Ebermannstadt
Geschichte

Als Reisen noch unbequem war

Vor 40 Jahren stellte die Bundesbahn die Eisenbahnlinie von Ebermannstadt nach Behringersmühle ein.
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Ansicht von Behringersmühle auf einer Postkarte des Nürnberger Kunstverlages Hermann Martin von 1904 Repro: Reinhard Löwisch
Ansicht von Behringersmühle auf einer Postkarte des Nürnberger Kunstverlages Hermann Martin von 1904 Repro: Reinhard Löwisch
Am 29. Mai werden es 40 Jahre, dass die Bundesbahn den Schienenverkehr zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle eingestellt hat. Sie räumte das Feld für den Kraftverkehr, der seither auch hier enorm zugenommen hat. Man denke nur allein an die heiß diskutierte Umgehungsstraße für Gosberg oder den Tunnel für Ebermannstadt.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie sich das Transportwesen in der Region entwickelte.


Auf dem Rücken der Pferde

Etwas mehr als 240 Jahre ist es her, dass die Fränkische Schweiz 1774 wegen ihrer Höhlen als Tourismusregion entdeckt wurde und deshalb immer mehr Leute in die Gegend kamen, um sich hier umzuschauen.

Als Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck 1793 die Fränkische Schweiz auf dem Rücken ihrer Pferde bereisten und darüber Briefe schrieben, gab es nur eine Verbindung direkt in die Fränkische Schweiz: die Eilpostlinie von Nürnberg nach Bayreuth, die über Baiersdorf und Gosberg nach Streitberg fuhr und von dort über den Berg nach Obernsees und weiter bis Bayreuth.

Wollte ein Gast die Region damals erkunden, musste er sich, wenn er keine teuer gemietete Kutsche oder eigene Pferde hatte, beispielsweise in Streitberg bei der Postexpedition einen ortskundigen Führer mieten, der mit ihm die ganze Gegend (damals das Muggendorfer Gebürg) ablief, um vor allem die Höhlen, später auch die Burgen als "romantische Landschaft" zu besuchen. 30 bis 50 Kilometer am Tag zu laufen, war in jenen Jahren die Regel.
Im "Handbuch für Reisende durch Deutschland" von Carl Baedeker aus dem Jahre 1842 wird empfohlen: "Die wichtigsten Puncte, namentlich die Höhlen, können von Muggendorf aus in 7 bis 8 Stunden besucht werden."


Mangelhaftes Streckennetz

Prominente Läufer waren unter anderem 1798 der Freiheitsdichter Ernst Moritz Arndt, 40 Jahre später dann mehrfach der Zeichner Ludwig Richter und 1859 der Erfinder des Frankenliedes Victor von Scheffel, der heuer 190. Geburtstag feiern könnte.

Seine "Domchorknaben Sängerfahrt", die Beschreibung einer Wanderung durch die Region, gibt es noch immer auf einem kostenlosen Prospekt des Fränkische-Schweiz-Vereins.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die Transportsituation: mit der ersten Fahrt eines Zuges, des Adlers, 1835 von Nürnberg nach Fürth und anschließend dem Bau der Bahnstrecke nach Forchheim und Bamberg im Jahre 1844. Auch bei den Postkutschenlinien wuchs das Streckennetz. Das größte Hemmnis für ein dichtes Streckennetz war das mangelhafte Straßennetz.

Noch 1841 beklagte sich Julius von Plänckner in seinem Reisehandbuch, dass "bis jetzt noch kein fahrbarer Weg von Behringersmühle im Thale fort nach Pottenstein führt" und dass man in vielen Orten "Pferde, aber keine Chaisen (leichte einachsige Kutschen)" mieten kann, "nur Gebirgswägelchen". Die Erklärung dafür: Die Wege waren - vor allem nach starkem Regen - aufgeweicht, Kutschen mit ihren schmalen Rädern wären zu tief eingesunken im Morast.

1844/45 richtete man eine neue Postkutschenlinie von Forchheim über Ebermannstadt nach Streitberg, Wüstenstein und Bayreuth ein. Vier Jahre später, im Jahr 1849, ist in Waischenfeld eine Postexpedition ins Leben gerufen worden. Schon bald, im Jahre 1851, trat ein neues Verkehrsmittel auf den Plan: der Postomnibus. Er war damals noch mit Pferden bespannt und konnte bis zu zehn Personen befördern. Mit den Bussen wurden abseits gelegene Gebiete erschlossen und - das war neu - an bestehende Eisenbahnlinien angebunden. Der erste Omnibus in Franken fuhr am 1. Juli 1851 von Bayreuth nach Waischenfeld.


Gelber Anstrich

Mit der Installation weiterer Postställe und Haltestellen wurde das Kutschennetz weiter ausgebaut. 1866 folgte Egloffstein, 15 Jahre später auch Obertrubach und viele weitere Orte. In den Jahren 1886 (Erlangen nach Gräfenberg) und 1891 (Forchheim nach Ebermannstadt) kamen die ersten Eisenbahnlinien direkt in die Fränkische Schweiz.
1922 im Sommer fuhren endgültig die letzten stolzen Postillione mit ihren gelb angestrichenen Kutschen durch die Fränkische Schweiz. Danach übernahm die Bahn das Befördern und die "Kraftpostlinien" der Post: Motorisierte Omnibusse, die überall da zum Einsatz kamen, wo es keinen Zug gab. Am 29. Mai 1976 schloss die Bahnlinie von Ebermannstadt nach Behringersmühle. Übrig blieben einige Omnibuslinien.
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