Ein großer Waldgärtner erklimmt den Gipfel einer Kiefer und frisst die Triebe. Ein Eremit lebt im Totholz und macht sein Leben nichts anderes, als Sexuallockstoffe zu verströmen und Weibchen in seine Höhle zu locken. An solchen Geschichten über Käferarten, Bäume und Schädlinge, über Kammmolche, Fledermäuse und Wildkirschen, erfreuten sich am Dienstag 35 Stadträte, Altstadträte und Verwaltungsmitarbeiter. In einem Reisebus fuhren sie durch den Stiftungswald Oesdorf und durch den Stadtwald bei Burk; besuchten so illuster klingende Orte wie Müllerschlag und Sommerrangen, Tannengraben, Tonbrunnen und Knappenlache.

Fachkundige Reiseführer durch die komplexe Welt der Waldwirtschaft waren der Revierleiter Stefan Distler, sein Vorgänger Alexander Taran und die Diplombiologin Rotraud Krüger.

Vorbei an Holzpoltern und Rückegassen führt die Fahrt durch den 91 Hektar großen Waldabschnitt; ein Dompropst hatte ihn im 14. Jahrhundert den Forchheimern gestiftet.

Hier dominiert die Kiefer. Wenn der 60 Jahre alte Bestand fachmännisch erschlossen wird, fließen pro Hektar 400 Euro EU-Zuschüsse in die Stadtkasse. Welche Knochenarbeit hinter der Erschließung steckt, erläutert Stefan Distler den Stadträten: Der Förster und seine vier Mitarbeiter sind mit Kompass und Sprühdosen unterwegs, um die Rückegassen anzulegen. Bei der Durchforstung seien 180 Festmeter Kiefernholz eingeschlagen worden. Erlös: 23.000 Euro.

Bald Baumpflege per GPS?


Ein GPS-System, sagt der Förster, würde die Arbeit rentabler machen. 8000 Euro koste ein Gerät. "Jede Klitsche hat heutzutage ein GPS", ruft Alexander Taran den Stadträten zu, "nur die Stadt Forchheim nicht".

Stefan Distler spricht dann über die Verastung und die Naturführung; über Zukunftsbäume, Stammfüße und Zöpfe; über Pionierbaumarten wie die Aspe und über den Brusthöhen-Durchmesser der Kiefern. Und immer wieder kommt er auf den Holzmarkt zu sprechen. Der Marktpreis sei Moden in der holzverarbeitenden Industrie unterworfen. "Die Buche ist zurzeit nur Brennholz. Mit der Eiche macht man nichts verkehrt." Im Distrikt I, auf der Burker Seite, hat Stefan Distler eine neue Förderfläche anlegen lassen. Wildkirschen. Bei der jüngsten Submission habe die Wildkirsche 455 Euro pro Festmeter erzielt, erzählt er. Bevor die geförderten Wildkirschen hiebreif sind, werden allerdings 80 Jahre vergehen. Natürlich sei der künftige Holzpreis ungewiss.

Insgesamt hat der Forchheimer Forstbetrieb 662 Hektar Wald zu pflegen und zu vermarkten. Rein ökonomisch betrachtet sei das ein "Nullsummenspiel", sagt Oberbürgermeister Franz Stumpf. Aber in der Waldwirtschaft gehe es ja um viel mehr: "Weiche Standortfaktoren" wie die Naherholung und der Tourismus würden hier mit gepflegt.

Zusätzlich hat der Stadtwald in den letzten Jahren eine ganz neue Funktion übernommen. Die Diplombiologin Rotraud Krüger ist bei der Stadt mit dem Thema "Ausgleichsflächen" beschäftigt. Beispiel Rittigfeld: Das 61.000 Quadratmeter große Baugebiet bei Kersbach war nur möglich, weil die dort versiegelten Flächen durch Waldflächen ausgeglichen wurden. Die Ausgleichsflächen liegen im Stadtwald, im Hinteren Sommerrangen. Auf 9,5 Hektar ist hier ein europäisches Schutzgebiet entstanden. Das heißt: "Fichten wurden entnommen und gewässertypische Erlen und Eschen wurden gepflanzt", sagt Rotraud Krüger. In dem "ökologisch aufgewerteten Gebiet" sei nun eine "neue Begleitfauna" zu erwarten: Etwa der Eremit, eine totholzbewohnende Käferart. Oder das Große Mausohr, eine Fledermausart. Und vielleicht, sagt Biologin Krüger, "kommt auch der Feuersalamander zurück".