Forchheim
Boulevard

Auf ein Foto mit Trump: eine Begegnung gewinnt an Bedeutung

Eine Zufallsbegegnung bescherte einem Paar aus Eggolsheim und Forchheimer Kollegen ein Erinnerungsfoto mit Donald Trump.
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Gutgelaunt posiert Donald Trump in Barcelona mit den deutschen Kurzurlaubern. Links neben "Mr. President" stehen Christian Kress (2. v. l.), und Silke Olschewski, dahinter André Olschewski. Das Foto wurde übrigens von Trumps glatzköpfigen Bodygard geschossen, der bei jedem Auftritt während des Wahlkampfes im TV zu sehen war. Foto: privat
Gutgelaunt posiert Donald Trump in Barcelona mit den deutschen Kurzurlaubern. Links neben "Mr. President" stehen Christian Kress (2. v. l.), und Silke Olschewski, dahinter André Olschewski. Das Foto wurde übrigens von Trumps glatzköpfigen Bodygard geschossen, der bei jedem Auftritt während des Wahlkampfes im TV zu sehen war. Foto: privat
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Der Schnappschuss im Sommer 2014 während einer Geschäftsreise ist eher zufällig entstanden, bekommt durch die US-Wahl in dieser Woche aber eine neue Bedeutung. Silke und Andre Olschewski aus Eggolsheim und der Forchheimer Christian Kress erinnern sich mit Schmunzeln an den ominösen Abend in Spanien.

Kress gibt zu, den damals als Unternehmer und streitbaren Milliardär bekannten Amerikaner zunächst nicht erkannt zu haben: "Mit einer Gruppe von Kollegen aus der Versicherungsbranche waren wir von unserem Mutterkonzern zu einer Art Dankeschön-Reise nach Barcelona eingeladen worden." Das Abendessen in dem schmucken Lokal, das den Bildern und Trophäen an den Wänden nach offensichtlich auch zum Treffpunkt von Fußballern des FC Barcelona gehört, war Teil des Kurztrips.

"Als Trump mit seiner Ehefrau Melania und dem Gefolge an einem Nachbartisch Platz nahm, hat ihn Silke als erstes erkannt. Selbst der Wirt war zunächst ahnungslos und hat sich erst später ein Autogramm auf einer Serviette geben lassen", blickt Kress zurück.

André Olschewski scherzte zunächst am Tisch, dass er hinübergehen würde und nach einem Erinnerungsfoto fragen wolle: "Das schien total absurd und es war eher als Spaß gedacht, denn die Leibwächter ließen niemanden zu nah ran. Der Chef-Bodyguard, der während des gesamten Wahlkampfes zuletzt auch immer im Fernsehen zu sehen war, guckte besonders grimmig zu uns herüber, als wir lachten."

Erst als dieser nach dem Essen an den Tresen ging, um die Rechnung zu bezahlen, packten die Franken die Gelegenheit beim Schopf und signalisierten Trump per Handzeichen, dass sie gerne ein Foto mit ihm machen würden. Obwohl er zustimmend nickte, klappte es nicht sofort, erinnert sich Olschewski: "Wir gingen nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen. Trump kam erst später nach, erzählte uns dann aber gutgelaunt, dass er ebenfalls geschäftlich in Spanien sei."


Ein Schnappschuss, der aufregt

Trumps Ehefrau Melania - ab Januar Amerikas First Lady - hielt sich vornehm zurück. Seine Sicherheitsleute waren nicht besonders erfreut von dem Fotowunsch. "Aber Trump störte sich nicht daran, er alberte und schien es zu genießen", erzählt Olschewski: "Er verhielt sich eigentlich genauso, wie wir ihn zuletzt im Wahlkampf am Fernseher erlebten. Nun wird er Präsident der Vereinigten Staaten. Das war damals überhaupt kein Thema, auch zuletzt hätten wir das niemals gedacht."

Nach Trumps Wahlsieg sind die Meinungen gespalten. Auch das Trio, das den Schnappschuss nun in sozialen Netzwerken einstellte, bekam unterschiedliche Reaktionen zu hören. Während bei Christian Kress über 70 Personen in Facebook eher belustigt auf das Foto reagierten, bekam Silke Olschewski nur einen einzigen Kommentar für den Bildausschnitt, auf dem Trump mit ihr und ihrem Ehemann André zu sehen ist: "Ein ehemaliger Fußballer-Kollege meines Mannes hat uns damit aufgezogen, ob wir mit Trump vielleicht eine Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen haben."

Ganz anders waren die Reaktionen von einigen ihrer Freundinnen: "Weil ich den gleichen Ausschnitt auch als Whatsapp-Foto veröffentlichte, bekam ich innerhalb der ersten Stunden ständig Anfragen, ob mit mir wohl noch alles in Ordnung sei." Sie wurde sogar gefragt, ob sie sich mit Aussagen zum Thema Frauen oder Muslimen identifiziere. "Dabei ist der Schnappschuss für mich doch lediglich eine Erinnerung an die kuriose Begegnung von damals, ohne politische Wertung", sagt sie.

Aus den Augen einer Frau gibt Silke eine überraschende Einschätzung ab, gleichwohl die Begegnung nur Minuten gedauert hat: "Also uns und vor allem mir gegenüber war er sehr nett. Wenn man ihm gegenüber steht, ist es etwas anderes. Er ist zwar nicht schlank, dafür aber relativ groß und seine Ausstrahlung hat mich überrascht. Er ist durchaus charmant und irgendwie umgibt ihn eine Aura. Zugegeben, im Fernsehen kommt er ganz anders herüber. Aber vielleicht ist das seine Masche und er will das sogar."


Aufregung wird sich legen

Auch ihr Mann sieht das ähnlich: "Der Typ ist nicht dumm. Er hat kalkuliert, dass er seine Wähler nur auf diese Weise erreicht. Der Erfolg gibt ihm recht, wenngleich ich mir sicher bin, dass er seine im Wahlkampf geäußerten Vorhaben wie die Mauer zu Mexiko oder das Verhältnis zu Einwanderern gar nicht durchführen kann. Er hat wie alle anderen seinen Beraterstab und entscheidet ja nicht alleine."

Olschewski nervte der US-Wahlkampf: "Letztlich ist jeder froh, dass er endlich vorbei ist, dennoch sagen die Amerikaner zumindest, was sie denken. Wir haben viel mit Menschen zu tun, die ihre offene Meinung nur uns gegenüber äußern und sich sonst lieber zurückhalten, um nicht abgestempelt zu werden. Obwohl es unter der Oberfläche bestimmt genauso brodelt wie es jetzt bei den Amerikanern zum Vorschein kam."

Christian Kress hat Trumps Biografie gelesen und sieht im Erfolg des Milliardärs in verschiedenen Geschäftszweigen Potenzial, es auch in der Politik zu schaffen: "Wenn er mal wieder lospolterte, habe ich auch erst gedacht: Was erzählt der denn für einen Schmarrn. Aber eigentlich hat er seinen Wählern nur auf den Mund geschaut und sich ihrer Themen angenommen. Das unterscheidet ihn auf jeden Fall von den deutschen Politikern."

Der weltweite Aufschrei und die Proteste in den USA werden sich seiner Meinung nach legen. "Trump wurde schließlich demokratisch gewählt. Manchmal dachte ich, wenn die Kritiker nur bei Putin und Erdogan auch so vehement wären." Unabhängig davon grinst Kress: "Auf ein Foto mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten kommt nicht jeder."

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