Forchheim
Wirtschaft

Alphatecc wehrt sich mit Polizei gegen eigene Mitarbeiter

Nach ihrem letzten Arbeitstag beim Elektromarkt Alphatecc starteten die Mitarbeiter eine Protest-Aktion.
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Rund 20 Mitarbeiter des geschlossenen Forchheimer Elektromarktes Alphatecc demonstrierten am Mittwoch für ihre Rechte.  Foto: Maximilian Glas
Rund 20 Mitarbeiter des geschlossenen Forchheimer Elektromarktes Alphatecc demonstrierten am Mittwoch für ihre Rechte. Foto: Maximilian Glas
"Sehen Sie sich um, hier ist überall Weihnachten, nur der Mensch stört anscheinend", sagt Manfred Böhm am Mittwochmittag im Eingangsbereich des Warenhauses Globus und zeigt dabei auf hell erleuchtete Weihnachtsbäume und festlich geschmückte Geschäfte. Böhm ist Leiter der Betriebsseelsorge im Erzbistum Bamberg und begleitet Arbeitnehmer, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Auch die rund 30 Alphatecc-Mitarbeiter, die nach der Schließung des Forchheimer Elektromarktes am 17. Dezember ihren Job verloren haben, unterstützte er in den vergangenen Monaten regelmäßig. Vor Ort war der Seelsorger auch am Mittwoch, als sich gegen 12 Uhr rund 20 Mitarbeiter in Arbeitskleidung vor dem Elektromarkt trafen. Mit einer Protest-Aktion wollten sie auf ihre prekäre Situation hinweisen.


Lautsprecher übertönen Protestlied

Dazu rollte die Belegschaft im Globus-Eingangsbereich ein Plakat mit der Aufschrift "Gebt uns Arbeit" aus und stimmten anschließend gemeinsam ein Lied an: "Und seht uns hier stehen, im weihnachtlichen Glanz. Wir wollen doch Arbeit und ernten Ignoranz. Verschlossen die Tore und können nicht rein, dass wir hier gern arbeiten, interessiert doch kein Schwein..." Zu hören waren von dem selbst geschriebenen Lied der Belegschaft nur die ersten Sekunden. Schlagartig wurde über die Lautsprecher ein Popsong mit beachtlicher Lautstarke eingespielt. Die Mitarbeiter sangen trotz der Beschallung tapfer weiter, wurden aber wenig später von zwei Security-Männern endgültig in ihrem Protest gestoppt. Da die Belegschaft nach einer entsprechenden Anweisung den Platz vor dem Alphatecc-Eingang nicht verließ, wurde die Polizei eingeschaltet. "Hausfriedensbruch wird uns vorgeworfen, und das, obwohl wir noch bis 31.12. einen Arbeitsvertrag haben", klagte ein Mitarbeiter.

Der Polizeieinsatz blieb am Ende ohne Folgen. Die beiden Parteien, Globus-Geschäftsführung und Protestierende, einigten sich mit der Polizei darauf, dass die Mitarbeiter noch eine halbe Stunde vor dem Eingang stehen durften - allerdings ohne Plakate und Protestbekundungen. "Ich bin dafür verantwortlich, unseren Kunden einen reibungslosen, entspannten und stressfreien Einkauf zu ermöglichen.Die unangekündigte Demonstration auf dem Gelände unseres SB-Warenhauses führte dazu, dass dies nicht mehr möglich war", rechtfertigte sich die Geschäftsleiterin Monika Graf. Bei der Belegschaft hinterließ die jähe Unterbrechung der Aktion jedenfalls einen faden Beigeschmack.

"Wir wollen doch einfach auf unsere Situation aufmerksam machen, wir möchten ja unbedingt weiterarbeiten", sagt eine Mitarbeiterin, die seit der Eröffnung des Marktes im Jahr 2001 angestellt war. Sogar das genaue Datum hat sie noch im Kopf. "Damals bin ich extra wegen dem Job von Sachsen hierher gezogen, und jetzt ist alles vorbei. Das ist traurig."

Auch Manfred Böhm war mit dem Umgang mit der Belegschaft und dem Eingreifen der Security-Mitarbeiter nicht einverstanden. "Meine Aufgabe ist es, die Menschen stark zu machen. So, dass sie mit erhobenen Haupt aus so einer Situation rausgehen können. Hier frage ich mich schon, wo ist die Würde des Menschen geblieben?"


Keine Einigung mit Betriebsrat

Seit Dienstagmittag sind die rund 30 Mitarbeiter des Alphatecc-Marktes freigestellt. Ihre Zukunft ist größtenteils ungewiss. Betriebsrat und Geschäftsführung liegen im Clinch. "Wir haben in den letzten Wochen versucht, mit dem Betriebsrat einen Interessensausgleich zu verhandeln. Da wir aber keine Einigung erzielt haben, sind wir gezwungen, in die Einigungsstelle zu gehen", schreibt eine Alphatecc-Sprecherin. Keine Auskunft erteilt die Pressestelle über eine potenzielle Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter.

Bei der Protest-Aktion vor Ort hieß es, dass die Belegschaft Mitte Januar schriftlich über ihre berufliche Zukunft informiert werde. Lediglich zwei Mitarbeiter hätten bereits einen neuen Job in einem anderen Unternehmen.
Die Mitarbeiter sehen den Globus-Konzern, zu dem die Alphatecc-Märkte gehören, in der Pflicht. "Wenn die einzige Zukunftsperspektive für die Mitarbeiter geringfügige Beschäftigungen und Armut bedeutet, dann fordern wir eine Weiterbeschäftigung bei Globus", sagte eine Mitarbeiterin. Weitere Protest-Aktionen schließt sie innerhalb der Belegschaft nicht aus: "Wir haben einen sehr langen Atem."

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