Kreis Forchheim
Sport

Beim Marathon fährt der Besenwagen hinterher

Erst kommen die Sportler, dann darf er die Strecke wieder aufräumen: Reinhold Trautner ist der Mann, der mit dem Besenwagen dem Fränkische-Schweiz-Marathon hinterherfährt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Reinhold Trautner steigt in den Besenwagen. Foto: Matthias Hoch
Reinhold Trautner steigt in den Besenwagen. Foto: Matthias Hoch
+2 Bilder
Reinhold Trautner ist der Mann, der normalerweise die Straßen nach dem Fränkische-Schweiz-Marathon "leerfegt". Stundenlang ist er dann auf der Bundesstraße 470 unterwegs und achtet ganz genau darauf, ob alle Marathon-Teilnehmer die Strecke verlassen haben. Erst dann, wenn alles sicher ist, dürfen die Wanderer, Inline-Skater und Radfahrer passieren, die schon auf die Straße drängen. Dieses Jahr jedoch ist es aber etwas anders gelaufen.

Der sportliche Trautner musste nicht die ganze Strecke mit dem Besenwagen fahren, sondern durfte am 16-Kilometer-Lauf teilnehmen. "Ich war schon etliche Jahre nicht mehr dabei", freut er sich. "Jemand im Landratsamt hatte wohl Mitleid mit mir." Da der übliche "Besenmann" vom Start in Forchheim bis nach Ebermannstadt in diesem Jahr zu Fuß unterwegs war, musste in dieser Zeit logischerweise jemand anderes vorübergehend das Steuer übernehmen.
Heuer wurde er daher zum ersten Mal von Nadine Cipura unterstützt.

Auch beim Schülerlauf geholfen


"Mein Vater moderiert den Marathon. Er hat mich gefragt, ob ich Lust dazu hätte", erzählt die 19-Jährige. Da sie schon seit Jahren bei der Organisation des Marathons mithilft, am Tag zuvor hatte sie beim Schülerlauf geholfen, habe sie auch sofort ja gesagt.

Am Tag vor der Sperrung der B470 gab es dann eine kleine Einweisung durch den "Meister". Gestern steuerte sie dann den Besenwagen allein für Trautner über den ersten Streckenabschnitt. Und sie lenkte den Wagen souverän und ohne Schwierigkeiten vom Start in Forchheim bis zum Ziel nach Ebermannstadt. Immerhin 16 Kilometer.

Ihr erster Eindruck? "Langsam", meint die 19-Jährige wie aus der Pistole geschossen. Kein Wunder, war sie doch mit einer Geschwindigkeit von maximal acht Stundenkilometern unterwegs. Sie sei froh gewesen, dass der BMW über ein Automatik-Getriebe verfüge. "Das wäre ja nervig, ständig die Kupplung treten zu müssen."

Sie machen den Weg frei


Bis nach Ebermannstadt habe sie mit dem Gefährt etwa zweieinhalb Stunden gebraucht. Aber auch wenn die Fahrt vergleichsweise lange dauert, ist die Aufgabe des Besenwagen-Fahrers sehr verantwortungsvoll. "Das wird oft unterschätzt", findet der erfahrene Trautner. Denn erst wenn der Besenwagen die Route passiert hat, ist die Straße wieder freigegeben.

Nicht alle Verkehrsteilnehmer sehen es allerdings ein, so lange zu warten. "Ich musste die Fahrradfahrer hinter mir immer wieder bitten, den Fahrradweg zu benutzen", erzählt Cipura. Das sei eine Zeitlang anstrengend gewesen. Trautner kennt das nur allzu gut: "Es gibt immer wieder welche, die nicht verstehen, warum man zehn Kilometer so lange für drei Nachzügler gesperrt lässt." Die Läufer hätten zwar Zeitvorgaben und müssten selbst einschätzen können, ob sie die Strecke schaffen können. Manchmal geht das aber daneben. "Ich habe auch schon welche aus dem Rennen nehmen müssen, die schlicht zu langsam waren", erzählt Trautner.

Immer Zeit für ein Pläuschchen


Die letzten Jahre konnte Trautner den Fränkische-Schweiz-Marathon nicht wirklich miterleben, da er mit dem Auto im Einsatz war. "Ich treffe auf der Straße immer wieder Leute, die ich kenne. Manche sind auch nur neugierig und wollen wissen, was ich da eigentlich mache." Da er so langsam fahre, hätte er aber auch immer Zeit für ein kurzes Pläuschchen. Von der ganzen Euphorie bekomme er sonst aber nicht viel mit. "Es ist auch mal schön, das Publikum am Start und im Ziel mitzuerleben", sagt er. In Ebermannstadt übernahm Trautner "seinen" Besenwagen dann aber wieder von Cipura, um die übrige Route zu fahren, immerhin noch 26 Kilometer bis zur Sachsenmühle und zurück nach Ebermannstadt.

Für Nadine Cipura war ihre erste Fahrt mit dem Besenwagen auf jeden Fall eine sehr aufregende Erfahrung. Darum würde sie auch im nächsten Jahr nicht nein sagen, wenn ihre Hilfe erbeten wird. "Ich wäre auch gern mal als Fahrerin im Führungsfahrzeug dabei", sagt sie.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren