Heroldsbach
Musik

45-köpfiges Orchester in Heroldsbach spannt den Bogen

Der Musikverein Heroldsbach gestaltete einen Abend unter dem Motto "Dialog der Generationen". Bernhard Schleicher legt bei der Stückeauswahl Wert auf einen voluminösen Sound mit viel Schlagzeug und vor allem der ganzen Palette der Percussionsinstrumente. Das macht was her.
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Der "Dialog der Generationen Foto: Pauline Lindner
Der "Dialog der Generationen Foto: Pauline Lindner
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Hinten an der Bühnenwand der Hirtenbachhalle hängen eine Milchkanne, ein Teppichklopfer, ein Waschbrett und ein Wäschestampfer zwischen einigen Blasinstrumenten. Das sind Gegenstände, die den jungen Musikern des Musikvereins eher aus dem Museum denn aus ihrem Alltag vertraut sind. Die älteren Besucher kennen sie zumindest noch aus ihrer Kindheit. Aber diese Gegenstände sind ein schönes Symbol für den Titel des Abends: Dialog der Generationen.

Ein Musikstück gleichen Namens gibt es selbstverständlich auch. Bernhard Schleicher hat es mit dem großen Blasorchester einstudiert. Klanglich, erklärt Moderatorin Diana Werner, schlägt es einen Bogen zwischen der Kindheit, dem Arbeitsleben und dem Alter.


Der Jüngste ist elf Jahre alt


Nun, die Kindheit ist beim Musikverein - bei den öffentlichen Auftritten - nicht so sehr vertreten, verlangt doch das Spiel in einem Ensemble einiges an musikalischem Können. Aber der Jüngste im Schülerorchester zählt erst elf Jahre. 25 junge Leute bis zu "uralten" 17 haben sich vor acht Wochen zusammengefunden und haben mit Hans-Jürgen Lorenz drei Stücke bühnenreif einstudiert. Das Publikum klatschte denn auch eine Zugabe herbei und weiter, als die junge Gruppe Helene Fischers "Atemlos durch die Nacht" intonierte.

Damit waren sie absolut in der Gegenwart, machte der Song doch erst in diesem Sommer Furore. Ein Hauch Fußball-Weltmeisterschaft und das Wertungsstück "Sa musica": Es lässt sich schon erkennen, dass der Nachwuchs bald ins große Ensemble aufrücken darf. Oder sogar nur mehr aushilft, weil nicht alle Instrumente besetzt sind. Wie Niels Vogel: Der 15-Jährige ist Percussionist und er hat, so erzählt seine Mutter in der Pause, den zwei Jahre älteren Magnus zum Musikverein gebracht, mit dem Euphonium.

Das war wohl schon öfter der Fall, liest man die Namen der Mitwirkenden. Da sind etliche Geschwisterpaare dabei. Das Nachwachsen zeigt sich auch daran, dass aus den Reihen des Ensembles immer wieder auch Dirigenten hervorgehen, Dirigentinnen diesmal. Jasmin Weitzenfelder war mit einem Medley aus der Operette Der Zigeunerbaron für einen Abstecher nach dem Wien vor 100 Jahren verantwortlich. Stefanie Nowecki entführte das Publikum zu den Antipoden. "Goddess of Fire" beschreibt die Neuseeländische Feuergöttin in bunten Klangfarben.

Dann noch ein Sprung über den großen Teich: Glenn Miller in Concert heißt das Medley zu Ehren des Königs des Bigband-Sounds. Den Swing beherrschen die vier Saxophonisten Franz Pezenka, Johanna Scharnewski, Meline Teuber und Christina Weiß. Der Glenn-Miller-Sound hat auch schon 80 Jahre auf dem Buckel. Das darf man dabei nicht außer Acht lassen. Zu der Zeit war auf dem (fränkischen) Tanzboden allerdings mehr die Polka im Schwange.


Spaß an der Polka


Im Klassiker Bayerische Polka übernahm Richard Schmidt den Solo-Posaunen-Part. Obwohl die meisten Musiker die Fernsehsendung "Königlich-Bayerisches Amtsgericht" wohl nur aus den Erzählungen älterer kennen, hatten auch sie ihren Spaß an der gleichnamigen Polka. In kleiner Besetzung ließen sie die gute alte Zeit aufleben, während die spielfreien Kollegen nach damaliger Honoratiorenart ein dunkles Bier vor der Tür des Gerichts tranken.

Bernhard Schleicher legt bei der Stückeauswahl Wert auf einen voluminösen Sound mit viel Schlagzeug und vor allem der ganzen Palette der Percussionsinstrumente. Das macht was her. Das zeigen auch die 94 Punkte beim Wertungsstück "Kameraden für immer".


Fränkische Kirchweih


Auch die Musik der Fränkischen Kirchweihen - der Titel lautet "Frankenfest" - nutzt die Möglichkeiten des 45-köpfigen Orchesters. Allerdings sollen hiermit einige ältere Zuhörer nicht ganz glücklich gewesen sein. Da mag mitgespielt haben, dass sie die Melodien ihr Leben lang kennen und in ihrer Jugend von viel schmaler besetzten Gruppen gehört haben. Oder war ihnen das Programm ein bisschen zu bayernlastig? Darin kann auch eine Anregung fürs nächste Konzert stecken. Wie wäre es mit einem traditionellen fränkischen Stück in kleiner Besetzung?


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