Affalterthal
Nostalgie

230 Eicher-Traktoren in Affalterthal sind Rekord

Die Eicher-Bulldogs sind ein Phänomen: Zum achten großen Treffen in Affalterthal kamen 230 Traktoren - und unzählige Besucher.
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Die Eicher-Rundfahrt Foto: Reinhard Löwisch
Die Eicher-Rundfahrt Foto: Reinhard Löwisch
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Der Mythos Eicher lebt. Das zeigte sich auch beim achten Treffen dieser alten, seit 1995 nicht mehr gebauten Bulldogs in Affalterthal. Es war ein Fest der Superlative: Alle 25.000 Lose für eine Eicher-Verlosung wurden verkauft, ein Rekord. 230 Eicher waren gekommen: Auch das ist Rekord. 17.000 Euro Spende für den Verein krebskranker Kinder: noch ein Rekord. Und: Zum ersten Mal konnte der Gewinner des Eichers nicht ermittelt werden.

Es kamen so viele Menschen, dass weder Feuerwehr noch Veranstalter schätzen mochten, wie viele. Sie strömten an einem heißen Wochenende nach Affalterthal, um im Lärm PS-schwacher Motoren und im Gestank der Auspuffgase die alten Traktoren zu bewundern. Auf einem Display war zu sehen, ob ein Eicher nun 35 oder doch nur noch 31 PS an Kraft leisten kann. Auch Eicher werden offensichtlich schwächer, je älter sie werden. Die meisten Fahrzeuge, die zum Eichertreff kamen, stammten aus den 50er Jahren, wobei der Älteste, ein Eicher ED 16 mit 16 Pferdestärken, im Jahr 1950 gebaut wurde. Übertroffen wurden die Eicher nur von einem Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1948, der aber, weil eine andere Marke, nur im Fahrerlager stehen durfte.

Grenzwertig

Grenzwertig war ein anderer Eicher, von dem die bessere Hälfte, sprich der Motor, von einem Güldner "Toledo" und nur der hintere Teil, die Achse mit den Hinterrädern, von einem Eicher EM 300 aus dem Jahr 1962 stammt. Beides zusammen ergab einen rot-blauen "Hybrid-Bulldog", wenn man so sagen will.

Eicherfahrer sind Tüftler, das zeigte auch der Eicher-Mechaniker Anton Glasl bei seinem Motorenlehrgang: Man braucht selbst gemachtes Spezialwerkzeug, das Wissen um die Funktion des Motors und viel freie Zeit, wie der Organisationsleiter Dieter Porisch erklärte, der viele Hundert Stunden in die Restauration des Eichers gesteckt hat, der dann für einen Euro verlost wurde. Am Samstag waren die Eicherfreunde unter sich. Knapp 100 Bulldogs standen auf der Wiese neben dem Zelt, in dem es zuerst einen "Eichergottesdienst" und danach Volksmusik und Schlager der "Leutenbacher Musikanten" zu hören gab.

Kritik am Eintritt

Kritik von Eicherfreunden gab es daran, dass erstmals Eintritt verlangt wurde, was für die ärgerlich war, die nur Getränke oder etwas zu essen haben wollten. Der Sonntag war wettertechnisch noch schöner, da einige Wolken die große Hitze des Vortages vertrieben. Daher kam wohl auch der enorm große Zuspruch von Leuten, die vielleicht nicht unbedingt wegen der Fachsimpelei, sondern wegen des Umzugs und der Verlosung gekommen waren. Zeitweise war die Essens- und Getränkeausgabe, die sogar an mehreren Stellen gleichzeitig stattfand, überfordert. Es bildeten sich überall lange Schlangen, Geduld musste man unbedingt mitbringen.

Größere Rundfahrt als geplant

Das galt auch für die Rundfahrt. Wegen der vielen Eicher musste eine größere Strecke gefahren werden, weshalb die Eicher erst eine halbe Stunde später als angekündigt den Weg durch das Dorf fanden. 145 Eicher beteiligten sich an der Rundfahrt, nach 45 Minuten war sie vorbei und alles hastete zum Festzelt, um an der Verlosung des Eichers teilzunehmen. Der Zieglers-Konrad aus Streitberg, der einen Betonmischer aus dem Jahr 1937 mit seinem Eicher, Baujahr 1952, nach Affalterthal gezogen hatte, meinte, dass er den guten Platz, den er gleich gegenüber dem Zelt gefunden hatte, nicht aufgeben wolle und daher auf den Umzug verzichte. Er brachte einen Stuhl mit, auf dem er den Umzug vom Straßenrand aus verfolgte.

Am Festplatz

Nach der Rundfahrt fanden sich wesentlich mehr Menschen am Festplatz ein, die aus Platzmangel vor dem Zelt auf die Verlosung warteten. Wie schon beim letzten Mal spielte die Bundestagsabgeordnete Silke Launert (CSU, Bayreuth/Forchheim) die Glücksfee, assistiert vom Forchheimer Landrat Hermann Ulm und Vizelandrätin sowie Kreisbäuerin Rosi Kraus (beide CSU). Mit dabei waren auch der Hauptorganisator "Bobby" Porisch und die beiden Brüder Simon und Hans-Martin Gemählich, die maßgeblich an dem Fest mitwirkten. Der Egloffsteiner Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU), selbstredend ebenfalls Eicher-Traktorfahrer, moderierte. N. Siegel von der Elterninitiative krebskranker Kinder in Erlangen erzählte, was mit der Spende in Höhe von 17.000 Euro geschehen soll: Das Geld soll für die Musiktherapie krebskranker Kinder verwendet werden. Die Lostrommel, mit allen 25.000 Losen gefüllt, "schmälert zwar die Chance auf den Gewinn für den Einzelnen, sorgt aber gleichzeitig für eine höhere Ausschüttung an die Elterninitiative", meinte Moderator Förtsch.

Gewinner-Nummer 088

Ein Holzfäller-Set mit diversen Geräten ging als dritter Preis an Carola Vogel aus Affalterthal. Den zweiten Preis, einen Beetpflug, sicherte sich Rainer Bieger aus Hundsboden. Der erste Preisträger, der die Losnummer 088 hat, war nicht anwesend, daher konnte auch der Eicher nicht direkt an den Gewinner übergeben werden. Per Internet soll die Nummer veröffentlicht und so der Gewinner gefunden werden. Auf ein Neues: In zwei Jahren wird es das neunte Eichertreffen geben, kündigte Förtsch an. Der Erfolg in diesem Jahr sporne für ein weiteres Fest an. Ein Fest, das vom ganzen Dorf getragen wird: Aus jedem Haus waren Helfer dabei und außerdem die Feuerwehren aus Affalterthal, Schlehenmühle und Bieberbach, die vor allem den Verkehr und das Parken regelten.

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