Neunkirchen am Brand
Musik

Als Lemmy einmal in Neunkirchen gelärmt hat

Der Tod von Lemmy Kilmister versetzt auch Musik-Fans aus Neunkirchen und Weißenohe einen Stich ins Herz. Mit dem legendären Motörhead-Frontmann verbinden sie Erinnerungen an wahre Lärmorgien und einen charakterlich feinen Menschen.
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Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister im Alter von 70 Jahren gestorben.  Foto: Andreas Gebert,dpa
Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister im Alter von 70 Jahren gestorben. Foto: Andreas Gebert,dpa
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Hawkwind hieß die Band, die im legendären Weißenoher Rockschuppen "To Act" aufgetreten ist. Als Bassist stand ein damals noch unbekannter Typ names Lemmy Kilmister auf der Bühne. "Es war mein erstes Konzert", erinnert sich Friedhelm Werner aus Egloffstein an den Auftritt 1973. Werner sagt dies einen Tag, nachdem der von Mythen und Legenden umrankte Kilmister mit 70 Jahren an Krebs gestorben ist.

Das "To Act" hatte seinerzeit einen zweifelhaften Ruf. Sein Gründer Robert Hänfling hatte aber schon immer eine gute Nase, was gut und interessante Bands betrifft. "Silvermachine" war der damalige Hit, den Lemmy Kilmister und seine Band im Repertoire hatten.

Friedhelm Werner war sich damals nicht sicher, ob er doch ins Konzert gehen sollte, bis Robert Hänfling kam und meinte: ",Silvermachine' haben sie noch nicht gespielt." Ende der 70er war Kilmister wieder in Weißenohe, dann mit seiner neuen Band Motörhead. "Das war eine Sensation", erinnert sich Werner, der damals aber keine Verbindung zu dem ehemaligen Hawkwind-Sänger herstellen konnte.

"Es war rappelvoll", erinnert sich Werner. "Lemmy war ein Rock'n' Roller. Er hat die Massen begeistert, war nur nach außen hart und laut. Er hat auch nie den Star raushängen lassen", sagt er.
Werner hatte einen Kartenvorverkauf in Nürnberg. Er besuchte deshalb immer wieder auch selbst Konzerte. In Suhl traf er ein weiteres Mal auf den Kopf von Motörhead: "Wir saßen im Backstagebereich. Er kam einfach dazu, setzte sich und unterhielt sich mit uns", sagt Werner.


"Ein intelligenter Mensch"

Er hat Lemmy als "eine durchaus positive Person" erlebt. Besondere und nicht selten auch egozentrische Ansprüche, wie sie manche Stars zu eigen hätten, habe Lemmy nicht gehabt. Daran erinnert sich auch eine Mitarbeiterin des Kartenvorverkaufs und der Tourneeagentur Hänsel, die Lemmys Auftritte organisierten. Allerdings habe Lemmy in seiner Garderobe immer einen, am besten zwei Spielautomaten haben wollen. "Er war ein extrem gerechter Mensch, den ich sehr intelligent fand", erinnert sich die Mitarbeiterin mit dem Vornamen Carola.
Die Nachricht seines Todes hat ihr einen richtigen Stich ins Herz gegeben.


Er wollte der Lauteste sein

Lemmy war der harte Typ, zumindest nach außen hin. Und seine Musik sollte die lauteste der Welt sein, unbedingt. In Neunkirchen führte dieser Anspruch zu einem Desaster. Die Hemmerleinhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Über 3000 Fans kamen zur Lautstärkenschlacht zwischen Motörhead und April Wine. "April Wine war damals eine tierisch laute Band", erinnert sich Werner. Aber Lemmy wollte lauter sein. April Wine starteten. "Sie waren laut und gut. Der Sound war klasse, die Performance auch. Die Leute feierten die Band", erinnert sich Werner. Dann kamen Lemmy und seine Motörhead. Er ließ noch lauter aufdrehen. "Der Sound überschlug sich. Ich stand an der Tür, der Bass wummerte so in meinem Magen, dass ich rausgehen musste", lacht Werner lachend.
Die Lautstärkenschlacht hatte Lemmy verloren, die Musikszene aber für sich eingenommen. "Er legte beim Singen den Kopf in den Nacken. Und dann diese extrem markante Stimme", schwärmt Friedhelm Werner.
Lemmy Kilmister war laut und dafür liebten ihn die Fans. Nicht nur, aber dafür besonders innig in Weißenohe und Neunkirchen.

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