LKR Forchheim
Demonstration

Bauern gehen auf die Barrikaden

Landwirte aus Oberfranken verschaffen sich bei der Umweltminister-Konferenz in Augsburg Gehör.
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Bauern aus den Landkreisen Forchheim, Bamberg, Lichtenfels und Coburg demonstrieren gegen noch mehr Hürden für ihren Beruf. Foto: Peter Groscurth
Bauern aus den Landkreisen Forchheim, Bamberg, Lichtenfels und Coburg demonstrieren gegen noch mehr Hürden für ihren Beruf. Foto: Peter Groscurth
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Insgesamt 2500 Landwirte aus dem Freistaat demonstrierten dort unter dem Motto "Umweltschutz geht nur mit uns Bauern, nicht gegen uns!" und appellierten an die Politik.

Der Bayerische Bauernverband (BBV) befürchtet, dass sich viele der geplanten Auflagen massiv auf die Betriebe auswirken. Im Umwelt- und Naturschutz würden "teils unüberwindliche Hürden" drohen, so ein Sprecher des Bauernverbandes. Die geplanten Regelungen seien ohne Gespür für die Familien, die von ihrer Arbeit auf dem Hof und auf den Feldern leben wollen und müssen.


Hohe Auflagen in allen Bereichen

Franz Böhmer aus Ebensfeld kennt das Problem und meint: "Jeder Bauer muss doch so wirtschaften können, dass auch nachfolgende Generationen von dem Ertrag des eigenen Hofes leben können." Doch genau das sei in Gefahr. Dafür sorgen würden hohe Auflagen bei Umweltschutz und Tierhaltung. Künftig sollen Landwirte etwa Kurse für Tierhaltung belegen, im Pflanzenschutz ist das bereits seit drei Jahren Pflicht. "Als ob wir uns seit Jahrzehnten nicht anständig um unsere Höfe kümmern", klagt Albert Hümmerer aus Trosdorf kopfschüttelnd.
Die Probleme der Bauern ließen die Verantwortlichen aus Politik und Behörden hingegen kalt. Hümmerer nennt in diesem Zusammenhang die Gänseplage im Maintal. Seit rund drei Jahren gibt es dort viele Grau- und Kanadagänse, die die Felder kahl fressen. "Doch niemand hilft uns hier oder bietet Lösungen an."

Gleiches gilt für die Mäuse, von denen es im Itzgrund zu viele gibt. Gerhard Ehrlich, stellvertretender oberfränkischer BBV-Präsident, schimpft: "Erst nach langen Diskussionen und Verhandlungen können wir nun bis Ende Dezember Gift ausbringen. So ging leider aber auch wertvolle Zeit für alle Betroffenen verloren."


Verbraucher tragen Mitschuld

Fakt ist, dass sich Landwirte im Stich gelassen fühlen. Auch von den Bürgern. Die wollen biologisch produzierte Lebensmittel, am liebsten günstig und direkt vom Erzeuger. Doch Landwirtschaft vor der Haustür lehnen viele Verbraucher dann ab, beschweren sich über die Arbeit der Bauern und fordern ihrerseits Unterstützung von der Politik. Die kommt dann auch - in Form von neuen Bestimmungen und Verordnungen für die Agrarwirtschaft.
Rosi Kraus, Kreisbäuerin für die Region Forchheim, betreibt im Nebenerwerb Obst- und Ackerbau und erzählt von ihren Erfahrungen: "Als ich Anfang der 80er-Jahre den Betrieb übernahm, hatte ich im Büro zwei Ordner.

Mittlerweile werden es wohl über 50 sein. Diese Bürokratie erdrosselt uns und die Aussichten werden nicht besser." Die Zahl von Kontrollen steige weiter und bei Verstößen folgen rasch harte Sanktionen. "Als Landwirte stehen wir unter einer Art Generalverdacht. Es ist kein Wunder, dass immer mehr die Lust an dieser Aufgabe verlieren", fügt sie nachdenklich an. Der Strukturwandel ist nicht aufzuhalten. Das gilt auch für Ühleinshof - der Heimat von Rosi Kraus: "Früher gab es dort fünf Häuser und eben auch fünf Landwirtschaften. Heute stehen bei uns zwölf Anwesen und in nur noch zwei existieren Nebenerwerbshöfe."

Neben Kraus steht Michael Bienlein, Kreisobmann des BBV in Lichtenfels. Auch er hadert auf der Demonstration in Augsburg offen mit den Parteien: "Die Grünen wollen keine Landwirtschaft mehr, sie machen sich nur noch für Naturschutz stark." Neuester Plan einiger Umweltminister ist die Deckelung des Ammoniak-Ausstoßes in der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Wird der Plan umgesetzt, dann muss jedes achtes Rind aus bayerischen Betrieben verschwinden, um die neuen Vorgaben einhalten zu können. Bienlein hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es nicht zu solchen Entwicklungen kommt und wünscht sich, dass die Parteien zugunsten der Landwirte einlenken: "Unser Protest kann sicherlich auf unsere Lage aufmerksam machen. Tatsache ist doch, dass wir die Verlierer sind, wenn wir nichts machen."


Resolution für die Ministerin

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf zeigte sich den protestierenden Bauern dann sogar vor dem Steigenberger-Hotel in der Augsburger Innenstadt. Dort überreichte ihr BBV-Präsident Walter Heidl eine Resolution. Die Kreisobmänner appellieren darin an die Landesparlamente sowie den Deutschen Bundestag und die Ministerien, mit den Menschen, die von Land- und Forstwirtschaft leben, fair umzugehen und sich sach- und praxisorientiert mit den Themen zu befassen.

Eine schöne Vorstellung - wenn endlich wieder Broterwerb mit den eigenen Händen im Vordergrund stehen könnte. Davon träumt auch Bambergs Kreisobmann Heinrich Faatz: "Aber zurzeit ist für viele unserer Landwirte der PC leider wichtiger als die Mistgabel."

Wenigstens eine gute Nachricht gibt es für die Landwirtschaft. Das so umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat soll nach Einschätzungen eines Expertengremiums der EU keine Bedrohung für den Menschen darstellen. Lange Zeit stand es im Verdacht, krebserregend zu sein. Doch nun gab es Entwarnung. "Wenigstens eine gute Nachricht", atmete ein Landwirt aus dem Landkreis Coburg auf, als er auf dem Heimweg davon hörte - auf dem Heimweg Richtung Büro, wo schon wieder viel zu viele Anträge und Briefe zur Bearbeitung warteten.

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