Forchheim
Wirtschaft

BNI-Chapter Forchheim: erst geben, dann gewinnen

Über 200 000 Geschäftsleute sind weltweit in der Unternehmer-Organisation BNI zusammengeschlossen. Ein Ortsverband des Netzwerkes sitzt in Forchheim.
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Friseurmeisterin Laura Polster präsentiert ihr Handwerk in der Frühstücksrunde des BNI. Foto: Tobias Hopfner
Friseurmeisterin Laura Polster präsentiert ihr Handwerk in der Frühstücksrunde des BNI. Foto: Tobias Hopfner
Die 40 Frauen und Männer, die schon ab 6 Uhr für Hochbetrieb auf dem Hoffmannskeller sorgen, sind nicht wegen des guten Frühstücks hergekommen. Sondern weil sie von einer Strategie begeistert sind, die ein gewisser Ivan Misner vor 32 Jahren erstmals in Arcadia (USA) erprobt hat - und die seitdem von über 200 000 Geschäftsleuten praktiziert wird: Man trifft sich, um die Geschäfte des anderen kennenzulernen und weiterzuempfehlen.

Das von Ivan Misner 1985 gegründete Business Network International (BNI) hat sich auf fünf Kontinenten in 7800 sogenannten Chaptern (Ortsverbänden) verbreitet. Der Ablauf im Chapter Forchheim folgt dem selben Muster, das weltweit verbindlich für alle Ortsverbände festgeschrieben ist.


Peter Kaiser gründete Chapter

Bevor die Mitglieder frühstücken, stehen sie in Grüppchen herum, begrüßen neue Gäste, erzählen von ihren Geschäften, tauschen Kontakte und Empfehlungen aus. Netzwerkarbeit nennt sich das. Der wohl erfahrenste Netzwerker, der an diesem Morgen Auf den Kellern 21 anzutreffen ist, heißt Peter Kaiser. Der Forchheimer Geschäftsmann hat sich BNI vor neun Jahren angeschlossen und vor zwei Jahren das Chapter Forchheim gegründet.

Aktueller Chapter-Direktor ist der Makler Christian Hübner. Nach der Netzwerkarbeit erinnert er die Mitglieder an die Grundsätze: "Wir verändern die Art und Weise, Geschäfte zu machen. Wer gibt, gewinnt."


Eine Minute Zeit, sich zu zeigen

Wer bei BNI mitmacht, kennt diese Sätze bald in- und auswendig. Denn die Wiederholung ist ein Kern-Prinzip dieser Gruppenarbeit. Bei den wöchentlichen Treffen wird jeder aufgerufen, sich aufs Neue zu präsentieren. Er oder sie erhebt sich und hat eine Minute Zeit, seine Tätigkeit vorzustellen. Oder zu sagen, was ihn beschäftigt oder nach welchen Kunden er sucht.

Anwalt und Autohändler, Elektriker und Eventveranstalter, Drucker, Metallbauer, Rechtsanwalt, Schreiner oder Ingenieur... - einer nach dem anderen steht auf und präsentiert eine Mischung aus Information und Werbung. Da sucht zum Beispiel ein Fitnesstrainer "Interessenten, die an ihren Traum-Body rankommen wollen". Oder eine Goldschmiedin sucht "Kontakt zu einem Wedding-Planer". Slogans sind zu hören: "Wir steuern Euren Erfolg" ... "Wir verwalten Forchheim"... "Wir suchen Kunden, die einen Schaden haben, zumindest einen Glasschaden."


Motivation und Belohnung

Der beste Auftritt wird mit einem "Oskar" belohnt. Überhaupt setzt dieses Unternehmer-Netzwerk stark auf Motivation und Belohnung, aber auch auf Bestrafung. Wer zu spät kommt, erhält ein "late". Wer das Treffen vor 8.30 Uhr verlässt, dem wird ein "unentschuldigt" eingetragen. "Wer drei Mal im halben Jahr unentschuldigt fehlt, der fliegt raus", sagt Peter Kaiser.

In dieser eigenwilligen Mischung aus Spiel, Show und Geschäfts-Disziplin dreht sich fast alles um "Verbindlichkeit". Eine Aktivität pro Woche sei Pflicht, sagt Christian Hübner. Etwa ein Vier-Augen-Gespräch. "Dabei überlege ich mir immer, wie ich den anderen ins Spiel bringen kann. Gleichzeitig ist es eine Gelegenheit, sich zu schulen", erklärt der Chapter-Direktor.

Nach der Präsentationsrunde berichten die Mitglieder über ihre Aktivität. Wer viele Empfehlungen ausspricht, wird in der Frühstücksrunde mit stehendem Beifall belohnt. Wer dank einer Empfehlung einen Umsatz erzielt hat, bedankt sich dafür in der Runde.

Den härtesten Part an diesem Morgen hat Wolfgang Johannsen. Der Bausachverständige und Gutachter hat für ein Jahr den Job des Mitgliederkoordinators übernommen. "Es ist 7.24 Uhr, wir sind zwei Minuten hinter der Zeit", ruft Johannsen, nachdem ein neues Mitglied aufgenommen und der Ehrenkodex vorgelesen worden ist.
Der Koordinator ist ein strenger Zeitmanager. Neigt sich eine 60-Sekunden-Präsentation ihrem Ende zu, hält er ein Schild hoch, auf dem "zehn Sekunden" steht. Wird die Redezeit überschritten, zückt Wolfgang Johannsen das "Applaus"-Schild. Abschließend erinnert er die Geschäftsleute daran, dass das Chapter Forchheim nun seit 25 Monaten existiere und seitdem drei Millionen Euro Umsatz erzielt habe.

Erst wenn sich die Frühstücksrunde aufgelöst hat, findet der Mitgliederkoordinator Zeit, selbst zu frühstücken. "Ich hab mich früher gegen Netzwerke gewehrt", erzählt Wolfgang Johannsen. Seit einem Jahr überzeugt er sich nun vom Erfolg der Idee: "Jeder hier will vom anderen Umsatz haben. Dabei gibt es keine Kungeleien und keine Ellenbogen - es ist ein vertrautes Miteinander."

Einer der Gäste an diesem Donnerstag ist Michael Zentgraf von der Forchheimer Firma Energy Alliance AG. Ein Geschäftspartner hat ihn eingeladen, um BNI kennenzulernen. "Ich hab ja in meinem Firmennamen den Begriff Alliance", sagt Zentgraf. Ihm sei klar "wie vorteilhaft es im Geschäftsleben ist, Netzwerke zu bilden - es ist das Beste, was man machen kann". Spannend sei es, wie BNI so ein Netzwerk "als geregelten Ablauf" organisiere, betont Zentgraf. Für ihn sei das Frühstück Anstoß, ein Industrie- Chapter anzuregen.


1700 Empfehlungen

Nach zweieinhalb Stunden leert sich der Hoffmannskeller. Bevor die Geschäftsleute in ihre Firmen gehen, sorgt Wolfgang Johannsen für einen letzten Motivationsschub: 42 Empfehlungen habe er an diesem Morgen gezählt. "Damit sind es 1700 seit der Gründung."

Außerdem verkündet der Mitgliederkoordinator, dass beim heutigen Treffen 64 900 Euro an Umsätzen eingesammelt worden seien. Und so verabschiedet er die Runde: "Gute Woche, gute Stimmung, gute Geschäfte."

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