Forchheim
Gesellschaft

80er-Jahre: Frauen, die etwas bewegen wollten in Forchheim

Die 80er-Jahre kennzeichnen nicht nur Discomusik und grelle Klamotten. Immer mehr Frauen verschafften sich zu dieser Zeit eine Stimme in der Öffentlichkeit.
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Mitte der 80er-Jahre organisierte die Gruppe "Frauen für Frieden" unter anderem Demonstrationen in Forchheim. Foto: privat
Mitte der 80er-Jahre organisierte die Gruppe "Frauen für Frieden" unter anderem Demonstrationen in Forchheim. Foto: privat
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Wenn Lisa Hoffmann an die 80er-Jahre zurück denkt, erinnert sie sich an diese vor allem als eine Zeit des Aufbruchs. Hoffmann, damals Anfang 30 und Mutter zweier Kinder, empfand es als zu wenig, nur das Haus und den Herd zu hüten. Gemeinsam mit anderen Müttern gründete sie deshalb die unabhängige Gruppe "Frauen für den Frieden", um in der Politik auf sich aufmerksam zu machen.

Die 68-Jährige bezeichnet sich als eine Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollte, ist heute immer noch als Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und als Stadträtin (SPD) aktiv. "Wenn man selbst nichts tut, tut sich nichts", begründet sie ihren Aktionismus damals wie heute. Ursprünglich sei die die Bewegung "Frauen für den Frieden" in Forchheim aus einer Stillgruppe heraus entstanden, bei der sich zehn bis zwölf Mütter mit ihren Sprösslingen regelmäßig trafen. Schnell wurde aus den Treffen eine freundschaftliche Gemeinschaft, eine lebhafte Gruppe. Denn in diesen Treffen standen neben den Kindern vor allem auch die Frauen und die Frage nach der eigenen Selbstverwirklichung im Mittelpunkt.

Der Impuls, aktiv zu werden, entstand bei einer Bastelstunde in der Vorweihnachtszeit, erinnert sie sich. Die jungen Mütter hatten das Bedürfnis, sich mit dem Weltgeschehen zu beschäftigen, ein Zeichen nach außen zu setzen. "Wir sind politisch geworden, indem wir uns über das Wettrüsten informiert haben", so Hoffmann.

Eine vielfältige Gesellschaft

Mit mehreren Aktionen wollten sie darauf aufmerksam machen, dass in der Politik einiges falsch laufe. Die Gruppe schrieb Briefe an den damaligen Oberbürgermeister Karlheinz Ritter von Traitteur, organisierte Demonstrationen gegen politische Missstände oder sangen zu Ostern Friedenslieder auf dem Paradeplatz. Ob es etwas bewirkt hat? "Es ist nicht so einfach, Dinge im Großen zu verändern", sagt Hoffmann, aber einen Punkt betrachtet sie als zentral für damals: "In der Zeit war es wichtig und notwendig, Flagge zu zeigen."

Mathilde Hartmann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU, erinnert sich, dass Frauen schon vor 1980 begonnen haben, in der Öffentlichkeit aktiv zu werden. "In der Zeit sind Frauen auf den Weg gegangen", sagt Hartmann, selbst Mutter von vier Töchtern. Im Hinblick auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft blickt sie auf ihre Generation als eine selbstbewusste zurück, die ihren Weg gegangen ist. Trotzdem ist sie der Meinung, nur das gemeinsame Wirken von Frauen und Männern mache die Gesellschaft so vielfältig wie möglich. "Ich bin eine Verfechterin des gemeinsamen Zusammenarbeitens", betont sie.

Lisa Hoffmann vermutet, dass die Frauen in der Gesellschaft eine besondere Position haben. Der ständige Wandel, dem sie im Laufe der Zeit ausgesetzt seien, ein sich veränderndes Rollenbild, mache sie stark, flexibel und kreativ.

1990 kandidierte sie erstmals für den Stadtrat, sie ist seitdem in der Politik für die SPD aktiv. Ihr Schwerpunkt sind die sozialen Themen. Außerdem ist die 68-Jährige heute als Ansprechpartnerin der Anton-Landgraf-Stiftung aktiv, eine Initiative, die sich für Senioren in Not einsetzt. Auch für Veranstaltungen zum internationalen Frauentag am 8. März engagiert sie sich.

Selbstbewusster und selbstbestimmter

Allzuviel habe sich im Rückblick auf die vergangenen 35 Jahre zwar nicht verändert, sagt sie, gerade im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber sie empfinde die Frauen heute selbstbewusster und selbstbestimmter. Dazu haben die Veränderungen der 80er-Jahre beigetragen.

Auf die aktuelle "Fridays-for-Future"-Bewegung blickt sie positiv. Bei vielen dieser Ortsgruppen seien die Frauen federführend. Es ist die Botschaft, sich nicht alles gefallen zu lassen, die für sie dabei durchblitzt. "Es erinnert mich an unsere Geschichte."

Mit der Zeit habe sich der Kontakt zwischen den "Frauen für den Frieden" leicht verlaufen . Trotzdem sind sie heute immer noch vernetzt. Über eine Whats-App-Gruppe mit dem sprechenden Namen "Freundinnen für immer".

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