Auch im Amtsgericht Forchheim steht mittlerweile eine Lichtschranke, wie man sie von den Flugplätzen kennt. Dachau lässt grüßen, wo vor einigen Monaten ein Staatsanwalt mit einer heimlich hinein geschmuggelten Waffe erschossen wurde.

Manchem mag das übertrieben erscheinen, doch wenn man sieht, was die Männer an der Pforte bei den Besuchern mitunter konfiszieren, kann einem etwas mulmig werden. Den beiden Frauen, die zu Amtsrichter Bernd Kuhn in die Verhandlung gekommen waren, hatten die Beamten gerade ein auf der Verbotsliste stehendes Messer und einen Behälter mit Pfefferspray abgenommen.

Was die beiden Besucherinnen damit vorhatten, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Planten sie eine Attacke auf den Angeklagten, der in einer Arztpraxis zwei Sprechstundenhilfen beleidigt und sich als Genitalien- und Busengrabscher betätigt hatte?

Frauen begrabscht


Dafür war der Mann bereits verurteilt worden. Sein Einspruch gegen den Strafbefehl bezog sich nur noch auf die Zahl und die Höhe der Tagessätze.

Der 73-jähriger Rentner hatte ziemlich eindeutige sexistische Sprüche von sich gegeben. Er war offenbar darauf versessen, den Arzthelferinnen bei jeder Gelegenheit dorthin zu langen, wo aus einer Berührung eine tätliche Beleidigung wird.
"90 Tagessätze sind für diese beiden Taten einfach zu hoch!", verwandte sich sein Verteidiger Andreas Schwarz für den Angeklagten. Sie auf unter 20 zu drücken, stieß jedoch nicht nur bei der Staatsanwältin auf Widerspruch.

Frage der Gewichtung


Dabei ging es um eine unterschiedliche Gewichtung, denn eine der Sprechstundenhilfen hatte der Angeklagte "nur" betatscht, der anderen aber Genitalien und Brüste heftig gedrückt, ohne dass diese sich dagegen wehren konnte, weil sie ihn gerade an ein medizinisches Gerät anschließen sollte.

Der Angeklagte hatte inzwischen sein Bedauern ausgedrückt, sich entschuldigt und den beiden Frauen ein kleines Schmerzensgeld gezahlt. "Das alles sollte honoriert werden", fand der Verteidiger. Die Anklägerin zeigte sich bereit, die 90 Tagessätze maßvoll zu verringern. Sie plädierte schließlich für 65 Tagessätze zu je 30 Euro.

65 Tagessätze


Verteidiger Andreas Schwarz griff den Vorschlag in seinem Schlussantrag auf und schloss sich der Staatsanwältin an. Dem mochte sich Amtsrichter Kuhn aber so nicht anschließen. Er verurteilte den Mann zu 2275 Euro für eine Beleidigung in zwei Fällen. Das waren zwar die gewünschten 65 Tagessätze, allerdings brachte der Richter einen Betrag von 35 Euro pro Tag in Ansatz.