In Rollen schlüpfen, den Boss raushängen lassen oder erleben, wie es sich anfühlt, herumkommandiert zu werden. Diese Erfahrungen erleben Erzieher, Sozialpädagogen und Gruppenleiter bei der Veranstaltung "Gaukler, Clowns und Harlekine" im Zelt des Kreisjugendringes Forchheim im Zirkuszelt in Wimmelbach.

Volker Traumann will die Teilnehmer möglichst oft in ungewohnte Situationen bringen, die es zu bewältigen gilt. Wie im richtigen Leben, das Traumann als "große Bühne" beschreibt. Der Leiter des "Zirkus Giovanni" des Don Bosco Jugendwerkes Bamberg stellt nicht die artistische Leistung in den Mittelpunkt, sondern die pädagogische Förderung. Er lässt die Teilnehmer die Elemente Erde (das Beständige), Wasser (die Unentschlossenheit, das sich Treiben lasen) oder Luft (das abgehoben Sein, über den Dingen Schweben) erspüren.

Die Akteure müssen Gefühle wie Selbstbewusstheit, Arroganz, Neid oder Geiz durch Mimik und Gestik ausdrücken. "Am besten geht das, wenn ich Situationen schaffe, mit denen die Probanden klar kommen müssen", findet Traumann. Besonders wichtig, dass sich die Akteure in die Situation hineinversetzen, ihr Gefühl aktivieren.
Das wird bereits beim "Aufwärmtraining" deutlich. Bei "Ochs am Berg" - modifiziert "Wo ist meine Pizza?" - versuchen die Teilnehmer anfangs oft alleine, die Pizza zu erhaschen und hinter die Startlinie zu bringen. Doch immer wieder werden sie erwischt. Fast unmerklich rückt die Gruppe näher zusammen, bildet ein Team. So wird es für Traumann immer schwieriger herauszufinden, wer die Pizza hat. Selbst wenn er jemanden zurückschickt, weil der sich bewegt hat, bleibt die Gemeinschaft intakt, die Pizza erreicht ihr Ziel, die Gruppe hat gewonnen.

Kinder und Erwachsene reagieren unterschiedlich


"Es ist klar, dass Kinder und Erwachsene in der gleichen Situation unterschiedlich reagieren", weiß Heidi Müller, Leiterin den Frauenprojektes "Jump" von der Forchheimer Arbeiterwohlfahrt. Sie hat sich für den Workshop gemeldet, weil sie die Gefühlswelt ihrer teils noch recht jungen Klientel nachempfinden will. "Ich kann ihre Gefühlslage nur erahnen, wenn ich selbst erlebt habe, wie es sich anfühlt, bei einem Bewerbungsgespräch abgekanzelt zu werden, immer wieder die Folgen der eigenen Unzulänglichkeit zu erleben."

Sozialpädagogin Sabine Kohlert, die eine Kindertagesstätte in Nürnberg geleitet hat und nun der eigenen Kinder wegen zuhause ist, erklärt: "Ich belege das Seminar um meinetwillen. Ich will die Erfahrungen mitnehmen, um sie in meinem späteren (Berufs)Leben einsetzen zu können."

Das macht auch Marianne Höller, Vorsitzende des Seniorenklubs Kersbach, die mit den Kindern der Gruppe "Chamäleon" Theater spielt. "Ich erhalte hier viele Anregungen, die ich den Kindern weitergeben kann", zeigt sich die elektrotechnische Assistentin begeistert. Was sie gelernt haben, zeigen die Akteure in einer öffentlichen Aufführung heute um 15 Uhr im Zirkuszelt in Wimmelbach.