Neuses an der Regnitz
Innovation

Der Whisky-Papst zollt ihm höchstes Lob

Robert Fleischmanns "Blaue Maus" in Neuses ist die älteste Whisky-Destillerie in ganz Deutschland. Seine hochprozentigen Kreationen werden von den Kennern und Experten des schottisch- irischen Lebenswassers geschätzt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fotos: Josef Hofbauer
Fotos: Josef Hofbauer
+4 Bilder
Im Herzen ist Robert Fleischmann immer noch ein wenig Seemann, denn früher war er jahrelang bei der Marine. Seit den 80er-Jahren ist der Franke aber in erster Linie "Kapitän"der "Blauen Maus", der ältesten Whisky-Destillerie von ganz Deutschland. Ein Pionier, der längst Profi geworden ist. So bewertete Jim Murray, der Verfasser der Whisky-Biebel, vor zwei Jahren den "Blaue Maus Single Malt" destilliert 1983 aus dem Hause Fleischmann mit 95,5 von hundert Punkten.

Zu verdanken hat Robert Fleischmann seinen Erfolg neben seiner Experimentierfreude und seinem Können der Idee seines früheren Zollbeamten Walter Schaub. "Als er 1982 meine Brennerei kontrollierte, in der ich Obstler und andere Schnäpse herstellte, hat er gesagt: 'Maische doch mal Malz ein und mach einen Whisky.' Das hab' ich getan, und zwar am 19. Februar 1983", erzählt Fleischmann, der damals nur Jim Beam, Johnnie Walker, Jack Daniel's und "Racke Rauchzart" kannte.

Die Brennanmeldung hat er aufgehoben, so dass er das Datum seines ersten Whiskys exakt benennen kann. Wie Robert Fleischmann und mittlerweile auch sein Sohn Thomas das ursprünglich schottisch-irische Nationalgetränk herstellen, ist extravagante Handwerkskunst. Die beginnt bei der Auswahl der Zutaten. Für die selbst hergestellten Malz-Mischungen verwenden die Fleischmanns die unterschiedlichsten Malzsorten von vier Mälzereien. Hinzu kommt aus Schottland importiertes Torfmalz, Getreide, das durch den Rauch aus abbrennendem Torf getrocknet wurde und dem Whisky ein Geschmacksmerkmal beschert, das polarisiert.

Das Mischungsverhältnis bleibt selbstverständlich Familiengeheimnis. "Ich brauche den rauchigen Geschmack nicht unbedingt", gesteht der Whisky-Pionier aus Neuses, der im Laufe der Jahre Durchhaltevermögen bewiesen hat.

Die ersten Erfolge stellten sich schnell ein. 1985 präsentierte er seinen "Glen Single pure Malt", den er aus Rauch- und Pilsmalz hergestellt hatte, bei einer Spirituosenprüfung in Baden-Württemberg und erhielt eine sehr gute Beurteilung. "Dabei", so weiß der Inhaber der ältesten Malt-Whisky-Destillerie Deutschlands jetzt, "hätte das Produkt den Namen Whisky noch gar nicht führen dürfen, denn das Getränk muss mindestens drei Jahre lagern. Es war also nichts weiter, als eine Art Getreideschnaps."

Die Schotten sind nicht begeistert

Die nächste Auszeichnung gab es 1992. Drei Jahre später dagegen fiel Fleischmann mit dem gleichen Produkt durch. Er hatte nur den Namen auf das Etikett geschrieben und nicht angegeben, woraus der edle Topfen hergestellt war. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass Professor Walter Schobert, ein Kenner des schottischen Lebenswassers, dem Piraten-Whisky aus Neuses höchstes Lob zollte. Als die Fachwelt zunehmend auf den Whisky made in Franken aufmerksam wurde, erfuhren auch schottische Destillerien von der Konkurrenz aus Neuses.

Fleischmann wurde verboten, sein Getränk weiter unter dem Namen "Glen blue" zu vertreiben. Die Schotten reklamierten das Wort "Glen" (auf Deutsch: enges Tal, Schlucht) für sich. Auch der Name "Glen Mouse" sollte verboten werden, weil "grouse", das schottische Wort für Moorhuhn, und "Glen Mouse" ähnlich klingen würden. Dieser Sturm habe sich gelegt, als sich die Fachpresse über den Krieg schottischer Whjsky-Hersteller gegen das kleine Familienunternehmen lustig gemacht hat. Den Namen des Produkts hat Fleischmann dennoch gewechselt.

Als Fleischmann den Produktnamen "schwarzer Pirat", den er für eine seiner Sorten bereits seit Jahren verwendet hatte, eintragen lassen wollte, meldete sich ein Sekthersteller, der für sein perlendes Getränk den gleichen Namen reklamierte. Auch ein Rum-Produzent wollte "schwarzer Pirat" exklusiv für sich haben. Da hat Fleischmann seinen Whisky wieder umgetauft.

Stolz zeigt Robert Fleischmann den alten Brennkessel, mit dem er seinen ersten Whisky destilliert hat. "Mit teilweise katastrophalen Ergebnissen", lacht er. "Ich musste viel lernen."

Vom Getreide zum Rohbrand

Heute beherrscht er die Prozedur aus dem Effeff. Der Getreideschrot wird mit 250 Liter heißem Wasser angerührt. Bei 55 bis 57 Grad wird das Malzschrot hinzugegeben.Nach einer Stunde wird die Maische auf 25 Grad abgekühlt, und es kommt etwa ein Kilo Backhefe hinzu. Nach drei Tagen wird die Maische "abgebrannt". Es entstehen etwa 200 Liter Rohbrand, der noch einmal destilliert werden muss, ehe der Whisky in den Eichenfässern im Keller gelagert wird.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren