Für einen Hauch von Annafest sorgten Siggi Körber (54) und Barbara Schnell (45) am Samstag im Kellerwald. "Wir sind sehr traditionsbewusst", behaupten die beiden von sich, die seit 1. Oktober den Weißtauben-Keller gepachtet haben. Deshalb luden die zwei Gastwirte gemeinsam mit der Brauerei Rittmayer aus Hallern dorf und dem Verpächter des Kellers am Samstagmittag zu einer außergewöhnlichen Aktion ein: dem "Einkellern".

Eine Tradition, die verschwindet


Mit einem historischen Hanomag-Traktor wurden Bierfässer zu den Klängen der Feuerwehrkapelle Forchheim vom Fuße des Kellerberges hinauf bis zum Weißtauben-Keller gebracht und anschließend eingelagert. "Mit der Einkellerung des Bieres betreiben wir Brauchtumspflege", betont Körber. "Heutzutage lagert eigentlich kein Gastwirt mehr ein, sondern bekommt einmal jede Woche den Wochenbedarf geliefert", berichtet Körber über eine schwindende Tradition.
Dass der Brauch des Einkellerns immer mehr in der Versenkung verschwunden ist, hat auch betriebswirtschaftliche Gründe. "Welcher Gastwirt kann es sich schon leisten, mit dem Biereinkauf in Vorleistung zu gehen und dann eingelagertes Bier über Wochen lang noch reifen zu lassen", sagt Barbara Schnell. "Mit der Einkellerung ist auch eine Kapitalbindung, also meist auch eine Vorfinanzierung von Vorräten verbunden."

Im Mai wird angezapft


Die letzte Einlagerung war, wie sie erfahren habe, in den 60er-Jahren. Die beiden Gastwirte sind dankbar, dass sie durch die Brauerei Rittmayer mit großzügigen Zugeständnissen unterstützt wurden. "Das macht nicht jede Brauerei", lobt Siggi Körber. "Das frisch eingekellerte Bier lagert jetzt bis zum historischen Kellerauftakt Anfang Mai und kommt dann erst zum Ausschank", erklärt er. Bei acht Grad Celsius könne das Bier noch weiter reifen und werde "noch vollmundiger". Siggi Körber gerät ins Schwärmen: "Dann steht gleich der Schaum ganz anders im Krug, den kann man dann fast mit dem Löffel rausholen."
Durch die Tatsache, dass manche Keller über 600 Jahre alt sind, fühlen sich Körber und Schnell verpflichtet, "Tradition und Brauchtum wieder aufleben zu lassen". Derzeit sind die beiden dabei, die langen Gänge des Kellers von dem Unrat mancher Vorpächter zu befreien. "Hier sollen nach einer Sanierung dann auch Bierproben stattfinden", verrät Körber die Zukunftspläne.

Um 6 Uhr den Holzofen anschüren


Und auch die Schäuferla kommen am Weißtauben-Keller nicht aus dem Elektroherd sondern aus dem Holzbackofen. "Die Schäuferla im Elektrobackofen dauern nur knapp zwei Stunden; der Holzbackofen braucht vier bis fünf Stunden; dafür schätzen unsere Gäste diesen schmackhaften Service." Dafür müsse er oft schon am Sonntagmorgen um 6 Uhr den Holzofen anschüren, damit die fränkische Spezialität pünktlich zum Mittagessen auf dem Tisch fertig ist. Körber: "Wir sind stolz darauf, wo wir uns hier aufhalten und diesen Gedanken wollen wir auch an unsere Gäste weitergeben."