Forchheim
Baumangel

Um Millimeter verrechnet: Treppe im Medical- Valley-Center in Forchheim bleibt gesperrt

Die Treppe im Medical-Valley-Center bleibt gesperrt. Die Stadt wartet auf den Lösungsvorschlag des Architekten, der sich bei den Stufen verrechnet hat.
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Die Stufen im Medical- Valley-Center sind falsch berechnet. Der Architekt muss nachbessern, die Stadt wartet auf einen Vorschlag.  Foto: Barbara Herbst
Die Stufen im Medical- Valley-Center sind falsch berechnet. Der Architekt muss nachbessern, die Stadt wartet auf einen Vorschlag. Foto: Barbara Herbst
Forchheim Es geht um sieben Millimeter, aber die können noch weitreichende Folgen haben. Die Haupttreppe im Medical-Valley-Center entspricht nicht dem Standard des Deutschen Instituts für Normung (DIN). "Diese eingeführte Norm gilt wie ein Gesetz", klärt Stefan Schelter auf. Daher bleibt dem Chef des Bauordnungsamtes nichts anderes übrig, als die Treppe auch drei Monate nach der offiziellen Eröffnung des Centers weiter geschlossen zu halten.

Aus der Sicht eines Nutzers, der nicht vom Fach ist, mag dies kleinlich erscheinen, aber: Wenn jemand stolpert und sich verletzt, dann würde sich die Stadt als Bauherr eine Klage einhandeln, gibt Stefan Schelter zu bedenken. Nun sei der Planer gefragt: "Es gibt ein technische Lösung für Ertüchtigung."


Sieben Millimeter zu wenig

Sigrun Wagner (bei der Stadt für Neubau- und Sonderprojekte zuständig) ist für die Abnahme des Treppenbauwerkes zuständig. Noch befinde man sich "vor der Abnahme". Der Mangel sei also glücklicherweise rechtzeitig entdeckt worden. "Es handelt sich um eine Überschneidung der Stufen", erläutert Wagner. Es gebe bei offenen Stufen ein Maß, das festlegt, wie weit eine Stufe die hintere überdeckt. "Dieses Maß ist sieben Millimeter unterschritten."

Sigrun Wagner sagt, da sei ein Planungs- und ein Ausführungsfehler passiert. Erst habe der Architekt falsch gezeichnet, dann habe die ausführende Firma "die fehlerhafte Planung übernommen". Eine neue Treppe werde wohl nicht eingebaut werden müssen, meint die städtische Architektin. "Das wäre ein sehr großer Aufwand, weil dann die alte Treppe abgebaut und die neue durch die Lichtkuppel gehievt werden müsste." Noch wartet das Forchheimer Bauamt auf die technische Lösung des Architekten. "Bis jetzt ist kein Vorschlag gekommen", sagt Wagner.

Kommen müsste er aus dem nordrhein-westfälischen Ibbenbüren. Dort befindet sich der Hauptsitz der AGN-Gruppe, die für die Planung und den Bau des Forchheimer Medical-Valley-Centers zuständig war. Doch, so eine AGN-Sprecherin am Montag: "Leider" müsse sie mitteilen, dass die Firma "keine Auskunft zu dem aktuellen Verfahrensstand geben" könne.

Und so wird bis auf weiteres niemand in der Äußeren Nürnberger Straße die Atriumtreppe mit ihren falsch geschnittenen Stufen betreten. "Baumängel sind an sich nicht ungewöhnlich", sagt Sigrun Wagner: "Normalerweise beseitigt man sie und es ist gut. Doch in diesem Fall ist die Sache gravierend, weil diese Mängel öffentlichkeitswirksam sind."

Wie berichtet, steht nicht nur die Treppe auf der Mängelliste. Die Heizleitungen sind ebenfalls unbrauchbar. "Auch da ist noch keine Klärung da", bedauert Sigrun Wagner.

Zur Erinnerung: Seit der Eröffnung des Medical-Valley-Centers (Bausumme elf Millionen Euro) wird darum gestritten, wer die Verantwortung für das verpfuschte Heizsystem tragen wird. 170 Heizkörper mussten ausgewechselt werden. Am Ende wird eine sechsstellige Summe zu bezahlen sein. Aber von wem? Die Anwälte streiten, das Beweissicherungsverfahren ist nicht abgeschlossen. Es soll die Ursache klären, warum die Zuleitungen zu den Heizkörpern durchgerostet sind. Als für den Schaden verantwortlich kommen der Teppichleger, der Heizungsbauer oder der Estrichleger in Frage.
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