Forchheim
Natur

Ameisen blockieren ICE-Ausbau in Forchheim

Am Rande der ICE-Bahnstrecke bei Kersbach entdecken Biologen eine seltene Ameisenart, die schwarz glänzende Holzameise.
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Im diesen Baumstämmen haben Biologen eine seltene Ameisenart entdeckt, die schwarz glänzende Holzameise. Foto: Josef Hofbauer
Im diesen Baumstämmen haben Biologen eine seltene Ameisenart entdeckt, die schwarz glänzende Holzameise. Foto: Josef Hofbauer
Sie ist vier bis maximal sechseinhalb Millimeter lang, kann aber einen ganzen ICE stoppen. Die Rede ist von der schwarz glänzenden Holzameise. Diese Art wurde bei den Bauarbeiten für den ICE-Ausbau im Bereich südlich der Firma Hegele entdeckt.

Im April oder Mai, als die biologische Baubegleitung der Bahn die Umsiedlung von Ameisennestern angeordnet hatte, entdeckte Biologin Elke Schindhelm auch Ameisen an abgesägten Weidenstämmen. "Da wurde ich hinzugezogen", erklärt Angelo Orlowski. ehrenamtlicher Ameisenheger im Landkreis Forchheim.

Er stellte fest, dass es sich um eine seltene Ameisenart handelt. Allerdings sei die Holzameise, im Gegensatz zu den zehn unter Naturschutz stehenden Waldameisen, nicht unter Schutz gestellt.
Orlowski räumt ein: "Mit Holzameisen habe ich bislang keine Erfahrungen."


Eine Rarität

Sein Kollege Hubert Fleischmann, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der Deutschen Ameisenschutzwarte, bestätigt, dass es sich bei der schwarz glänzenden Holzameise um eine Rarität handelt. "Ich komme viel rum in Bayern und habe in 30 Jahren nur vier bis fünf solche Völker gesehen. "Im Moment könnte ich nur einen Standort der schwarz glänzenden Waldameise nennen", sagt Fleischmann.

Erfahrungen mit der Umsiedlung dieser Ameisengattung habe er auch nicht. Da die Insekten im Inneren der Bäume und im Wurzelwerk lebten, sei es wohl am sinnvollsten, die Baumstümpfe in jenem Biotop anzusiedeln, in dem die anderen Ameisen eine neue Bleibe gefunden haben.


Umsiedlung geplant

Das hält auch Angelo Orlowski für die beste Idee. Er werde das der biologischen Baubegleitung der Bahn vorschlagen, versichert der Ameisenschützer. Das sei auch die Marschroute der Bahn, bekräftigt Pressesprecher Frank Kniestedt. Im Zuge des ICE-Ausbaus und ökologischer Ausgleichsmaßnahmen wurden nämlich bereits zwischen Baiersdorf und Kersbach neue Biotope angelegt.

In dieses Brutgebiet für Schnepfen, Bekassine und Kiebitze seien auch die Ameisenvölker im Frühjahr dieses Jahres umgesiedelt worden.

Da dort auch eine Flachwasserzone und standortgerechte Gehölze angepflanzt wurden, könnten sich die schwarz glänzenden Holzameisen hier womöglich sehr wohlfühlen. Selbstverständlich werde diese Vorgehensweise mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes und der biologischen Baubetreuung des ICE-Ausbaus abgesprochen. Einen konkreten Zeitpunkt für die Umsiedlung kann Kniestedt noch nicht nennen. Im Moment liegen die Baumstümpfe noch mitten im Baufeld.
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