Forchheim
Amtsgericht

Clubberer gegen Bayern-Fans: Bewährung für Prügel am Vatertag

Ein betrunkener 24-jähriger Club-Fan schlug auf mehrere Mitglieder eines Bayern-Fanclubs ein. Obwohl er bereits vorbestraft war, bekam er noch eine Bewährungsstrafe.
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Auf dem Weg zum Gräfenberger Bahnhof eskalierte der Streit.  Foto: Petra Malbrich
Auf dem Weg zum Gräfenberger Bahnhof eskalierte der Streit. Foto: Petra Malbrich
Konkrete Angaben zum Sachverhalt wolle sein Mandant nicht machen, erklärte Rechtsanwalt Jahn-Rüdiger Albert. Er sei ohnehin "erheblich alkoholisiert" gewesen und könne sich nicht mehr wirklich an die Tat erinnern.
Die Anklage hingegen beschrieb die sechs vorsätzlichen Körperverletzungen konkret: Am Vatertag 2014 soll der Angeklagte in der Bahnhofsstraße in Gräfenberg nach einem Streitgespräch zuerst einen 32-Jährigen durch einen Schlag in den Rücken zu Fall gebracht und anschließend auf den am Boden liegenden eingetreten zu haben. Außerdem soll er dem 32-Jährigen in den Finger gebissen haben. Im weiteren Verlauf schlug er vermutlich mehrfach mit der Faust zu: ins Gesicht und in die Rippen weiterer Beteiligter. Außerdem soll er mehrere Male getreten haben. Insgesamt seien sechs Bayern-Fans verletzt worden.

Alle fünf Zeugen beteuerten, dass für sie die Sache eigentlich abgeschlossen sei, schließlich liegt die Auseinandersetzung bereits 1,5 Jahre zurück.

Der 32-jährige Soldat, der als erster geschlagen und getreten worden war, sagte aus, dass er seit morgens mit seinen Freunden aus dem FC-Bayern-Fanclub unterwegs gewesen war und sie getrunken hatten. Diese Aussage bestätigten seine Freunde. Einer der Zeugen antworte gar auf die Frage von Richterin Silke Schneider, was sie denn zu sich genommen hätten: "Getrunken haben wir... viel." Außerdem sagten die Zeugen einstimmig aus, dass sie auf dem Weg zum Gräfenberger Bahnhof Bayern-Fan-Lieder gesungen hätten.

"Wie das zustand kam, weiß ich echt nicht mehr", erklärte der 32-jährige Geschädigte, "es ging so blitzschnell." Er wisse auch nicht mehr, ob ihn jemand getreten habe, als er am Boden lag. An den Angeklagten hingegen konnte er sich gut erinnern: "Er war mega aggressiv und betrunken." Wie genau der Angeklagte dazu gekommen war, in den Finger des 32-Jährigen zu beißen, konnte er sich nicht mehr erklären - auch nicht, was danach passiert ist. "Ich war voll und ganz mit meinem Finger beschäftigt", sagte der 32-Jährige.


Angeklagter trinkt sonst nicht

Der 24-jährige Angeklagte sprach sehr wenig während der Verhandlung. Nach jeder Zeugenaussage entschuldigte sich der Student und beteuerte, dass er sonst nie trinke.

Da sämtliche Beteiligten stark alkoholisiert waren, erinnerten sich alle nur zu Teilen an den Tatabend. Trotzdem wurde im Laufe der Verhandlung klar, dass sich die Anklage zumindest in groben Zügen der Wahrheit entsprechen muss.

Der Staatsanwalt Christian Schorr beantragte die vorsätzliche Körperverletzung auf vier Fälle zu beschränken, da zwei der Geschädigten kaum verletzt wurden und eine Absicht des Angeklagten anhand der Aussagen auch nicht zu erkennen war. Da der angeklagte Student jedoch schon mehrfach vorbestraft und sogar schon unter Bewährung die Tat begangen hatte, forderte Schorr eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten, die "mit leichten Bedenken" noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Eine verlängerte Bewährungszeit hielt er allerdings für angebracht. "Wenn es jetzt noch weitere Gewaltdelikte gibt, dann war ihr Studium umsonst", sagte der Staatsanwalt, "dann gehen sie ins Gefängnis." Neben einer Geldauflage soll auch ein Anti-Aggressionstraining nach Ansicht des Staatsanwalts zu seinen Bewährungsauflagen zählen.


Gerade noch einmal Bewährung

Auch Verteidiger Albert pochte auf eine erneute Bewährung. Er sah eine positive Sozialprognose, vor allem auch, weil der 24-Jährige kurz vor dem Abschluss seines Studiums steht und seit der Tat vor mehr als 16 Monaten sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen hatte. Er wollte keinen konkreten Strafantrag stellen.

Richterin Silke Schneider verurteilte den 24-Jährigen schließlich zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Außerdem muss er 1200 Euro bezahlen und ein Anti-Gewalt-Training besuchen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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