Hiltpoltstein
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Bauern kämpfen gegen Vorurteile

Die Hiltpoltsteiner Landwirte Hermann und Matthias Tauber fühlen sich von einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats in ein falsches Licht gerückt. MdB Koschyk versucht sie zu beruhigen.
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Seniorchef Hermann Tauber liegt das Wohlergehen seiner Kühe am Herzen.  Fotos: Petra Malbrich
Seniorchef Hermann Tauber liegt das Wohlergehen seiner Kühe am Herzen. Fotos: Petra Malbrich
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Drei Stunden ist das kleine Kälbchen alt. Es liegt auf einem dick gepolsterten Strohbett im Kuhstall der Familie Tauber aus Kemmathen. Das Muttertier ruht sich noch im Kreißsaal aus. "Hier hat sie viel Platz und kann sich auf das Stroh legen. Vor allem hat sie Ruhe", erklärt Hermann Tauber. Er ist der Seniorchef des Milchviehbetriebs. Namen haben die 120 Kühe nicht. Vielleicht eines der Tiere ja "Hartmut" schlägt jemand vor - als Erinnerung daran, dass MdB Hartmut Koschyk (CSU) zu den Stallgesprächen gekommen ist.

Koschyk hatte den Weg in den Stall gesucht, weil die Landwirte gerade einmal wieder großen Gesprächsbedarf haben. Konkret geht es um ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik zur Tierhaltung in Deutschland. Das Gutachten erörtert Möglichkeiten, eine von der breiten Bevölkerung akzeptierte Form der Tierhaltung zu entwickeln.
"Massentierhaltung" und "Tierquäler" sind Schlagwörter, die breite Bevölkerungsschichten inzwischen mit der Landwirtschaft verbinden.

Positive Entwicklung

Auch der Wissenschaftliche Beirat sieht wohl Nachholbedarf und hat den Landwirten jetzt angetragen, sich künftig stärker um das Wohlergehen der Tiere zu kümmern. Es geht um den Verzicht auf die Kastration von Ferkeln, um Körperpflege, artgerechte Beschäftigung und dem Ideal, dass eine Kuh gefälligst auf der grünen Wiese zu stehen habe. "Dabei handelt es sich um eine Anhäufung von Vorwürfen gegen Landwirte", klagt Kreisbäuerin und Vizelandrätin Rosi Kraus (CSU).

Und auch Landwirte wie Hermann Tauber fühlen sich dadurch in ein falsches Licht gerückt. Manche Bedingungen würden hier in der Region längst erfüllt, andere seien aufgrund des spezifischen Klimas hier nicht umsetzbar. "Die positive Entwicklung bei der Milchtierhaltung mit Ställen, in denen sich jedes Rindvieh wohlfühlt, taucht nicht auf", moniert auch Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands. "Das Hauptproblem ist ein zu idyllisches Bild von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft", sagt Juniorchef Matthias Tauber. Die vom Beirat empfohlenen Standards seien aber bei großen Tierbeständen umzusetzen. Das klinge paradox, sei aber so. Früher haben auch die Taubers ihre Kühe im Stall angebunden.

Keine fremden Tiere

Als kleiner Nebenerwerbsbetrieb hatte die Familie zwar die besten Jungtiere im Landkreis, doch eine Verlustrate von 60 Prozent zu verzeichnen. "Die Jungtiere reichten nicht, wir mussten nachkaufen. Das müssen wir seit sieben Jahren nicht. Wir haben alte Kühe mit sieben bis acht Kälbchen", erklären die beiden Taubers. Als im Landkreis einige Betriebe wegen des BHV1 Virus geschlossen waren, blieb die Familie Tauber gelassen. Solche Krankheiten trifft diese Tiere nicht, es stehen keine fremden, zugekauften Kühe im Stall.

Eineinhalb Hektar Land hatte die Familie umzäunt, damit die Tiere raus können. Die Kühe aber wollten nicht, schlichen im Sommer nur nachts raus und fraßen kaum. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Kühe im Stall eine Dusche und einen Ventilator haben. Auch der Kreißsaal und das Kinderzimmer für Kälber haben das Wohlergehen der Tiere zum Ziel. "Die Arbeit der Kuh ist es, zu liegen und kauen", sagt Hermann Tauber.
Im Liegen produzieren die Kühe ihre Milch. Wenige Meter von dem Neugeborenen entfernt steht die Kuh 387. "Sie ist die beste Kuh im Stall, produziert täglich 45 Liter Milch", erklärt Inge Tauber. Kreisobmann Greif streicht heraus, dass die Bauern die Bevölkerung ernähren könnten, was nicht immer so gewesen sei. Die gängigen Vorbehalte gegenüber Landwirten nennt Greif ideologisch.

Zuvertrauen und Zuversicht

"Ohne Kenntnis kein Verständnis", sagte auch Koschyk. Er begrüßte auch deshalb die Initiative der Landwirte, mit diesen Stallgesprächen nicht nur das negative Image zu revidieren, sondern auch das Verbrauchervertrauen zu stärken.

Koschyk gab sich Mühe, die Landwirte in Bezug auf das Gutachten zu beruhigen. Er ermunterte sie stattdessen zu Selbstvertrauen und Zuversicht. "Vieles aus diesem Gutachten kann einer Diskussion mit der Praxis nicht standhalten", sagt er. Die Gutachter würde er deshalb am liebsten zu einem 14-tägigen Praktikum auf einem landwirtschaftlichen Betrieb einladen.


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