Neunkirchen am Brand
Volltreffer

Champions-League Finale: das Ticket zum Glück

Thomas Rehm aus Neunkirchen hat eine Eintrittskarte für das Spiel FC Bayern München gegen FC Chelsea. Diese zu bekommen, war aber alles andere als einfach.
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Thomas Rehm zeigt seine Eintrittskarte zum Spiel am Samstag. Viel Geld für einen Fußballabend.   Foto: Alexander Abel
Thomas Rehm zeigt seine Eintrittskarte zum Spiel am Samstag. Viel Geld für einen Fußballabend. Foto: Alexander Abel
Schon beim Betreten des Hauses wird deutlich, dass Thomas Rehm ein waschechter Bayern-Fan ist. Im Eingangsbereich hängen ein paar Kappen und Schlüsselbunde mit FCB-Emblemen.
In der Küche liegen Autogrammkarten von allen Spielern der kürzlich abgelaufen Bundesliga-Saison. Rehm selbst trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: Mia San Dahoam, Finale 2012 München. "Ich bin aber keine Kutte, die von oben bis unten in Bayern Klamotten ins Stadion fährt. Manchmal im Trikot oder mit einer Trainingsjacke vom FCB."
Am Samstag trifft der FC Bayern München auf den FC Chelsea in der heimischen Allianz Arena. Viele wollten eine Eintrittskarte zum Champions-League Finale. Rund eine Million Menschen haben sich beworben. Viele schauen in die Röhre, doch der Neunkirchner Thomas Rehm hatte Glück.
Er kann zwei Eintrittskarten sein Eigen nennen. Begleiten wird ihn Patenkind Dominick. "Ich habe die Karten einen Tag vor seinem 18.
Geburtstag bekommen. Es gab kein besseres Geburtstagsgeschenk. Dominick war minutenlang sprachlos", erzählt Rehm.
Der 37-Jährige hatte sich wie viele andere bei der UEFA (europäischer Fußballverband) für Karten beworben. Als jedoch fest stand, dass die Bayern das "Finale Dahoam" spielen, versuchte er sein Glück direkt beim Rekordmeister und sendete einen handgeschriebenen Brief nach München.

160 Euro für eine Karte


Rehm erhielt eine Rückmeldung, dass er vielleicht zwei Karten bekommen könnte. Dann die Bestätigung: Der 37-Jährige kann sein Glück kaum fassen. Nur zwei Tage nach der Mitteilung kam das Paket an. "Es war ein Samstag und ich musste arbeiten. Mittags rief meine Frau an und sagte, dass ich ein Päckchen bekommen habe." Da ließ er "alles stehen und liegen" und fuhr sofort nach Hause. 160 Euro bezahlt Thomas Rehm pro Ticket. Das "viele Geld" habe er gerne dafür ausgegeben. "Auch wenn eine Karte über 300 Euro gekostet hätte, hätte ich zugeschlagen."
Die UEFA vergab jeweils 17 500 Karten an die Fans des FC Bayern und des FC Chelsea. Ganze 7000 der insgesamt 62 500 Karten gingen in den freien Verkauf. Der Rest an die Sponsoren. Zwischen 70 und 370 Euro kosteten die Karten für 90 Minuten Champions-League-Finale. Wer also eine Karte für 370 Euro hat, bezahlt pro Minute über vier Euro, um Spieler wie Ribéry und Robben am Samstag über den Platz laufen zu sehen. Und das ist noch günstig, wenn man bedenkt, dass bei Internetanbietern wie Ebay oder Seatwave Karten für Summen zwischen 5000 und 15 000 Euro angeboten werden.

Anspannung wächst täglich


Für kein Geld dieser Welt würde der Fußball-Fan sein Ticket hergeben. "Es ist mein größter Wunsch. Das erlebe ich nur einmal in meinem Leben, dass die Bayern zu Hause im Champions-League Finale spielen", freut er sich.
Seit sechs Jahren ist der Maler und Lackierer Dauerkarteninhaber und seit 17 Jahren Mitglied des FC Bayern München. Der Familienvater zweier Söhne kann bis heute nicht realisieren, dass er zum Finale fährt: "Oft schaue ich mir die Karte einfach nur an. Vielleicht wird mir erst auf der Fahrt am Samstag klar, dass ich mich wirklich auf dem Weg nach München befinde." Gegen Mittag fahren sie zu fünft los. Mit dabei sind noch drei Mitglieder aus dem FC Bayern-Fanclub Schwabachtal, in dem Rehm stellvertretender Vorsitzender ist.

"Jeden Tag wächst meine Anspannung. In der Nacht zum Samstag werde ich bestimmt kein Auge zu bekommen." Rehm vermutet, dass die "Blues" aus London ähnlich wie im Halbfinale gegen den FC Barcelona auftreten werden. "Dort haben sie in beiden Spielen ihr Tor verteidigt wie beim Handball und ausschließlich auf Konter gesetzt." Doch er sei optimistisch, dass seine Bayern den Pokal in die Luft stemmen werden. Zu Hause hätten sie in der Champions-League immer überzeugt und das würden sie auch gegen Chelsea.

Wer sich ohne Karte auf den Weg nach München macht und ein kleines Vermögen mitnimmt, findet vielleicht sein Glück auf dem Schwarzmarkt vor Ort. Das hat Thomas Rehm mit zwei Freunden vor elf Jahren selbst erlebt: In einer Kneipe hätten sie "spontan beschlossen", zum Champions-League Finale nach Mailand zu fahren. Die Bayern triumphierten im Elfmeterschießen über den FC Valencia. "600 D-Mark habe ich damals auf dem Schwarzmarkt bezahlt." Schwarz vor Augen wurde ihm bei dem Spiel nicht, "aber kurz vor dem Herzinfarkt war ich schon".
So knapp wie damals soll es am Samstag nicht werden. Thomas Rehm ist davon überzeugt, dass die Trophäe "dahoam" bleiben wird.
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