Laden...
Ebermannstadt
Coronavirus

24-Jährige aus Fränkischer Schweiz in Südamerika gestrandet

Marie Schlebusch aus Ebermannstadt ist in Südamerika gestrandet. Die 24-jährige Studentin absolvierte ein Praktikum, als die peruanische Regierung den nationalen Notstand erklärt und Quarantäne verhängt hat.
Artikel drucken Artikel einbetten
Marie Schlebusch Foto: privat
Marie Schlebusch Foto: privat
+1 Bild

Ihren 24. Geburtstag wird Marie Schlebusch aus Ebermannstadt vermutlich nie vergessen: Sie verbrachte ihn rund 10.670 Kilometer entfernt von ihrer Familie und ihrer Heimat in Cusco/Peru. Dort ist sie aktuell als eine von rund 600 deutschen Touristen gestrandet . Mit Dekret vom 15. März hat die peruanische Regierung wegen des Coronavirus den nationalen Notstand erklärt und Quarantäne verhängt. Alle im Land befindlichen Personen müssen sich in dem genannten Zeitraum zu Hause oder einer Unterkunft aufhalten. Marie Schlebusch bestätigt diese Auflagen. Wie sie überhaupt in diese Lage geriet, schildert sie per Whatsapp: "Ich bin im Januar 2020 nach Peru gegangen, um Freunde in Cusco zu besuchen und um ein nachhaltiges Praktikumsprojekt zu finden, um mich auf meinen Master vorzubereiten." Sie hat Tourismus und Eventmanagement in Dresden studiert und möchte im Oktober einen Masterstudiengang im Bereich "Sustainable Development" oder "Nachhaltige Unternehmensführung" in Utrecht oder Eberswalde aufsetzen.

Ein Herzensprojekt

"Ich habe dann ein Herzensprojekt gefunden in Puerto Maldonado bei ARC-Amazon. Die Organisation betreibt ein Forschungszentrum im geschützten Amazonas-Regenwald. Dort habe ich ein Praktikum gemacht." Die Nachrichten über die Corona-Pandemie habe Peru das erste Mal so richtig am 12. März getroffen, einen Tag später wurde die Schließung ihrer Praktikumsstelle entschieden. Über das Wochenende seien viele Touristen gegangen, um das Land noch so schnell wie möglich verlassen zu können, "da die Angst groß wurde, dass sie die Grenzen dichtmachen würden. Am Sonntagabend hat der peruanische Präsident den sofortigen nationalen Notstand verhängt und Touristen haben sich überall an den Flughäfen gesammelt, um noch Flüge aus dem Land zu bekommen bis Montagabend." Marie Schlebusch selbst konnte die Situation nach eigenen Worten gar nicht so schnell greifen: "Ich dachte, ich könnte der Organisation jetzt nützlicher sein und in zwei Wochen wäre die Welt wieder einigermaßen normal. Ein paar Tage später i n Quarantäne in Puerto Maldonado habe ich wirklich begriffen, was es heißt, hier vielleicht auf Wochen und Monate eingeschlossen zu sein. Meine Arbeit hat sich auf ein Minimum begrenzt, da der gesamte Tourismus in Peru gerade wegbricht. Sehr viele Menschen verlieren ihre Arbeit." Wegen der unsicheren Situation und der ungewissen Entwicklungen entschied die junge Frau, nach Deutschland zurückzukehren, musste aber feststellen: "Dies ist gar nicht so einfach." Sie habe die Deutsche Botschaft in Lima kontaktiert, doch bis zum heutigen Tag keine Antwort erhalten.

Mit Begleitschutz

Unterstützung erhielt sie letztlich vom Honorarkonsulat. Mit Hilfe des sozialen Netzwerks Facebook habe sie den lokalen Gouverneur erreicht, der ihr einige Tage später einen Platz in einem organisierten Transport inklusive Begleitschutz durch die Polizei und die örtliche Tourismusbehörde organisiert habe . "Nach zehn Stunden Fahrt wurden wir 15 Minuten vor Cusco abermals von der Polizei gestoppt und haben eine weitere halbe Stunde um 1 Uhr nachts warten und bangen müssen, bis wir letztlich doch nach Cusco durften." Dort gewähren ihr aktuell Freunde Unterschlupf. "Seit ich versucht habe, das Land zu verlassen, hat die deutsche Botschaft mich schon fünf verschiedene Formulare ausfüllen lassen - immer wieder mit den gleichen Informationen", berichtet die Ebermannstadterin, "es gibt täglich neue E-Mails, die immer wieder Flüge versprechen aus Cusco, aber dann letztlich wieder verschoben werden." Es haben sich verschiedene Gruppen in sozialen Netzwerken gegründet , in denen sich deutsche Gestrandete über die vorherrschenden Bedingungen austauschen. "Das macht einen ziemlich nervös und ich hatte bereits zwei Mal eine Panikattacke nachts, weshalb ich aus einigen Gruppen ausgestiegen bin und nur noch die wichtigsten Nachrichten des Honorarkonsulats in Cusco verfolge und an meine sehr besorgte Familie weiterleite, die mich täglich fragt, wann ich denn zurückkomme."