Forchheim
Forschung

Buch des Forchheimers Wolf Rothschild ausgestellt

Im Pfalzmuseum ist ein Buch des einstigen Forchheimers Wolf Rothschild zu sehen. Der Historiker Rolf Kießling hat sich Gedanken über das fromme Fundstück gemacht.
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Aktuell in  einer Vitrine des Pfalzmuseum zu sehen:  Wolf Rothschilds Exemplar von  "Die Pflichten des Herzens" aus dem Jahr   1716.Foto: Hofbauer
Aktuell in einer Vitrine des Pfalzmuseum zu sehen: Wolf Rothschilds Exemplar von "Die Pflichten des Herzens" aus dem Jahr 1716.Foto: Hofbauer
Anfang November hat der Heimatverein dem Pfalzmuseum ein seltenes Geschenk gemacht - ein Exemplar des Ethikbuches "Pflichten des Herzens". "Rothschild hat in diesem Buch gelesen" - unter dieser Überschrift berichtete der FT. Jetzt hat sich der Forchheimer Historiker Rolf Kießling mit den hier abgedruckten Überlegungen zu Wort gemeldet:

"Bei dem vom Pfalzmuseum angekauften Buch Die Pflichten des Herzens von 1716 handelt es sich meiner Einschätzung nach um ein Familienerbstück. Dies will ich im folgenden Beitrag erläutern.


Hohe Wertschätzung für Bücher im Judentum

Bücher haben im Judentum generell einen hohen Stellenwert, allen voran diejenigen, die sich auf das "Buch der Bücher", die Heilige Schrift beziehen.

Das Buch Die Pflichten des Herzens stützt sich nicht nur auf die Bibel, sondern es weist darüber hinaus ein hohes Alter auf. Es ist im 12. Jahrhundert in Spanien verfasst worden, ursprünglich in arabischer Sprache.
Die holländischen Juden, die aus Spanien vertrieben worden waren, haben die Kultur und Tradition der Sefardim, der arabisch-spanischen Juden, mit in die Niederlande gebracht und dort bewahrt. Das vorliegende aus dem Mittelalter stammende Buch wurde noch im 18. Jahrhundert für so wertvoll gehalten, dass es 1716 in Amsterdam neu aufgelegt worden ist.


Wolf Rothschild als Besitzer des Buches

Die Überschrift "(Wolf) Rothschild hat in diesem Buch gelesen." (FT vom 8. November 2012) - stimmt, muss aber konkretisiert werden, da es zwei Träger dieses Namens gibt. Gekauft wurde das Buch vermutlich um 1720 von Wolff Rothschild, einem Sohn des Bamberger Rabbiners Mendel Rothschild. Wolff ist der Stammvater aller Forchheimer Rothschilds.

Dieser Wolff war seit 1701 in Forchheim ansässig. Er war offenbar ein gelehrter und frommer Jude, der sich nicht nur mit weltlichen Geschäften abgab. Allerdings war er bereits verheiratet, als er das 1716 im fernen Amsterdam gedruckte Buch erworben hat. Wolff Rothschilds ältester Sohn Michel, um 1706 in Forchheim geboren, nannte seinen erstgeborenen Sohn nach dem Großvater. Wolf (Sohn des Michel) Rothschild könnte als junger Mann das Buch als Geschenk erhalten haben.

Das hebräische Wort ha-bachur vor dem Namen "Wolf Roit Schilt" bedeutet "Jüngling" oder "junger Mann", trifft also für den jungen Wolf Michel Rothschild exakt zu. Dieser war offenbar stolz darauf, schon in jungen Jahren ein so altes und wertvolles Buch zu besitzen.


Buch als Erbstück und als Erinnerung an die Heimat

Das vom Großvater stammende Buch war ein wertvolles Erbstück und Andenken, das der Enkel offenbar zeit seines Lebens in Ehren gehalten hat. Dass Wolf Michel Rothschild in wirtschaftliche Not geraten war und das geforderte Schutzgeld nicht mehr bezahlen konnte, ist im Buch "Juden in Forchheim" nachgewiesen. Dass er "außer Landes" ging, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, kann man dort ebenfalls nachlesen.

Bei den handschriftlichen Notizen, die das hebräische Datum 9. Ijar 5551 (d.i. 13. Mai 1791) und als Ort Düsseldorf nennen, kann es sich um nachträgliche Ergänzungen handeln. Diese dokumentieren, dass Wolf Michel Rothschild zu dieser Zeit in Düsseldorf lebte, wo er sich vermutlich als Privatlehrer seinen Lebensunterhalt verdiente.

Das 75 Jahre alte Buch war für den 1791 in der Fremde lebenden Rothschild eine kostbare Erinnerung an seine Familie und an seine fränkische Heimat.

Der Bucheintrag als solcher bestätigt die Richtigkeit der vorhandenen Forschungsergebnisse. Bei meinen Anmerkungen zur handschriftlichen Eintragung auf der Innenseite des Einbandes handelt sich um eine Forschungshypothese. Man muss einräumen: Das Geheimnis vieler alter Bücher wird man wohl nie ganz klären können."

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