Forchheim
Entsorgung

Kampf dem Müll! Der Forchheimer Bauhof räumt auf

Manfred Zeitler vom städtischen Bauhof kennt die Schwerpunkte für illegalen Unrat in Forchheim. Auch tote Chamäleons hat er schon geborgen.
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Foto: Jennifer Hauser
Foto: Jennifer Hauser
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Der Arbeitstag für Manfred Zeitler beginnt um 7.30 Uhr. Er arbeitet seit 1999 beim städtischen Bauhof und ist täglich im Auto oder einer Art Kleinlaster unterwegs. Seine Aufgabe: die Stadt sauber machen.

"Die Arbeit beim Bauhof ist sehr vielseitig", erzählt er, "es gibt aber wie bei jeder Arbeitsstelle Gutes und Schlechtes." Trotzdem mache er den Job gerne. Auf seiner Tour durch die Stadt zeigt Zeitler verschiedene Müll-Schwerpunkte. Zuerst wird die Schleuseninsel angefahren. "Im Frühling ist es am Schlimmsten", sagt Zeitler, "dann explodiert der Müll." Er erzählt, dass er genau weiß, wann es wieder viel zu tun gibt: Beim ersten schönen Wetter treibt es die Menschen an die Grillplätze. "Die Plätze sind ja dafür da, dass die Leute grillen können", sagt Zeitler, "aber anscheinend schaffen es viele nicht, ihren Müll in die dort aufgestellten Mülleimer zu geben. Die denken, irgendjemand wird schon den Dreck wegmachen."


Ein Sofa auf der Wiese

Auf dem Weg zur Schleuseninsel zieht Manfred Zeitler einen Zettel raus. "Wir müssen hier jetzt mal abbiegen", sagt er. Der Zettel ist seine Auftragsliste. Wenn von Bürgern Müllablagerungen gemeldet werden, werden diese als Aufträge an die Mitarbeiter verteilt.

Langsam fährt Zeitler die kleine Straße entlang. "Irgendwo soll ein Sofa liegen", erklärt er. Und tatsächlich. Mitten auf einer grünen Wiese liegt die Hinterwand eines Sofas. Daneben zwei große Steinplatten. "Das sieht aus, als wäre es mal ein Waschbecken gewesen", erklärt er, zieht Handschuhe an und räumt die Teile in den Kofferraum seines Wagens.

Die Fahrt geht weiter. "In Buckenhofen zum Beispiel gibt es kaum Möglichkeiten, Müll illegal abzustellen", sagt Zeitler. Zu viele Wohnhäuser und mögliche Zuschauer erschweren es den illegalen Entsorgern. Aber auf dem Weg von Burk in Richtung Pilatus-Campus wird Zeitler wieder fündig: "An dieser Stelle steht immer etwas", sagt er, während er in die Haltebucht fährt. Tatsächlich: Hier liegt auf der einen Seite ein zerrissener Müllbeutel. "Der muss schon länger hier liegen, da waren schon Tiere dran und haben alles zerfleddert und verteilt", erkennt er fachmännisch.


Müllkunde für Fortgeschrittene

Auf der anderen Seite schaut sich Zeitler den abgelegten Unrat genau an und erklärt: "Ich kann anhand des Mülls mittlerweile erkennen, von wem er ist. Der hier ist von einer Familie." Ab und zu müsse er auch im Müll wühlen, sagt er. Dann sei er auf der Suche nach der Adresse der Müllsünder. "Oft sind noch Briefe mit der vollständigen Adresse drin." Dann kann der Müll eindeutig zugeordnet werden und die Eigentümer müssen ein Bußgeld bezahlen.

Während der Weiterfahrt plaudert der Mitarbeiter der Stadt. Fahrräder seien ein leidiges Thema. "Die Leute wertschätzen nichts mehr", findet er. Häufig werden Räder einfach irgendwo liegen gelassen oder stehen monatelange am Bahnhof. Dann rückt das Team vom Bauhof mit Bolzenschneidern aus und säubert die Fahrradabstellplätze von den alten Drahteseln.

Grundsätzlich kennen die Bauhof-Mitarbeiter genau die Ecken, an denen der Müll abgelegt wird. "Weil die Baugebiete sich ausbreiten, breitet sich auch der Müll aus." Die Menschen fahren an die Außengrenzen der Stadt, um dort den Unrat zu entsorgen.


Tote Tiere im Terarrium

Der außergewöhnlichste Fund von Zeitler waren verendete Chamäleons und eine große, tote Spinne, erzählt er. Alles zusammen in einem Terrarium. Häufiger sind die "normalen" Müllsünder: die Kunden von Fast-Food-Läden. "Es liegt immer nur an der Person", resümiert er. Rund um diese Restaurants sei die Masse des Mülls besonders schlimm.

Der Stadtkern hingegen sei in den letzten Jahren bedeutend sauberer geworden, freut sich der städtische Mitarbeiter. Trotzdem sind die vier Mitarbeiter, die tatsächlich zum Müllsammeln eingeteilt sind, immer gut ausgelastet. Im Jahr 2015 sei etwa eine Tonne "wilder Müll" festgestellt worden, der in extra Deponieanfahrten festgehalten wurde, sagt Klaus Bartosch, Bauamtsleiter. "Dazu kommen auch noch alte Fahrzeugreifen, die werden nach Stück abgerechnet", sagt er. Es seien 15 Reifen im vergangenen Jahr gewesen.

Zudem kam rund eine Tonne gebrauchtes Ölbindemittel von Unfällen zusammen. "2015 sind etwa 500 Tonnen Kehrgut aus den Kehrmaschinen angefallen", erklärt Bartosch, die Deponiegebühren lagen bei rund 20 000 Euro. Zirka 120 Tonnen Restmüll aus Papierkörben wurden entsorgt. Dafür fielen Deponiegebühren von 18 000 Euro an. Abfälle aus den Straßeneinläufen kosteten rund 3000 Euro und Sondermüll zirka 1000 Euro.

"Es bringt uns ja nichts, wenn wir uns darüber aufregen", sagt Zeitler, "aber die Leute merken gar nicht, dass sie sich ins eigene Fleisch schneiden, denn wenn mehr Müll anfällt, werden auch die Kosten höher."



Sammeln Sie mit!

Anliegen Der Müll an den Straßenrändern hat zugenommen, findet Leserin Ute Fischer-Petersohn.

Idee Warum nehmen wir uns nicht alle mal ein paar Minuten Zeit und sammeln Müll?

Mitmachen Machen Sie mit: Sammeln Sie am Wochenende Müll, der Ihnen sozusagen vor die Füße fällt beim Spazierengehen, Joggen etc. auf, und leisten Sie damit einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz in Franken.

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Bilderseite Was man auf den öffentlichen Wegen, an Straßenrändern oder wo auch immer an Weggeworfenem so findet, zeigen wir dann in unserer Dienstagsausgabe.
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