Forchheim

45 Jahre Eifer, 12 Jahre Streit

Fast ein halbes Jahrhundert hat sich Hansotto Neubauer dafür eingesetzt, dass die Werte der heimischen Landschaft geschützt werden. Nicht immer mit Erfolg.
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Hansotto Neubauer kann die Aktenstöße, die sich in 45 Jahren Arbeit für den Naturschutzbeirat angesammelt haben, jetzt bei Seite schieben.  Foto: Barbara Herbst
Hansotto Neubauer kann die Aktenstöße, die sich in 45 Jahren Arbeit für den Naturschutzbeirat angesammelt haben, jetzt bei Seite schieben. Foto: Barbara Herbst
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Otto Ammon, der ehemalige CSU-Landrat, wusste sehr genau, worauf er sich einließ, als er Hansotto Neubauer in den Naturschutzbeirat berief. Und ihn damit in ein fünfköpfiges Berater-Team holte, das seitdem in Diensten der Unteren Naturschutzbehörde steht.

Neubauer, der damalige Leiter der Berufsschule, war Ammon aufgefallen. Weil er "so eifrig" gegen die Raffinerie agierte, die der Landkreis in Eggolsheim bauen wollte; und weil er "so heftige Leserbriefe" gegen den Landrat verfasste. Offenbar imponierte Ammon diese kämpferische Haltung, auch wenn er selbst zur Zielscheibe wurde.

Aber Ammon war auch aufgefallen, dass Neubauer seine Schüler so sehr für die Natur begeistern konnte, dass sie sich am Wochenende Zeit nahmen, um mit ihrem Lehrer die Fränkische Schweiz zu erkunden.

Kämpfer für die Natur und Vermittler ihrer Schönheit - dieser Doppelrolle ist Hansotto Neubauer als Berater 45 Jahre treu geblieben. Vor wenigen Tagen hat Landrat Hermann Ulm (CSU) Neubauer und dessen Mitstreiter Christian Rösch (er war 30 Jahre dabei) verabschiedet. Für Neubauer war es ein versöhnlicher Abschied. Obwohl die letzte Dekade seiner Berater-Tätigkeit alles andere als harmonisch verlief. "Es gab in all den Jahren nur ein Thema, an dem sich eine Krise entzündete, das war die Wiesent."

Der Streit um die Bootsfahrer auf dem Fluss wurde dann allerdings zur Dauer-Krise. "Es war ein zwölfjähriger Zwist." Immer wieder "bohrte" der Naturschutzbeirat. Doch durchsetzen konnte er sich nicht. Wie der FT in diesem Sommer mehrfach berichtete, kam es schließlich zu einer Klage des Bund Naturschutz. Der Streit um die Bootsfahrten auf der Wiesent wurde letztlich von einem Gericht beendet. Der Richter legte fest, dass die Wiesent künftig erst ab dem 15. Juni befahren werden darf. Die Fische haben jetzt also eine um sechs Wochen verlängerte Schonfrist während der Laichzeit.

Außerdem hat sich der Landkreis entschlossen, eine sechsstellige Summe auszugeben: Eine Firma wird prüfen, ob die Nutzung der Wiesent den sogenannten Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien gerecht wird. Bis die Ergebnisse dieser Verträglichkeitsprüfung vorliegen, werden aber wohl Jahre vergehen. Möglicherweise werde die bisherige Nutzung der Wiesent ganz verboten. "Es ist aber nicht absehbar, wie es ausgeht", betont Neubauer.

Das Thema offenbart einen Zwiespalt zwischen Tourismus und Naturschutz. Die pro Saison rund 28 000 Bootsfahrten auf der Wiesent sind aus Sicht der Regierung von Oberfranken ein vertretbarer Teil des Tourismus-Projektes "Wiesenttal". Weil der Naturschutzbeirat diese Sichtweise kritisch hinterfragt hatte, waren die amtlichen Naturschützer in Forchheim unter Druck geraten.

Hansotto Neubauer meint, dass die Befahrbarkeit der Wiesent "grundsätzlich" überprüft werden müsse. Die heißen Sommer hätten womöglich den Wasserspiegel abgesenkt; die Fauna im Flussbett drohe durch aufsetzende Boote zerstört zu werden.

Dieses Thema fällt jedoch unter die Rubrik Neuanfang. Aktuell sei "der Schutt vor der Tür weggeräumt - jetzt können Naturschutzbeirat und Naturschutzbehörde wieder Hand in Hand gehen", sagt Hansotto Neubauer. Gleichzeitig sei es die Aufgabe der neu berufenen Berater, "offen zu reden".

Wachsender Stolz auf die Natur

An Gelegenheiten wird es nicht fehlen. Es gibt immer wieder Kletter-Felsen, die gesperrt werden müssen; über Nacht in die Landschaft gestellte Schwarzbauten, die abgerissen werden müssen. "Zum Glück" sei aber "die Sensibilität für Naturschutz stark gestiegen", weiß Neubauer. Vor allem bei den Bürgermeistern. Anfangs habe er ihnen vorgeworfen, nicht stolz genug auf ihre Landschaft zu sein. Doch dann habe sich "das Prinzip" rumgesprochen: "Ein Landschaftsbild zu pflegen, kostet Geld. Und wer das Landschaftsbild nicht schützt, sägt auch dem Tourismus den Ast ab, auf dem er sitzt."

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