Der Adler Trumpf Junior, Baujahr 1938 gehört zu Effeltrich wie die Taubenzüchter und die Baumschulen. Jahrzehntelang war der Oldtimer in einer Scheune verborgen. "Er war nur wenige hundert Meter von mir entfernt und ich durfte über 50 Jahre keinen einzigen Blick auf das Fahrzeug werfen" erzählt Willi Mölkner, der vor zwei Jahren den Scheunenfund geschenkt bekam.
Gehört hat der Adler Trumpf Junior einst Hans Mehl, besser bekannt als "Schlosser Hans". Der Dorfschmied hatte nach dem Krieg den Wagen als Gebrauchtfahrzeug gekauft. Gefahren wurde das Auto, das noch das Kennzeichen der Amerikanischen Besatzer trägt, bis 1951. Das geht aus den Zulassungspapieren hervor, die noch im Original erhalten sind.
Warum das gute Stück dann in einer Scheune abgestellt wurde , darüber kann Oldtimerfreund Willi Mölkner, der noch eine Reihe von NSU-Motorrädern und einen NSU Prinz TT besitzt, nur Vermutungen anstellen. Aus Erzählungen weiß der stolze Besitzer des Scheunenfundes, dass der "Schlosser Hans" einen Holzvergaser fuhr. "Das Benzin war damals knapp, vielleicht hat der Dorfschmied deshalb seinen Adler eingemottet", vermutet Mölkner.

Hinter Müll verborgen


Dort blieb der Kleinwagen des Frankfurter Autobauers, verborgen hinter Matratzen, Lattenrosten, Kleinmöbeln und allerlei Müll bis das Anwesen vor zwei Jahren verkauft wurde. Da musste alles raus, auch das Auto. "Das mussten wir erst einmal frei buddeln" erinnert sich Mölkner. Als er mit Freunden die Reifen aufpumpte, musste nur ein Ventil erneuert werden. "Dann konnten wir das Fahrzeug direkt zu mir auf den Hof schieben", erzählt Mölkner. Vorher musste aber noch das schwere Eisentor der Scheune weggeflext werden. "Da wurde irgendwann der Hof neu gepflastert, so dass sich das Scheunentor nicht mehr öffnen ließ", lacht der Fan alter Fahrzeuge.
Begeistert von der Bergungsaktion zeigte sich auch die Nachbarin. "In diesem Auto habe ich geheiratet. Das war mein Brautauto" , erinnerte sich die Dame als der Oldtimer, von dem mehr als 78 000 Stück gebaut wurden, nach Jahrzehnten erstmals wieder durch Effeltricher Straßen rollte. Seither ist der 25 PS starke Kleinwagen eine Attraktion, die sich die Effeltricher nicht entgehen ließen.
"Leider lässt sich dieser Wagen wirtschaftlich nicht sanieren", bedauert der Oldtimerfan . In erstklassig restaurierten Zustand wäre der Konkurrent des "Opel P4" kaum mehr als 20 000 Euro wert. Auch wenn der Fronttriebler mit Lenkradschaltung und Seilzugbremsen optisch gar nicht so desolat aussieht, müsste der Wagen komplett zerlegt werden. Der Motor müsste überholt werden, die komplette Elektrik müsste ebenso neu gemacht werden wie die Bremsen. "Ob ich mir das antue, weiß ich noch nicht. Erst einmal freue ich mich, dieses Auto jeden Tag sehen zu können", gibt sich Mölkner bescheiden. Aber ein Handbuch über den Adler Trumpf Junior hat er sich über das Internet bereits besorgt. "Jeder Mensch hat einen Vogel." Dieser Spruch ziert die Hauswand des Oldtimer-Fans, der bekennt: "Ich hab´ einen großen Vogel, einen Adler."