Forchheim
Pfand

Pfandsystem-Revolution: So viel Geld will eine fränkische Brauerei für einen Kasten

Wenn Bierkästen und Flaschen nicht zurückgebracht werden, kostet es fränkischen Brauereien bares Geld. Deshalb möchten die Brauer das Pfand deutlich erhöhen. Trotz Widerstand aus der Kundschaft startet nun eine Revolution in Hallerndorf.
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Im Abfüllzentrum in Hallerndorf zeigt Brauer Kevin Düsel, welches weitere Probleme das derzeitige Pfandsystem den fränkischen Kleinbrauereien bereitet: Fremdflaschen, die aufwendig per Hand aussortiert werden müssen. Foto: Ronald Heck
Im Abfüllzentrum in Hallerndorf zeigt Brauer Kevin Düsel, welches weitere Probleme das derzeitige Pfandsystem den fränkischen Kleinbrauereien bereitet: Fremdflaschen, die aufwendig per Hand aussortiert werden müssen. Foto: Ronald Heck

Wer einen Kasten fränkischen Bieres einer regionalen Kleinbrauerei mit nach Hause nehmen möchte, könnte dafür bald sechs Euro Pfand bezahlen - nur für den Kasten. Derzeit zahlt der Kunde in der Regel 1,50 Euro; 3,10 mit Flaschen. Der Hallerndorfer Brauereiinhaber Georg Rittmayer kämpft seit langem für eine Erhöhung des Pfands auf Bierkästen und Flaschen - auch gegen den Widerstand größerer Brauereien in Deutschland. Zuletzt hat der Brauereiverband für eine Pfandverdopplung plädiert.

Eine bundesweit einheitliche Pfanderhöhung konnte Rittmayer, der Verbandspräsident der privaten Brauereien in Bayern ist, bislang nicht erreichen. "Wenn die Großen das nicht wollen, dann ziehen wir das eben alleine durch", habe er seinen Kollegen erklärt. Ab dem 1. März 2020 will er gemeinsam mit 40 bayerischen Bierbrauern sechs Euro Pfand pro Kiste verlangen.

Niedriger Pfandpreis setzt keinen Anreiz, Kästen zurückzubringen

Der Hintergrund: Wegen des niedrigen Pfandpreises lohne es sich für viele Kunden nicht, die Bierkästen wieder zu ihren eigentlichen Besitzern, den Brauereien, zurück zu bringen. Die Kästen verstauben in Kellern, werden zu Möbelstücken umgebaut, weggeschmissen oder landen bei Großhändlern, die das Bier gar nicht im Sortiment haben.

Zum Ärger der Brauereien lassen diese Großhändler viele Kisten sogar schreddern. Sie verarbeiten die Kästen aus Kostengründen lieber zu Plastikgranulat, anstatt sie zurück an die einzelnen Brauereien zu fahren. "500 000 Kisten werden jährlich geschreddert", betont Rittmayer.

Bierkästen: "Pfandflucht" kostet viel Geld

Diese "Pfandflucht" setzt vor allem die kleinen Brauereien unter Druck. Im Gegensatz zu Großbrauereien haben sie weniger Kisten im Umlauf und beziehen kleinere Stückzahlen bei den Kästen-Herstellern. Die Anschaffung eines neuen Bierkastens kostet sie deutlich mehr als das derzeitige Pfand. 90 000 Euro zahlt die Brauerei Rittmayer jedes Jahr, um neue Kisten und Flaschen zu kaufen.

"Das ist einfach zum Kopfschütteln", meint auch Christian Schuster, Juniorchef der Brauerei Greif. Die Forchheimer Brauerei muss jährlich 10 000 Kästen und etwa 200 000 Flaschen hinzukaufen. Jeder Kasten kostet samt Flaschen dabei rund zehn Euro. "Das jetzige Pfandsystem ist für uns ein deutliches Draufzahlgeschäft", so Schuster. Deshalb findet er den Vorstoß gut, das Pfand auf sechs Euro zu erhöhen.

Auch Birgit Roppelt von der Brauerei Neder kennt das Problem, dass Pfandflaschen und -kästen nicht wieder in der Brauerei in Forchheim landen. Wenn Neder-Bier abgefüllt werde, fahren die Mitarbeiter extra alle Abgabestellen in der Region an, auf der Suche nach ihren Kisten. Das koste Arbeitskraft, Zeit und Geld. Und trotzdem: "Wir müssen auch jedes Jahr hinzukaufen und zahlen freilich deutlich drauf", so die Brauerei-Mitarbeiterin.

Im Abfüllzentrum in Hallerndorf zeigt Brauer Kevin Düsel, welches weitere Probleme das derzeitige Pfandsystem den fränkischen Kleinbrauereien bereitet: Fremdflaschen, die vor Ort nicht genutzt werden können. In einem großen Zelt müssen Mitarbeiter die angelieferten Kästen aufwendig durchsuchen, um die fremden Bier- und Getränkeflaschen auszusortieren.

Kleiner Chip soll helfen

Mit ihrer Revolution des Pfandsystems wollen die bayerischen Kleinbrauer nun Vorreiter sein. Georg Rittmayers Idee: An den Bierkästen sollen Sticker mit einem integrierten "RFID-Chip" angebracht werden. Durch den Sticker erkennen die Kunden einerseits, dass es sich um einen Bierkasten mit erhöhtem Pfand handelt. Zudem könnte ein Pfandautomat die Daten auslesen und die leeren Kästen bereits an den Abgabestellen mit den richtigen Bierflaschen bestücken.

Mit den höheren Pfandpreisen und dem Stickersystem hofft Rittmayer, dass mehr Bierkästen und Flaschen ihren Weg zurück zu den regionalen Brauereien finden. "Wir hoffen natürlich, dass die Kunden bereit sind, das in Kauf zu nehmen", sagt Kevin Düsel. "Es geht uns auch darum klar zu machen: Das ist ein hochwertiges Produkt. Und die Leute bekommen das Pfand ja wieder zurück!" Eine Brauerei aus der Region verlangt sogar neun Euro für den Kasten: Die Geschichte dahinter.

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