Weißenohe
Jahrestag

Bei Haalas in Weißenohe ist Muttertag ohne die Mama

Als Yvonne Haala an ihrem 32. Geburtstag in Weißenohe plötzlich stirbt, verändert sich für ihre beiden kleinen Kinder und ihren Ehemann das Leben von einer Sekunde auf die andere. Muttertag ist immer besonders schlimm, auch heute noch.
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Marco Haala und sein Vater Werner am Grab der Mutter  Foto: Petra Malbrich
Marco Haala und sein Vater Werner am Grab der Mutter Foto: Petra Malbrich
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"Er schreibt, dass er sie vermisst und hofft, dass sie stolz auf ihn ist und auf ihn aufpasst", erzählt Werner Haala von den Facebook-Posts seines Sohnes Pascal an die vor 13 Jahren verstorbene Mutter. Der inzwischen 21-Jährige hat noch immer daran zu knabbern, schaut sich heimlich die Urlaubsfilme an, auf denen seine lebenslustige Mutter zu sehen ist.

Sein Bruder Marco sieht das anders. "Muttertag ist ein unsinniger Tag", sagt Marco Haala bestimmt. Aber auch in diesem Satz ist Schmerz zu hören. Er war erst vier Jahre alt, als das Unfassbare über die junge Familie hereingestürzt ist. Es war der 32. Geburtstag, dessen Feier Yvonne und Werner Haala gerade vorbereiteten. Während die junge Frau mit dem damals siebenjährigen Pascal noch Hausaufgaben erledigte, spielte der damals vierjährige Marco mit seinem Vater.

Wenige Minuten später - kurz bevor die Gäste kommen sollten - fiel die Frau um, war nicht mehr ansprechbar. Eine Hirnblutung beendet das Familienglück jäh.


Notfallkette

"Von da an lief alles automatisch ab, der Hilferuf, die Ankunft des Notarztes, und vor allem brachte ich die Kinder weg. Sie sollten Yvonne als die lebensfrohe Frau in Erinnerung behalten, die sie war", sagt Haala.

Auch danach versuchte er, das Leben so weiterzuführen, wie es die Kinder kannten. Er nahm sich Zeit für sie, sie aßen weiterhin gemeinsam, er holte die Jungen vom Kindergarten und der Schule ab, machte mit ihnen Hausaufgaben, doch das Leben war nicht mehr wie zuvor.

"Doch diese eine Person war nicht mehr da", sagt Werner Haala, der an den Erinnerungen schwer trägt. Ein halbes Jahr war er zu Hause, hatte und hat mit der Gemeinde Weißenohe einen guten und sehr verständnisvollen Arbeitgeber.


Hilfe von allen Seiten

Freunde, Bekannte und Vereine, jeder bot seine Hilfe an. Es wurde ein Spendenkonto eingerichtet, um der vom Schicksal gebeutelten Familie unter die Arme zu greifen, um zu zeigen, dass sie nicht allein sind. All das nahm Werner Haala dankbar an.

Dennoch: "Es zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Man fühlt sich so alleingelassen, hat so viele Fragen, die keiner beantworten kann", erinnert er sich. Und trotz des Bemühens, den Alltag wieder Alltag werden zu lassen, waren da immer diese Feiertage.

"Der Muttertag war besonders schlimm", erinnern sich Werner und Marco, während sie am Grab stehen. "Immer wurde ein Muttertagsgeschenk gebastelt. Nur Marco und Pascal schrieben ,Für Papa, wir haben dich lieb'", erzählt Werner Haala.

"Ich habe mich über diese Geschenke gefreut, sie auch hingestellt, aber wir haben den Muttertag nie extra zelebriert, denn der für Muttertag übliche Ablauf vom gemütlichen gemeinsamen Frühstück, war ohnehin unser gewohntes Ritual", erklärt der Witwer.


Den Tagen Struktur geben

An diesen alltäglichen Gewohnheiten haben sie sich festgehalten. Und aneinander, denn die Kinder hatten nur noch den Vater und er nur noch seine Söhne. Jeder war für den anderen das Einzige, was ihm geblieben war. "So haben wir uns aneinander hochgezogen", sagen die Haalas rückblickend.

Die Kinder hatten viele Fragen. Für Werner war es auch schwer, seine Söhne am Fenster zu sehen, wie sie in den Himmel starrten, weil sie bei der Mutter sein wollten. "Ich bin schon sehr stolz auf die beiden, dass sie so selbstständig waren, schon fertig für die Schule gekleidet am Straßenrand gewartet haben, wenn ich den Winterdienst kurz unterbrochen habe, um sie zur Schule zu bringen", sagt Werner Haala.


Gratwanderung

Auch für ihn wurde das Leben zu einer Gratwanderung. Die Frau fehlte, er vermisste sie. Auf der anderen Seite wurde der Vatertag plötzlich zum Muttertag. Er musste zwischendurch auch streng sein, wollte aber nie zu streng sein. Und Pascal war der große Bruder, der auf den kleinen aufpasste, der jedem zeigen wollte, dass er stark ist, obwohl er diesen Schock noch immer nicht überwunden hat.

Ein Muss, das Grab zu besuchen, gab es nie. Auch nicht an Muttertag oder Weihnachten. "Jeder geht zum Grab, wenn er möchte. Selbst wenn es nur zwei Minuten sind. Das hilft oft weiter", sagt der Weißenoher. Wann die Kinder ihre Mutter besuchen, weiß er nicht.

Darüber wird nicht geredet. An Muttertag sicher nicht. "Ich bin froh, wenn er schnell vorbei ist", sagt Marco Haala.

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