte gleich nach der Schule, als 14-Jähriger, mit seiner Ausbildung als Verwaltungsangestellter bei der Kreishandwerkerschaft Forchheim begonnen. Nach einem kurzen Exkurs als Versicherungsvertreter begab er sich jedoch gleich wieder beim Arbeitsamt Bamberg auf die Verwaltungsschiene, die ihn von der Gemeinde Buckenhofen zur Stadt Forchheim führte. Wobei Kupfer keinen Hehl daraus macht, dass er am liebsten den Weg nach Buckenhofen zurückgegangen wäre, wenn es die Eingemeindung nicht gegeben hätte.
2001 wurde Raimund Kupfer zum Leiter der Stadtkasse ernannt. Kämmerer Gerhard Haagen erinnert sich gerne an die über 30 Jahre der Zusammenarbeit: "Der Raimund war immer sehr skeptisch - aber auch stets sehr zuverlässig, zum Wohle der Stadt." Und Personalratsvorsitzender Dieter Walda gesteht: "Fehlen werden mir die Diskussionen mit Dir - zum Beispiel darüber, ob Verwaltungsbeamte oder Angestellte billiger sind". In aller Bescheidenheit wäre Raimund Kupfer froh, "wenn 50 Prozent des Lobes stimmen würden". Im Rückblick stellt er fest, dass das Personal weniger geworden und die Arbeit angestiegen sei - dies nicht zuletzt deswegen, weil "die Zahlungsmoral der Bürger schlechter geworden ist". Der technische Fortschritt habe die Arbeit bei der Stadtkasse aber auch beschleunigt. "Durch die elektronische Belegarchivierung gibt es jetzt 300 Ordner weniger zu füllen." Kupfers Amtsnachfolgerin ist Kathrin Gutsche. Sie stammt aus Forchheims Partnerstadt Pößneck in Thüringen.