Oberehrenbach
Gemeinschaft

Club 72 im Dach des Kirchengebäudes: Unten Wein und oben Bier

Der Club 72 Fränkische Geselligkeit e.V. aus Oberehrenbach hat seinen Clubraum im Dach des Kirchengebäudes, das früher eine Schule war.
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Club72-Fest: das Aufstellen des Kerwabaum Foto: Carmen Schwing
Club72-Fest: das Aufstellen des Kerwabaum Foto: Carmen Schwing
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"Das hat so gut nach Bratwurst gerochen, deshalb habe ich mich mit 12 Jahren raus geschlichen und bin zum Grillfest vom Club 72 gerannt", erinnert sich Wilhelm Sponsel, Zweiter Bürgermeister und Clubmitglied. Er hatte es gar nicht erwarten können, bis er endlich 15 wurde und bei den Aktionen mitmachen durfte.

"Das ist mein Verein, und Bratwurst mag ich auch noch immer", scherzt Sponsel. Die damaligen Gründer hatten ihn beeindruckt. Einer davon ist Gerhard Arzt, Gründungsvorsitzender und jetzt Ehrenmitglied. Früher soll es viele Vereine in Oberehrenbach gegeben haben, die jedoch nicht lange gehalten hatten. Anfang der Siebziger gab es nur die Freiwillige Feuerwehr, und hier eine zweite Gruppe. "Wer damals zu spät kam musste 50 Pfennig, wer unentschuldigt fehlte eine Mark zahlen", erzählt Gerhard Arzt.

Im Jahr 1972 hatten Mitglieder dieser Gruppe nun die Idee, einen Verein zu gründen, um alte Traditionen und Brauchtum am Leben zu halten. So wurde das in der Feuerwehr eingenommene Geld als Grundstock für den neuen Verein genommen. "Unser Lehrer Heinz Clemens schlug vor, dass wir den Verein Club 72 nennen, da Club ein damals neumodisches Wort und 72 das Gründungsjahr war", erklärt Arzt. Doch viele andere verstanden den Namen nicht und die Mitglieder erweiterten ihn um "fränkische Geselligkeit".

Ehemalige Lehrerwohnung

1973 sollte auch gleich ein Faschingsball in der Gaststätte am Ort organisiert werden. "Als wir alles vorbereiten wollten, brachen Maurer gerade die Wände im Gebäude durch und es gab keinen Saal mehr", erinnert sich Anton Kaul, ein weiteres Gründungsmitglied. Dann sei die Schule frei geworden und darin ein Mehrzweckraum entstanden, der vom Club 72 genutzt werden konnte. Doch damit beließen es die Oberehrenbacher nicht.

Sie überlegten, dass man die Schule ja zu einer Kirche umbauen konnte. Emil Spät, Vorstandsmitglied des Vereins, bat einen befreundeten Architekten eine Skizze für den Umbau zu machen. "Damit das Sinn macht, hat sich die Kirchengemeinde mit dem Club geeinigt, sodass unten die Kirche entstand und oben in die ehemalige Lehrerwohnung der Club einziehen konnte", berichtet Traugott Galla, der bis vor Kurzem Erster Vorsitzender des Club 72 war. Alle Oberehrenbacher halfen beim Umbau mit und es konnte begonnen werden Kerwa zu feiern. "Bei der Weihe meinte der Weihbischof, dass unsere Kirche einzigartig in Bayern ist", sagt Gerhard Arzt. Denn unten in der Kirche gäbe es Wein und oben im Club Bier. "1977 haben wir das erste Festzelt aufgebaut; das war schon etwas Besonderes für so ein kleines Dorf", erzählt Anton Kaul.

Osterbrunnen, Kicker, Volleyball

Nach wie vor ist die Kerwa mit Baumaufstellen und Betzen austanzen ein Highlight im Ort. Doch dann wurden es immer mehr Events: Faschingsveranstaltungen, Bildungsfahrten, Osterbrunnen oder Nikolausfeier mit Geschenken für die Kinder. "Mittlerweile schmücken die Frauen vom Ort den Osterbrunnen", erklärt Traugott Galla. Sein Nachfolger ist Christian Kern. "Wir machen auch jedes Jahr ein Johannisfeuer, Kickerturnier, Silvesterfeier oder spielen jeden Montag Volleyball", ergänzt der junge Vorsitzende. Geld, das der Verein einnimmt, spendet er in jedem Jahr an gemeinnützige Institutionen. "In diesem Jahr gingen 1000 Euro an die Kinderkrebshilfe", erzählt Christian Kern.

Und alle Mitglieder bestätigen, dass Alt und Jung sehr gut im Club72 miteinander auskommen, denn die Jungen wuchsen quasi in den Verein hinein, da sie die Älteren von klein an begleiten durften.

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