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Forchheim
OB-Wahl

Am Sonntag entscheidet das Image

Am 6.März geben nicht nur Inhalte den Ausschlag. Den Bürgern stehen vier "Typen" zur Wahl.
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Noch drei Tage haben die Forchheimer Zeit, sich zu überlegen, wem sie am Sonntag (6.März) ihre Stimme geben wollen. Wer wird Franz Stumpf (CSU/WUO) nachfolgen, der nach 25 Jahren das Oberbürgermeister-Amt krankheitsbedingt aufgibt? Nach der Rücktrittserklärung von Stumpf blieben dem Bewerber-Quartett Ulrich Schürr (er tritt für die JB und die CSU an), Manfred Hümmer (FW), Uwe Kirschstein (SPD) und Klaus Backer (freier Kandidat der FOF) gerade mal zehn Wochen, um sich als der geeignete OB-Nachfolger ins Gespräch zu bringen.
Hört man auf die Resonanz, welche die vier Kandidaten auf Podien, bei Umfragen, im Straßenwahlkampf und in den sozialen Medien hinterlassen haben, ist kein eindeutiger Favorit auszumachen. Als Franz Stumpf 1990 CSU/WUO-Oberbürgermeister wurde, war das eine Sensation, weil die herrschende Meinung den CSU-Favoriten Eduard Nöth bereits im Rathaussessel hatte sitzen sehen.

Wie viel anders die Situation am 6. März: Sensationell wäre es, wenn sich einer der Kandidaten auf Anhieb als Sieger durchsetzen könnte. Doch das ist bei vier Bewerbern rechnerisch so gut wie ausgeschlossen.


Stichwahl wahrscheinlich

Folglich dürfte klar sein: Der Wahlkampf wird nicht am kommenden Sonntag, sondern erst bei der Stichwahl 14 Tage später entschieden. Doch selbst über die beiden Kandidaten der Stichwahl zu spekulieren, ist kompliziert. Viel spricht natürlich dafür, dass in einer traditionell mehrheitlich schwarz wählenden Stadt ein Ulrich Schürr die Stichwahl erreichen müsste: Warum sollte es ausgerechnet dem CSU/JB-Kandidaten nicht gelingen, ausreichend Stimmen zusammen zu bekommen?
Doch Ulrich Schürr selbst ist es ja, der für ein neues Kapitel in der Stadtgeschichte wirbt. Sollte sich ein Großteil der Wählerschaft von dieser Idee leiten lassen, dann könnte das auch für traditionelle CSU-Wähler eine Einladung sein, diesmal den vorgebahnten Weg zu verlassen. Unter diesen Umständen kommt dem "freien" Kandidaten Backer großes Gewicht zu.
Er hat das Bild eines diplomatischen Oberbürgermeisters in den Wahlkampf eingebracht, der selbst für Politikverdrossene attraktiv sein könnte; eines Oberbürgermeisters, der jenseits der Partei-Interessen zwischen den besten Ideen vermitteln möchte. Ein ziemlich neues Stück Stadtgeschichte wäre mit so einem OB fast unvermeidlich. Andererseits spricht viel dafür, dass sich die Wähler unter diesem unvertrauten Politik-Modell zu wenig vorstellen können, um ihm in Scharen zu folgen.


Gefühltes Patt

Dass Uwe Kirschstein und Manfred Hümmer als Stichwahl-Kandidaten keine Sensation wären, ist offensichtlich: Beide waren schon OB-Wahlkämpfer; sie kennen in etwa die Stimmpotenziale, die sie hinter sich haben. Kirschstein war bereits in einer Stichwahl, Hümmer hat sie um wenige Stimmen verfehlt.
Die gefühlte Patt-Situation vor dem Wahltag am 6. März hängt zum einen damit zusammen, dass sich die Bewerber wenig voneinander abgrenzten; immer wieder sogar selbst auf inhaltliche Parallelen hingewiesen haben. Gleichermaßen wählbar scheinen sie auch deshalb, weil alle Kandidaten den Eindruck machen, als Manager einer Stadt-Verwaltung mit rund 400 Arbeitnehmern geeignet zu sein. Hümmer und Backer sind gelernte Verwaltungsfachleute. Und auch Schürr und Kirschstein haben ihre Manager-Qualitäten durch ihre beruflichen Qualifikationen unter Beweis gestellt.
Leicht haben es am Sonntag nur diejenigen Wähler, die ein einziges Thema verwirklicht sehen wollen, das nur von einem aus dem Männer-Quartett vertreten wird. Zum Beispiel hat sich Uwe Kirschstein explizit gegen die Ostspange ausgesprochen, während die anderen drei dafür sind. Oder: Ulrich Schürr hat sich als einziger dezidiert hinter das Kolpinghaus als Kulturhalle gestellt, während die anderen drei die bisherigen Planungen heftig in Frage gestellt haben.
Letztlich werden die Wählerin und der Wähler wohl nicht nur auf Grund von Inhalten abstimmen. Sondern, weil sie einen der vier Persönlichkeitstypen bevorzugen. Entscheiden wird am Sonntag also jenes Kandidaten-Image, das bei den Bürgern der Stadt in den zurückliegenden Wochen am besten ankam. So hat Ulrich Schürr auf das Image des Verlässlichen gesetzt, der es versteht, gewissenhaft zu gestalten und dabei nie etwas versprechen würde, was er nicht halten kann. Er trat im Wahlkampf gerne mit seiner Frau auf und zeigte, dass harte politische Arbeit mit Familienwerten zu vereinbaren sein muss. Ulrich Schürr verkörperte mehr als die anderen Kandidaten Beständigkeit und Bodenständigkeit. Er ist ein geduldiger Zuhörer, der den Eindruck vermittelt, mit Beharrlichkeit und Genauigkeit sind komplexe Probleme am besten lösbar.


Leise Ungeduld

Am ehesten ein Gegenpol zu Ulrich Schürr ist Klaus Backer. Obwohl auch er das Familienthema im Wahlkampf betonte, war das ein ganz anderer Ansatz: Nicht zufällig ist es eine Patchwork-Familie, die für Backer in den Wahlkampf zog. Backer vermittelte das Bild des Unkonventionellen, der die Kluft zwischen Jung und Alt, zwischen Politik und Politikverdrossenheit überwinden kann. Und er vermittelte eine leise Ungeduld mit den bestehenden Verhältnissen: Parteipolitik, so teilt Backer mit einem oft listigen Lächeln mit, ist zwar gut, aber nur, wenn jemand da ist, der ihre vielen Widersprüche ordnet.
Während Backer den Widerspruch zwischen modern und konservativ pflegt, ist es bei Manfred Hümmer das Spannungsfeld zwischen Teamplayer und "Alpha-Tierchen", auf dem er sich mit enormem Elan tummelt. Hümmer ist die Verkörperung des Unermüdlichen, der mit wenig Schlaf auskommt; der immer im Dienst der Sache unterwegs zu sein scheint; der auf seine kommunalpolitische Erfahrung pocht, von der er mehr hat als die Mitbewerber. Hümmer hat das Image erworben, breit aufgestellt zu sein. Egal ob es um Mitgliedschaften in Vereinen geht (30 sollen es sein) oder um Konzepte, die er fertig in der Schublade liegen hat.
Während sich Hümmer auch mal in Rage reden kann, vermittelt Uwe Kirschstein das Bild des kühlen Strategen, der es versteht, überraschend knapp angebunden zu sein. Und der auch damit Souveränität beweist, nicht zu jedem Thema persönlich Stellung beziehen zu müssen. Wo andere die Familie in den Wahlkampf einbanden, war es bei Kirschstein die Parteifamilie. Kirschstein hat sich reihenweise SPD-Prominenz nach Forchheim eingeladen und sie für sich sprechen lassen. Dass er im Netz jene Informationen verbreitet, die das Ratsinformationssystem den Bürgern vorenthält, hat Kirschstein zudem das Image eingetragen, das Thema Kommunikation auf ganz eigene Weise besetzt zu haben.
Egal, welches das Gewinner-Image sein wird. Der größte Gewinn wäre - auch da waren sich die Kandidaten einig - wenn diesmal deutlich mehr als nur die Hälfte der Wahlberechtigten zur Urne gingen.