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Unterleinleiter
Theater

Das ganze bleierne Elend in einem einzigen Stück

Das Ensemble Bletsch´n Bühna rückt in Unterleinleiter die sozialen Verheerungen des frühen 19. Jahrhunderts ins Bild. Das Stück basiert auf einer Vorlage Walter Tausendpfunds.
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Die Schauspieler der Bletsch´n Bühna finden eindrückliche Bilder und Wörter für die große Not im frühen 19. Jahrhundert. Fotos: fra-press
Die Schauspieler der Bletsch´n Bühna finden eindrückliche Bilder und Wörter für die große Not im frühen 19. Jahrhundert. Fotos: fra-press
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Mit viel Beifall hat das Publikum die beiden Aufführungen der Bletsch´n Bühna bedacht. Die Schauspieler brachten vor dem Knörl-Anwesen in Unterleinleiter das Stück "1817 oder die Sehnsucht nach der schönen Welt" auf die Bühne. Das Stück geht auf eine literarische Vorlage von Walter Tausendpfund zurück. Inszeniert hat das Stück Maria Riediger.

Das Stück erzählt von der großen Armut in Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Viele Menschen sehnten sich vor diesem Hintergrund nach dem vermeintlichen Paradies namens Amerika.

Das Ensenble hatte das Stück schon mit meist großem Erfolg in verschiedenen oberfränkischen Spielorten aufgeführt. Im heimatlichen Unterleinleiter spielte die Bletsch´n Bühna das Stück dagegen zum ersten Mal. Und sie tat dies mit einem stark verjüngten Ensemble. Überzeugen konnten dabei die meisten Schauspieler.
Horst Vogel als verzweifelter Bauer, Margit Längenfelder als seine verhärmte Bäuerin, Wolfgang Nowski als Viehhändler "Itzi" und vor allem auch Marion Handschug.

Tiefe Verzweiflung

Marion Handschug spielte die ausgenutzte und erniedrigte Magd, die später dennoch den Jungbauern zum Mann nimmt.

Auch die Nachwuchsmimen Florian Preller, Nikolai Kulczak sowie Reinhold Knörl als sturer, ganz und gar dem Gesetz verschriebener Landgendarm, bewiesen ein blendendes Verständnis ihrer jeweiligen Rolle.

Aber auch die beiden Musiker Helmar Höllein mit dem Brumtopf und Theo Knopf als Pandoniospieler verstanden es mit ihren schwermütigen Zwischenspielen, die tiefe Verzweiflung jener Jahre in Szene zu setzen. Es sing um Menschen, die meist nicht wussten, wie sie die nächsten Tage und Wochen überleben sollten. Auch deshalb waren sie skrupellosen Schacherern wie dem Viehhändler "Itzi" ausgeliefert, die ihnen die letzten Erbstücke abluchsten oder für ein paar geliehene Geldstücke die Bauernhöfe pfänden ließen.

Das ganze soziale Elend war wohl durch einen Vulkanausbruch im Jahr 1815 entstanden, der sich weit weg auf der kleinen Insel Sumbawa ereignet hatte.

Die Eltern nehmen sich das Leben

Die Aschewolken trieben bis in unsere Gefilde, sodass es nicht mehr aufhörte wollte zu regnen. Auch hell wollte es nicht mehr wie gewohnt werden. Das hatte unter anderem als Konsequenz, dass das Korn auf den Feldern schlicht verfaulte.

Dieses bis in das Jahre 1817 vorherrschende Elend rückt Tausendpfund mit aller gebotenen Drastik ins Bild. So beispielsweise, als der Bauernsohn aber von seinem Vater gemahnt wird, nur nicht zu viel von dem ohnehin schon kargen Mahl zu essen. Es müsse auch noch für die nächsten beiden Tage reichen.

Die Magd kauert derweil daneben auf dem Boden und isst Saufutter aus einem Eimer. Als dann der junge Karl zusammen mit seiner schwangeren Magd der Verlockung nachgibt und tatsächlich nach Amerika auswandert, verlieren die Eltern den Hof. Am Tag seiner Pfändung nehmen sie sich das Leben.

Spätestens dann wird auch dem letztem Zuschauer mulmig zumute. Mehr kann man von einem Stück nicht erwarten.
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