Neunkirchen
Glaube

350. Karfreitagsprozession in Neunkirchen am Brand - Erzbischof Schick: "Das Kreuz muss bleiben"

Erzbischof Schick bezeichnete bei der 350. Karfreitagsprozession in Neunkirchen am Brand das Kreuz als "Markenzeichen unserer Kultur".
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Foto: Petra Malbrich
Foto: Petra Malbrich
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Die Ratschen setzten ein. Fast doppelt so viele Gäste wie sonst sind am 30. März zur Karfreitagsprozession nach Neunkirchen am Brand gekommen. Die Gläubigen warten am Straßenrand, um sich in den Prozessionszug einfügen zu können. Die Prozession, bei der mit lebensgroßen Christusfiguren der Leidensweg von Jesus Christus aufgezeigt wird, verläuft wie immer. Doch diesmal ist es anders als in den Vorjahren. Zum zweiten Mal nimmt Erzbischof Ludwig Schick daran teil, auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann ist gekommen.

Zum ersten Mal wird der neue Neunkirchner Pfarrer Joachim Cibura und auch evangelische Geistliche dabei sein. Auch Beda Maria Sonnenberg, Abt des Klosters in Plankstetten und Diakon Michael Polster sind für die Prozession in ihre Heimatgemeinde gekommen. "Herr Jesus Christus, wir sind gekommen, um betend deinen Kreuzweg nachzugehen, den du vom Haus des Pilatus bis hinauf nach Golgota gegangen bist", sagte Vorbeter Wilhelm Geist. Das Kreuz mit den Marterwerkzeugen Jesu wird von Ministranten getragen und führt den Zug an. Bürger aus den verschiedenen Ortsteilen der Marktgemeinde tragen die weiteren Figuren. Jesus, wie er mit Dornen gekrönt ist, der verhöhnte Christus, Jesus, der am Kreuz gestorben ist oder Jesus im Schoß seiner Mutter Maria. Selbst ein Blick in die Gesichter der Figuren lassen das unsägliche Leid, dass Jesus erlitten hat, nur erahnen.

Die Kreuzwegandacht wird während der Prozession gebetet, der Gesang von der Neunkirchner Jugend- und Trachtenkapelle begleitet. Erzbischof Ludwig Schick trug das Reliquienkreuz mit einem Splitter vom Kreuz Jesu. Vor 350 Jahren waren der damalige Pfarrer Wilhelm Kohrmann und der damalige Bürgermeister Michael Weber für die Karfreitagsprozession verantwortlich. Das war zu einer Zeit, als nach dem Dreißigjährigen Krieg das Licht des Glaubens, wie es Wilhelm Geist nannte, erloschen war. Mit den Prozessionen versuchte man den Glauben zu reformieren.

Dankbar dafür war Erzbischof Ludwig Schick, was er in seiner Predigt am Ende der Andacht zum Ausdruck brachte. Das Kreuz sei das Zeichen der Christen, es sei Symbol und Markenzeichen. Kurz zeigte der Erzbischof in seiner Predigt auf, welche Kreuze die Menschen damals zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs gegen sich aufgefahren haben. Bis das Kreuz mit der Prozession neu aufgerichtet wurde. Es sei wichtig gewesen, das Kreuz aufzurichten, betonte Erzbischof Schick, denn das Kreuz sei aufgerichtet worden, um Versöhnung und Frieden zu schaffen.

Dankesworte richtete der Erzbischof an die Vertreter der Ökumene und an Joachim Hermann, mit der Bitte, in Bayern deutlich zu machen, dass das Kreuz bleiben soll und muss. "Das Kreuz ist das Markenzeichen unserer Kultur und Zivilisation. Es ist kein Zeichen des Todes, sondern des Lebens", betonte Erzbischof Schick. Das Kreuz und die Auferstehung dürften nicht getrennt werden, so sein Appell. Denn das Kreuz sei das Zeichen eines Lebens, das man den Christen wünsche. Ein Leben der Freude und des Friedens. "Das Kreuz ist die Schule des Lebens", sagte Schick.

Der Querbalken stehe für ausgebreitete Arme zu allen Menschen und der Schöpfung. Sie stünden dafür, sich untereinander zu helfen, das eigene Kreuz zu tragen - für Gottes- und Nächstenliebe, für Achtung und Respekt. Die zwei Balken würden für das Leben stehen, für das man sich einsetze: Für Arme und Schwache, für Untere und Obere, denn auch die Verantwortlichen in Politik, Kirche und Gesellschaft tragen Verantwortung, dass man gut leben könne. Das Kreuz sei zudem Symbol der Versöhnung, die immer nötig sei.

Der Senkrechtbalken im Kreuz stehe fest auf der Erde, zeige, dass der Mensch mit der Erde verbunden sei und diese entwickeln solle. Er weise aber auch nach oben, damit der Mensch den Sinn in Gott erkenne. "Das Kreuz muss bleiben. Daran erinnert die Karfreitagsprozession. Damit es Heil und Leben bringt", betonte Erzbischof Schick. "Das Kreuz kann man auch Menschen anderer Religionen verständlich machen, damit sie unsere Kultur verstehen", beendete Schick seine Predigt am Ende der "Andacht zur Todesangst Christi am Kreuz". Die Figuren, die neu restauriert wurden, werden nicht eingepackt, sondern öffentlich ausgestellt.


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