Forchheim
Strafprozess

Club-Fans verprügelten Greuther-Anhänger

Drei Forchheimer stürmen einen Zug und greifen Fußballfans aus Fürth an. Amtsrichter Philipp Förtsch verurteilt zwei von ihnen zu Arbeitsstunden und verordnet einem Anti-Gewalttraining.
Artikel drucken Artikel einbetten
Landfriedensbruch - das klingt nach vermummten Linksextremisten, Hausbesetzern und RAF-Sympathisanten. Um das handelte es sich in diesem Fall aber nicht. Vielleicht hatte tatsächlich eher die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe recht, die das, was da zwischen den Bahnhöfen Hirschaid und Forchheim vorgefallen war, mehrfach als "Abenteuerlust und Imponiergehabe" bezeichnete.

Die drei angeklagten jungen Männer aus Forchheim haben jedenfalls eines gemeinsam - sie sind Anhänger des 1. FC Nürnberg. Das war schließlich auch der Grund, weshalb sie nun vor dem Forchheimer Amtsrichter Philipp Förtsch gelandet sind. Denn die drei hatten sich zusammen mit mindestens 15 Gleichgesinnten verabredet, um "Kleeblätter zu verdreschen".

Zu diesem Zweck stiegen sie in Hirschaid in einen Zug, der überwiegend mit Anhängern der SpVgg Greuther Fürth besetzt gewesen ist. Die mittlerweile vermummten Club-Fans stürmten den Zug, durchstreiften die Abteile, drangsalierten und verletzten - soweit sie als Anhänger der "Weiß-Grünen" identifizierbar waren - einige Fahrgäste.

Der Jüngste zeigt Einsicht


Es war wohl pures Glück, dass die Polizei Schlimmeres verhindern konnte. "Denken Sie nur daran, was hätte passieren können, wenn einer eine Stich- oder sogar eine Schusswaffe mit sich geführt hätte!", malte sich Amtsrichter Förtsch die möglichen Konsequenzen aus.

Dennoch baten die beiden Verteidiger den Richter und die Staatsanwältin zu einem Rechtsgespräch in einen Nebenraum - "um das Verfahren etwas abzukürzen", wie sie sagten. Das führte immerhin dazu, dass das Trio die in der Anklageschrift dargelegten Sachverhalte einräumte. Der Jüngste setzte noch hinzu, das sei "nicht das Schlaueste gewesen, was ich getan habe."

Der Mittlere der drei war ohne jede Vorbelastungen und konnte daher mit seinem Anwalt den Gerichtssaal verlassen. Die Anklagevertreterin hatte für ihn eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Arbeitsleistung beantragt.

Doch seinen Verteidiger trieb nur die Sorge um, dass sein Mandant doppelt bestraft werden würde - wenn die Arbeitsleistung nämlich aufs Wochenende fiele, so dass er in dieser Zeit nicht das Spiel seines geliebten "Club" besuchen könne. Doch diese Gefahr entfiel ohnehin, da die Einstellung des Verfahrens ohne Arbeitsauflage verfügt worden ist.

Rüffel von der Staatsanwältin


Für den Ältesten und den Jüngsten hatte die Schlägerei dagegen ein Nachspiel. Das lag unter anderem auch daran, dass das Bundeszentralregister für den Ältesten zwei, für den Jüngsten gar vier Einträge enthielt. "Ich bin auch Fußball-Fan", outete sich die Staatsanwältin, und wandte sich direkt an die beiden Angeklagten: "Gehen Sie zu den Spielen, regen Sie sich von mir aus auf, aber lassen Sie solchen Quatsch."

Als Erziehungsmaßnahme müssen nun beide jeweils 50 Arbeitsstunden ableisten und sich an einem Anti-Gewalttraining beteiligen. "Sie haben Glück, dass das alles nicht eskaliert ist", stellte Amtsrichter Förtsch fest.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren