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Gräfenberg
Sprengung

Bei Sprengung in Gräfenberg: Steinbrocken fliegt viel zu weit

Trotz aller Vorkehrungen und ist nach einer Sprengung im Steinbruch ein zwei Fäuste großer Stein mehrere hundert Meter weit in ein Getreidefeld geflogen. Wie es dazu kommen konnte, bleibt ein Rätsel.
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Das ist der Stein, der über mehrere hundert Meter weit in ein Getreidefeld flog. Foto: Petra Malbrich
Das ist der Stein, der über mehrere hundert Meter weit in ein Getreidefeld flog. Foto: Petra Malbrich
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Es war ein ungewöhnlich lauter Knall, gestern gegen 9.12 Uhr. Ohrenbetäubend laut. Lauter als bei den anderen Sprengungen. Der daraufhin einsetzende Steinhagel hallt im Steinbruch Endress wider. Etliche hundert Meter davon entfernt, auf dem östlich gegenüberliegenden Feldwegen hinter einem Waldstück, läuft eine Spaziergängerin mit ihrem Hund und sieht, wie just in dem Moment ein Stein, zwei Faust Durchmesser in hohem Bogen über den Wald fliegt und in dem angrenzenden Getreidefeld einschlägt. Keine 10 Meter von ihr entfernt. Wanderer, Jogger oder Landwirte sind oft dort unterwegs.

"Es ist mir nicht bekannt, dass ein Stein derart weit fliegt. Ich habe das noch nie gehört", sagt der Betriebsleiter des Steinbruchs entsetzt, als er den Stein begutachtet. Es ist ein Stein aus dem Steinbruch, eindeutig. Das will er nicht abstreiten. Und dennoch ist es unfassbar. "Es könnte mit der Lehmschicht zusammenhängen, aber eine richtige Erklärung gibt es nicht, wird es nie geben", fügt Meyer an.

Lehmeinschlüsse in den Löchern

Die Lehmschicht war bei der Sprengung am Vormittag der Grund für den lauteren Knall. In den vier Zusatzlöchern waren Lehmeinschlüsse. Die können bewirken, dass es lauter knallt, wenn Sprengstoff einschlägt, meinen die beiden Sprengmeister, die ebenso fassungslos sind wie der Betriebsleiter. Sie entschuldigen sich für den ungewöhnlich weiten Steinflug, schütteln entsetzt den Kopf und holen alle schriftlichen Unterlagen hervor, in denen alles über die Sprengungen dokumentiert ist. Auch die Werte der Erschütterungen, die eine Sprengung verursacht.

"Die Erschütterungsdaten liegen weit unter dem uns selbst auferlegten Wert", sagt der Betriebsleiter. Schon vor Jahren haben sie auf freiwilliger Basis vereinbart, einen Wert von zwei Millimeter pro Sekunde nicht zu überschreiten. Gesetzlich erlaubt wäre ein Wert von fünf Millimeter pro Sekunde. Die tatsächlichen Werte der gestrigen Sprengungen betrugen laut Auswertung 0,4 Millimeter, 0,4 Millimeter und 0,6 Millimeter. Die Geräte werden jährlich geeicht, dann wieder aufgestellt, um die Erschütterungen zu messen. Selbst in den Wohnungen und Häusern können die Bürger Messungen durchführen.

Dieses freiwillige Abkommen bestätigt Franz Dittrich, Bereichsleiter Umweltschutz vom Landratsamt Forchheim. Zudem werden diese Berichte von einem Gutachter geprüft. "Sie waren in Ordnung", sagt Dittrich, der für den weiten Steinflug auch keine Erklärung hat und bei dem noch nie Beschwerden eingegangen sind. Denn die Firma muss auch einen gewissen Sicherheitsabstand einhalten. 300 Meter ist der Sicherheitsabstand. "Im Sprengbereich darf niemand sein", betont Meyer. Dazu sind zwei bis drei Mann zuständig.

Wenn die Sirene ertönt, wissen die Bürger aus Gräfenberg und Sollenberg bereits, dass im Steinbruch gesprengt wird. Die Kreisstraße wird gesperrt, die Mitarbeiter stellen wenige Minuten vor der Sprengung Schilder und Barrieren auf. Die Warnfahne in der Hand, werden sie per Funk wird er über den Fortgang der Sprengung im Steinbruch informiert.

Zweimal 35 Kilo Sprengstoff

Gesprengt wird derzeit im hinteren östlichen Bereich des Steinbruchs, Richtung Kreisstraße. Vor der Sprengung bohrt die Bohrmaschine Löcher, in die dann Riolit - das sind Patronen - und Rioxam - das ist loses Pulver, ähnlich aussehend wie Globuli - gefüllt wird. Maximal 75 Kilogramm Sprengstoff sind in dem Loch verstaut. Aber es gehen nicht 75 Kilo auf einmal hoch, sondern wird geteilt am Zünder oben und unten. Die zweimal 35 Kilo zünden so kurz hintereinander, dass man es nicht hört oder als einen Schlag wahrnimmt. Der Sprengmeister stellt sich in einen Bunker, die anderen Leute beobachten und sichern die Sperrzone.

Früher sei es schon einmal passiert, dass lose Steine runterkamen. Das war vor 30 Jahren. Mit den Sicherheitsabständen, den Sicherheitsvorkehrungen und den freiwilligen Werten, weit unter der erlaubten Grenze, unvorstellbar und vor allem unerklärbar.
Der Betriebsleiter ist entsetzt, entschuldigt sich nochmals und kann das Unerklärliche nicht erklären.


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