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Forchheim
Geschichte

1718 endete im "Mondschein" ein Streit tödlich

Der Lokalhistoriker Reinhold Glas nimmt sein Publikum mit in eine Zeit, in der es in Forchheimer Gasthäusern mitunter noch brutal zuging. Bei den Namen dagegen war viel christliche Symbolik im Spiel.
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Der Stich (l.) aus dem 16. Jahrhundert zeigt, wie es in einem Wirtshaus zuging. Lokalhistoriker Glas (o.) sprach unter anderem auch über "Zu den sieben Türmen" (r.). Repro: Glas
Der Stich (l.) aus dem 16. Jahrhundert zeigt, wie es in einem Wirtshaus zuging. Lokalhistoriker Glas (o.) sprach unter anderem auch über "Zu den sieben Türmen" (r.). Repro: Glas
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"Beim Male war auch der Forchheimer Schultheiß Wilhelm von Wiesenthau zugegen", so schreibt der Kastner des bischöflichen Amts Forchheim 1523 nach einem Besuch des Weihbischofs von Eichstätt mit seinen Begleitern im ältesten Gasthaus Forchheims in der Bamberger Straße.

Oder auch: "Stallmieten und Zehrung zu je 10 Denar (=Pfennig) für die Wagenknechte, die meinen Gnädigen Herrn und Fürsten geführt haben." Dieser Eintrag stammt aus dem Jahr 1556 und bezieht sich auf das Gasthaus "Zur (weißen) Gans" in der Hauptstraße 3.

Solche altertümlich-feierlichen Formulierungen für Alltägliches - die Zeitgenossen heute schon wieder lustig vorkommen - , schön verzierte Urkunden aus dem 16.
Jahrhundert sowie alte Holzschnitte, die die Atmosphäre in damaligen Schankstätten zeigten, machten die Geschichte selbst und den Vortrag des Lokalhistorikers und Häuserforschers Reinhold Glas jetzt äußerst lebendig.

Glas beschäftigte sich mit den drei ehemaligen Forchheimer Gasthäusern: "Zu den sieben Türmen", "Zur Gans" und "Zum (halben) Mondschein".

Die Veranstalter des Abends waren der Heimatverein und die Volkshochschule. Das Interesse war sehr groß. Einige Zuhörer fanden im großen Hörsaal der VHS deshalb nur noch provisorisch Platz. Glas berichtete zunächst darüber, dass gerade das Gasthaus in der Bamberger Straße 19 zu einem Forchheimer Gasthaus werden konnte, weil die Herren von Egloffstein, zu deren Eigentum das Anwesen gehörte, laut einer Urkunde von 1426 zugunsten der Stadt Forchheim "auf einen Teil ihrer Hofstatt zu Forchheim am Bamberger Wege" wegen des Stadtmauerbaus verzichteten. Die Lehenshoheit über anliegende Gebäude behielten sie aber.

Anno 1450 gab es schon eine erste Verleihung der Hofstatt an einen Forchheimer Bürger namens Heintz Reynolt, die bis 1561 mit einem Wohnhaus und Stadel bebaut wurde.

Zahlreiche Belege

1475 ging das Lehen an Endres Zehender über. 1510 bestätigte der damalige Bamberger Fürstbischof Georg Schenk von Limburg "das Betreiben der Schenkstatt zu Forchheim am Bamberger Weg", die zwischenzeitlich von Zehender dort eröffnet worden sei.

In der Folgezeit finden sich zahlreiche Belege, dass bischöfliche Gäste samt Begleitern und auch Durchreisende vom Kastner, der damals seinen Kastenhof in der Sattlertorstr. 10 (heute Gasthaus Neder) hatte, in diesem Gasthaus und anderen umliegenden Gasthöfen untergebracht waren.
Ein Kastner war damals der oberste Beamte des Kastenamts, der die Einnahmen und Ausgaben seines Amtsbezirks zu verwalten hatte. Der Name leitet sich vom Getreidekasten her, in dem die Naturallieferungen aufbewahrt wurden.

Ein sogenanntes Lehenprotokoll vom 31. August 1677 erwähnt die Stadtmauer noch als hintere Grundstücksgrenze des Gasthauses "Zu den sieben Türmen" - so hieß das Haus in der Bamberger Straße allerdings erst seit Beginn des 17. Jahrhunderts. Unter diesem Namen war es dann aber tatsächlich bis um 1980 bekannt. Insgesamt existierte das Gasthaus - bei hoher Fluktuation der Wirte - über 500 Jahre lang.

Ein weiteres Gasthaus wurde 1516 zum ersten Mal unter dem Namen "Zur Gans" urkundlich erwähnt. Der Abbruch des Hauses Nr. 3 in der Hauptstraße bildete das Ende des Betriebs. Zur Unterbringung von Pferden und Wagen wurden auch die Gebäude in der Hornschuch-Allee 6 und 8 genutzt (heute: Gürtler-Druck).

Gestirne und Tiere

Besonders interessant in Bezug auf dieses Gasthaus ist, dass der Stadtrichter Andreas Lechner 1605 eine Stiftung in Höhe von 120 fl für die im Jahre 1500 gegründete Wohltätigkeitsstiftung, die sogenannte "reiche Schüssel", machte, für die der Wirt einen Zins von 6 fl jährlich zu bezahlen hatte.
Das Gasthaus "Zum (halben) Mondschein", in der Hauptstraße 49 (heute: Drogeriemarkt Müller) gelegen, lässt zunächst in Bezug auf die oft ungewöhnlichen Namen neugierig werden.

Aber es war und ist typisch, dass Gasthäuser nach Gestirnen benannt werden oder auch nach Tieren. Bei "Ochse", "Löwe" und "Adler" spielte zumindest früher die Symbolik der Evangelisten eine Rolle. Analog oder auch als Hinweis auf eine entsprechende Abgabe entstanden dann Namen wie "Gans", ergänzte der Vorsitzende des Heimatvereins, Dieter George.

Das Gasthaus "Zum (halben) Mondschein" bestand wahrscheinlich von 1558 bis 1826. Womöglich auch einige Jahre länger.

In den Gasthäusern passierten - sicher auch aufgrund des nicht unerheblichen Bier- oder Weinkonsums - mitunter schlimme Dinge. So gibt es eine Nachricht aus dem "Mondschein" von 1718 darüber, dass Georg Heinrich Trautner, der Sohn des Forchheimer Centrichters, nach einem Wortstreit den Krämer und Händler Valentin Bickel "durch einen Degenstoß entleibt" habe. Bis in die heutige Zeit verweist der Name "Rittmayer" früherer Wirte des "Mondschein" auf eine Brauerfamilie im Aischgrund.

Es ist bewiesen, dass die bekannte Familie in Willersdorf/Hallerndorf mit den ehemaligen Wirtsleuten des alten Forchheimer Gasthauses verwandt ist.
So finden Vergangenheit und Gegenwart zusammen.

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