Oft fehlt den Menschen - besonders den deutschen Bürgern - die Zeit. Alles muss schnell gehen: Aufstehen, Zähne putzen, kurz gefrühstückt und auf zur Arbeit. Christel Rüstau dagegen nimmt sich die Zeit. Ihr Morgen beginnt mit einem Gebet, der Bibel und einem Gespräch mit Gott. Eine ihrer Lieblingsstellen aus der Bibel ist aus dem 1. Korinther 1,18: "Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft."

Nach knapp zehn Jahren Gemeindearbeit in den Außenorten Effeltrich, Kersbach und Hausen verabschiedet die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Johannis Pfarrerin Christel Rüstau (65) in der St. Johanniskirche zu Forchheim am Sonntag, 25. März. Während ihres Ruhestandes ab dem 1. April wird sie weiterhin ehrenamtlich mit dem Emmauskreis arbeiten, was sie seit 1977 macht. Aber Christel Rüstau bleibt auch Pfarrerin.
"Ich habe bloß keine feste Gemeinde mehr, in der ich arbeite. Trotzdem werde ich einspringen, wenn Not am Mann ist", sagt sie. Seit 39 Jahren arbeitet Christel Rüstel nun als Pfarrerin. Ihre täglichen Aufgaben beschreibt sie mit einem einfachen Satz: "Das was eben anfällt." Dazu gehören unter anderem Konfirmandenunterricht, Seelsorge, Hausbesuche oder die Vorbereitungen für den Gottesdienst.


Evangelische Gottendienste in katholischen Kirchen



Eine Besonderheit: Ihre evangelischen Gottesdienste hielt sie in den katholischen Kirchen der Außenorte. "Das ist nicht selbstverständlich. Vor 30 Jahren wäre das undenkbar gewesen. Dafür bin ich sehr dankbar." Für Christel Rüstau bedeutet Glauben "die gelebte Beziehung mit Jesus Christus in guten wie in schlechten Tagen und die Gewissheit, zu ihm zu gehören". Und das möchte sie an andere Menschen weitergeben.

Christel Rüstau wusste schon seit ihrem elften Lebensjahr, dass für sie der Beruf als Pfarrerin genau das richtige ist. Warum sie das schon so früh wusste, bleibt ihr kleines Geheimnis. Nach dem Abitur studierte sie Theologie in Münster, Wuppertal sowie Heidelberg und legte 1973 in Bielefeld ihr Examen ab. Angefangen mit dem Reisedienst in der Studentenmission an deutschen Hochschulen und der Mitarbeit in der Tagungsstätte, legte sie später ein zweites theologisches Examen ab. Es folgten Stellen in Bamberg und beim Diakoniewerk in Neuendettelsau.

Dann nahm sie sich eine Auszeit: Sie plante ein Auslandsjahr in Kolumbien, doch dieses Vorhaben scheiterte. Christel Rüstau zog es in die Lüneburger Heide. 1992 kam sie zurück in den Freistaat, nach Unterzaunsbach. Schließlich arbeitete sie im Dekanat Forchheim/Muggendorf. Seit 2000 lebt sie nun im Haus St. Monika in Leutenbach, um verstärkt ihrer Tätigkeit für die Emmausarbeit nachzukommen.


Krimis und Musik



Wenn Christel Rüstau eine ruhige Minute findet, liest sie auch gerne mal "einen guten Krimi". Ihre zweite große Leidenschaft ist die Musik. Christel Rüstau stammt aus einer sehr musikalischen Familie. "Ich habe kein Musikinstrument gelernt. Bei uns war das fast schon ein Muss, musizieren zu können," erinnert sich die Pfarrerin. Zu ihrem Repertoire gehört die C- und F-Flöte, Mandoline sowie Gitarre. Spielt sie einmal nicht selber, schenkt sie den Klängen von Bach und Händel Gehör.

In ihrem nächsten Leben würde Christel Rüstau alles noch einmal genauso machen und wieder den Beruf als Pfarrerin anstreben. Denn dass es ein Leben nach dem Tod gibt, steht für sie außer Frage. "Wenn man in den christlichen Glauben hineingewachsen ist, Jesus Christus und Gott kennengelernt hat, ist ganz gewiss, dass es mehr gibt als nur dieses Leben." Zum Abschluss des Abends folgt wie immer ein Gebet und das Gespräch mit Gott.

Abschlussgottesdienst