Gößweinstein
Brieftauben

Burgfalke Gößweinstein: ein Hobby im Sinkflug

Vor 50 Jahren wurde der Verein Burgfalke Gößweinstein gegründet. Heute hat er nur noch fünf Mitglieder. Gibt es einen Zusammenschluss?
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Ein Bild aus noch guten Tagen des Burgfalken Gößweinstein: Siegerehrung des Jahres 1969 mit den damaligen Vereinsmitbegründern (von links) Richard Brendel (Geiselhöhe), Heinrich Lang (Hühnerloh), Baptist Herlitz (Pottenstein), Willi Bauernschmitt (Gößweinstein) und Hans Rauh (Gößweinstein) Repro: Thomas Weichert
Ein Bild aus noch guten Tagen des Burgfalken Gößweinstein: Siegerehrung des Jahres 1969 mit den damaligen Vereinsmitbegründern (von links) Richard Brendel (Geiselhöhe), Heinrich Lang (Hühnerloh), Baptist Herlitz (Pottenstein), Willi Bauernschmitt (Gößweinstein) und Hans Rauh (Gößweinstein) Repro: Thomas Weichert
Unter dem Vorsitz von Willi Bauernschmitt wurde am 30. Oktober 1966 der Brieftaubenverein Burgfalke Gößweinstein von zehn Freunden dieses Sports im Gasthof Stern in Gößweinstein gegründet. Nun feierten die gerade einmal noch fünf Mitglieder zusammen mit zahlreichen Brieftaubenzüchtern aus den 14 Brieftaubenvereinen der Reisevereinigung Fränkische Schweiz, die in grober Linie von Pegnitz bis nach Forchheim reicht, im Gasthof Zum Alten Deutschen in Kleingesee ihr 50-jähriges Vereinsbestehen.


Vogelgrippe verhindert die Schau

Das Jubiläum sollte eigentlich am letzten Wochenende mit einer großen Brieftaubenschau im Gößweinsteiner Schützenhaus als 40. Ausstellung der Reiseverreinigung gefeiert werden. Der Vogelschau machte jedoch die Vogelgrippe einen Strich durch die Rechnung.

Der Ausstellungsleiter und Chef des Nachbarvereins Bergsegler Bösenbirkig, Reinhold Schatz, hält den Erlass des bayerischen Umweltministeriums, auch die Brieftauben einer Stallpflicht wegen der Vogelgrippe zu unterziehen, für übertrieben. Wie Reinhold Schatz erklärt, können Brieftauben nachweislich nicht an dem Erreger H5N8 erkranken. Auch Tauben gelten jedoch als Überträger der Vogelgrippe.


"Nicht nachvollziehbar"

Dennoch hält Schatz diese Gesetzgebung, die auch besagt, dass keine Taubenausstellungen abgehalten werden dürfen, für völlig übertrieben, da die Tauben bei einer Ausstellung mit keinerlei Fremdgeflügel in Berührung kommen. "Das ist für uns nicht nachvollziehbar", erklärt Schatz. Die Brieftaubenzucht sei inzwischen ein "Rentnerhobby" geworden, weil so gut wie kein Nachwuchs mehr nachkommt. So haben die 14 Vereine der Reisevereinigung Fränkische Schweiz gerade einmal noch 114 Mitglieder, die aktuell rund 2000 Brieftauben auf die Reise schicken. In Gößweinstein gibt es daher bereits Überlegungen, die drei Brieftaubenvereine auf Gößweinsteiner Gemeindegebiet zusammenzulegen.


Nur noch ein Mitgründer lebt

Vor 50 Jahren war die Euphorie noch groß und gerade die Brieftaubenvereine blühten auf oder gründeten sich neu. So wie eben der Jubelverein Burgfalke Gößweinstein, für den die Züchterfreunde aus Engelhardsberg die Patenschaft übernahmen. Gründerväter waren Willi Bauernschmitt und Heinz Rauh aus Gößweinstein, Baptist Herlitz und Fritz Götz aus Pottenstein, Fritz Brendel aus Allersdorf, Georg Berner aus Kleinlesau, Reinhold Körber aus Prüllsbirkig und Josef Weidl aus Leimersberg. Von diesen Gründungsmitgliedern ist heute nur noch Josef Weidl Mitglied. Er konnte jedoch aus Krankheitsgründen nicht zur Feier kommen.

Schon bei der Gründung ging das Vereinsgebiet weit über die Grenzen von Gößweinstein hinaus. Später kamen auch Züchter aus Willenreuth, Wolfsberg, Elbersberg oder Haßlach hinzu, nur um einige Ortsnamen zu nennen. Das Einsatzgeschäft wurde nach Gründung des Vereins in der Einsatzstelle Ebermannstadt mit verrichtet und ab 1974 unterhielt man in Engelhardsberg eine eigene Einsatzstelle - bis dann im alten Raiffeisengebäude in Gößweinstein und anschließend im Schützenhaus eigene Einsatzstellen eingerichtet werden konnten. 1982 ging aus dem Verein der zweite Gößweinsteiner Brieftaubenverein unter der Bezeichnung "Signalsteinbote" hervor und 1993 dann der weitere Gößweinsteiner Brieftaubenverein "Bergsegler Bösenbirkig". Über kurz oder lang wird es drei Brieftaubenvereine in Gößweinstein allerdings nicht mehr geben.

Gößweinsteins Bürgermeister Hanngörg Zimmermann, der auch die Schirmherrschaft zum Vereinsjubiläum übernommen hatte, hob besonders den Zusammenhalt im Verein und das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder hervor. Der Markt Gößweinstein könne sich glücklich schätzen, wenn sich seine Bürger gemeinsam für ein Ziel stark machen, betonte Zimmermann. Die Brieftaubenzüchter ehre besonders, dass sie für diese Tiere einen Lebensraum schaffen.


Greifvögel sind ein Ärgernis

"Ein Brieftaubenzüchter muss für seine Tiere 365 Tage im Jahr da sein", sagt Reinhold Schatz, der jeden Tag den Schlag putzt. Das will heute keiner mehr machen. Ein besonderes Ärgernis für Schatz ist aber nicht nur die Vogelgrippe, sondern auch die Greifvögel. "Oft fängt der Habicht eine gute Brieftaube kurz vor dem Schlag weg", sagt Schatz.

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