Wüstenstein
Entsorgung

Der Spatenstich schafft in Wüstenstein Tatsachen

Beim Spatenstich zur neuen Wüstensteiner Kläranlage hoffte Bürgermeister Taut, dass die zurückliegenden harten Diskussionen der Vergangenheit angehören. Die Fördersumme für das umstrittene Projekt könnte steigen.
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Landrat Hermann Ulm (4.v.r.) und Wiesenttals Bürgermeister (3.v.l.) beim Spatenstich für die neue Kläranlage in Wüstenstein  Fotos: Thomas Weichert
Landrat Hermann Ulm (4.v.r.) und Wiesenttals Bürgermeister (3.v.l.) beim Spatenstich für die neue Kläranlage in Wüstenstein Fotos: Thomas Weichert
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Wiesenttals Bürgermeister Helmut Taut (FWW) scheute sich nicht vor großen Worten: "Ich bin überzeugt, dass wir heute einen Tag der Freude haben werden."
Dies sagte Taut beim symbolischen Spatenstichs der heftig umstrittenen Ortskläranlage in Wüstenstein. Einer protestierte auch an diesem Tag gegen den Bau der Anlage. Der Landwirt Stefan Rupprecht brachte seinen Unmut dadurch zum Ausdruck, dass ermit seinem Traktor zweimal an den Feiernden vorbeifuhr.

Auf seinem Anhänger hatte Rupprecht ein Protesttransparent gespannt. Taut konnte sich auf der anderen Seite auch darüber freuen, dass selbst einige Kläranlagengegner zur Feierstunde gekommen waren. Entschuldigen ließ sich dagegen der Wiesenttaler Gemeinderat Karl-Peter Schwegel (BMW), der zu den vehementesten Gegnern der zentralen Abwasserentsorgung in Wüstenstein zählt. Schwegel war beruflich verhindert und ließ sich von seiner Ehefrau vertreten.

In Richtung des Arbeitskreises "Abwasser Wüstenstein" sagte Taut: "Schade, das wir nicht zusammenarbeiten. Unser Wissen sollten wir bündeln und das Beste für Wüstenstein daraus machen."


Klare Mehrheiten

Die Gegner der Wüstensteiner Kläranlage führen unter anderem ökologische Argumente ins Feld: Sie fürchten, dass bei Starkregen ungeklärtes Wasser in die Aufseß fließen könnte.

Taut erinnerte an "die immer eindeutigen Mehrheiten im Gemeinderat" und den Bürgerentscheid, in dem sich die Bürger des Markts Wiesenttal ebenfalls klar für den Bau der Kläranlage ausgesprochen hätten. "Mehr Prügel, besser gesagt Steine, kann man einem Bauherren nicht in den Weg legen", so Taut, der den Kläranlagengegnern nochmals eine gute Zusammenarbeit anbot.
Etwas traurig gestimmt meinte er: "Wie oft ich das noch schaffe, weiß ich nicht." Die Kläranlage selbst kostet nur etwa 20 Prozent der Gesamtbausumme von geschätzten rund zwei Millionen Euro. Die Anlage ist mit 414 000 Euro veranschlagt. "Das bedeutet, dass ein Großteil der Bausumme den Ortskanälen zuzurechnen ist, die laut Taut so oder so erneuert werden müssen.

Zehn Jahre habe man nun an diesem Vorhaben gearbeitet, die letzten sechs Jahre seien "zermürbend" gewesen. "Wenn es noch eine Weile gedauert hätte, hätten die Marktgemeinderäte irgendwann geglaubt, dass durch den Bau einer Kläranlage die Wasserqualität im anschließenden Fließgewässer verschlechtert wird", so Taut. Die Ortsbevölkerung mit knapp 200 Einwohnern hätte nun endlich Ruhe verdient und müsse wieder eine Einheit werden. Denn in der Dorfgemeinschaft, in den Vereinen und der Nachbarschaft könne man sich keine dauerhaften Feindschaften leisten, so Taut, der mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren rechnet.


Zuversichtlicher Landrat

Landrat Hermann Ulm (CSU) sprach von einem "zukunftsweisenden Projekt". Es sei ein positives Beispiel für die Wertschätzung des Wassers.

"Unsauberes Wasser wird es in Wüstenstein in Zukunft nicht mehr geben", glaubt Ulm. 97 Prozent aller Haushalte im Landkreis Forchheim sind bereits an eine zentrale Kläranlage angeschlossen. Michael Richter vom Wasserwirtschaftsamt Kronach betonte, dass der Spatenstich gleichbedeutend ist mit dem Abschluss der Diskussionen. In Sachen Zuschuss wird nach der Überzeugung Richters wegen der Härtefallregelung "sicher mehr herauskommen, als im Zuwendungsbescheid steht".
Aktuell besagt der Förderbescheid, dass der Markt 648 000 Euro an Zuschuss vom Freistaat bekommt. Allerdings geht die Wiesenttaler Verwaltung inzwischen davon aus, dass sich diese Summe auf rund 1,2 Millionen Euro erhöhen könnte.



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