Die Jugendarbeit in der Region sei "verbesserungswürdig", hatte Johannes Mann Anfang September gesagt. Da war der Jugendpfleger gerade eine Woche im Amt. Doch dort hat es ihn keine fünf Monate gehalten. Johannes Mann hat gekündigt. Begründung: In der Jugendarbeit gibt es nicht genug zu tun.

Sein Büro in der Schulstraße 2 ist verlassen, Johannes Mann ist für keine Stellungnahme mehr erreichbar. Stefan Zocher, JB-Stadtrat und Jugendbeauftragter der Stadt, wusste bis gestern nichts von der Kündigung Manns. "Für uns alle war die Kündigung überraschend", sagt Andreas Ramisch, Chef der Hauptverwaltung. In einem Abschlussgespräch habe Johannes Mann seine Gründe dargelegt: Die Jugendarbeit in Forchheim sei "umfangreich institutionalisiert", da gebe es keinen "ernsthaften Bedarf für weitere Arbeit". Defizite dagegen habe Johannes Mann in der "aufsuchenden Jugendarbeit" gesehen, sagt Ramisch. Demnach bräuchte Forchheim eher einen Streetworker.

Auch Reinhold Otzelberger, SPD-Stadtrat und stellvertretender Schulchef am Ehrenbürg-Gymnasium, war dabei, als der Jugendpfleger die Bilanz seiner Forchheimer Arbeit zog.

Otzelberger beurteilt diese Bilanz unter dem Aspekt der Schulsozialarbeit - auch sie gehörte zum Aufgabengebiet von Johannes Mann. Es sei "nachvollziehbar", sagt Otzelberger, dass sich der Jugendpfleger im Hinblick auf die Schulsozialarbeit unterfordert gefühlt habe. Seit der Umstellung von G9 auf G8 habe sich an den Gymnasien "eine Menge getan". Die Schüler hielten sich viel an den Nachmittagen in der Schule auf - "es gibt umfangreiche Programme und auch pädagogische Betreuung", sagt Reinhold Otzelberger; warnt aber vor zu schnellen Schlussfolgerungen: "Wir müssen die Gründe von Johannes Mann in Ruhe nachvollziehen." Keinesfalls sei aber " der Schluss zulässig, dass wir uns jetzt einen Jugendpfleger sparen können".

Im Stadtrat am Donnerstag versuchte Udo Schönfelder (CSU-Fraktionssprecher) die aktuelle Lage der Jugendpflege zu verbildlichen: Mit dem Stadtteilbüro, der Jugendsozialarbeit, dem Jugendamt und dem Jugendhaus habe die Stadt "viele schöne funkelnde Rädchen"; doch mit der Kündigung von Johannes Mann habe es jetzt den "Keilriemen" der Jugendarbeit zerrissen. Es gelte nun, "die Hausaufgaben zu machen", sagte Schönfelder. Doch Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) wollte darüber im Stadtrat keine unvorbereitete Debatte führen. "Ohne Vorbereitung endet das nur im leeren Gerede."

"Das klingt überraschend"


Zu sagen, es gebe nicht genug Arbeit in der Forchheimer Jugendpflege, "das klingt für eine Stadt in dieser Größe überraschend", meint Christian Kohlert. Der Kreisjugendpfleger und stellvertretende KJR-Geschäftsführer kann die Kündigung von Johannes Mann nicht nachvollziehen; er habe aus Sicht des Kreisjugendringes genau das Richtige getan: Kontakte zu den Jugendlichen und den Eltern aufgebaut und sich mit den Vereinen und Einrichtungen vernetzt. "Es war ein guter Anfang, der ein jähes Ende gefunden hat", schildert Kohlert den Auftritt von Johannes Mann in der Forchheimer Jugendpflege. Gleichzeitig warnt Christian Kohlert davor, den Begriff des Streetworkers gegen den des Jugendpflegers auszuspielen. Ein Jugendpfleger sei gleichermaßen im Büro und vor Ort aktiv. Der Begriff "Sreetworker" sei anders besetzt; man denke da mehr an die Arbeit mit Problemfällen. Die hiesige Jugendarbeit definiere sich aber völlig anders, sagt der Kreisjugendpfleger: "Wir haben den Auftrag für alle Kinder und Jugendliche da zu sein."