Ebermannstadt
Historie

1. Weltkrieg: Unterhosen für die Lieben an der Front

Im Spätsommer 1914 ziehen die Männer aus der Fränkischen Schweiz in den Ersten Weltkrieg. Zurück ließen sie ihre Frauen, die oft neben der Landwirtschaft auch noch Zeit fanden, ihren Männern das Nötigste nachzuschicken.
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Deutsche Soldaten nehmen die sogenannten Liebesgaben in Empfang. Repro: Löwisch
Deutsche Soldaten nehmen die sogenannten Liebesgaben in Empfang. Repro: Löwisch
Es half alles nichts. Die Männer mussten fort in den Krieg ziehen, der später einmal der Erste Weltkrieg heißen sollte. Sie mussten gehen, obwohl gerade Erntezeit war. Derweil übernahmen die Frauen zu Hause eigentlich die für die Männer bestimmte Arbeit auf den Feldern.

Neben der Landwirtschaft versorgten sie auch noch ihre Soldaten. "Liebesgaben" hieß das Zauberwort, und was damit genau gemeint war, beschreibt ein Artikel aus dem "Wiesentboten" vom 6. November 1914: "Das Ortssammelkomitee für Waischenfeld und Umgebung konnte am vergangenen Samstag wieder eine Sendung Liebesgaben an die Kreissammelstelle in Bamberg abliefern, nämlich: 1 Waggon Kartoffeln, 15 Pfund Butterschmalz, 1 Tabakspfeife, 2 wollene und 13 weiße Betttücher, 2 farbige und 12 weiße Kopfkissenbezüge, 6 ungebleichte und 1 farbige wollene Unterhose, 2 farbige Hemden, 24 verschiedene Säckchen, 5 Leibbinden, 4 Paar Handschuhe, drei Paar Socken, 1 Paar Kniewärmer, 17 Paar Pulswärmer, 26 dreieckige Tücher, 8 Paar weiße und 5 Paar wollene Fußlappen, sechs Paar Einlegsohlen und 6 Taschentücher".

Die Sachen kamen auch tatsächlich bei den Soldaten an: "Ihr braucht mir nichts zu schicken, weil wir immer Liebesgaben von der Kompanie bekommen. Habe ein Hemd, ein Paar Socken, eine Leibbinde bekommen, also immer was", schrieb ein Soldat beispielsweise an die Lieben daheim.

Lachen voller Blut

Erste Feldpostbriefe machten die Runde, unzensiert und ungeschönt. In einem der Briefe, die von den Kriegsschauplätzen nach Hause in die Fränkische Schweiz gingen, heißt es:

"Nach heißen Kämpfen ist mein erster Gedanke wieder an euch, denn wir hatten jetzt harte Tage. Wir müssen nämlich einen Durchbruch durch die feindliche Linie unternehmen und da bekommen wir von vorn und den beiden Flanken feindliches Feuer. Da liegen die besten Kameraden, wie wenn man einen Acker Korn auf kleine Schabler zum Aufstellen gebunden hat, in den Blutlachen. Es ist nicht zum Schreiben, dieses Entsetzliche. Und die Pferde liegen dutzendweise umher, ebenso das Rindvieh, das man herausgejagt hat und sich in den Rübenfeldern erbläht hat."

Die Dörfer, so schreibt der Soldat weiter, "stehen in Brand, wo man hinsieht ein Anblick, den sich keiner vorstellt. Täglich nur einmal gibt es zu essen und das ist kalt, bis es nachts 1-2 Uhr zu uns kommt. Dann noch stets unter freiem Himmel auf nasser Erde schlafen oder wenigstens liegen, denn schlafen kann man da nicht, weil keine Stunde Ruhe ist. Ich hatte schon großes Glück. Vorgestern Nachmittag prasselte der Regen und die Granatenstücke über uns. Meinem Hintermann schlug ein Stück den Oberarm ab und mir brannte der Rock."

Immer mehr Todesnachrichten

Bei so vielen Soldaten, die aus der Region in den Krieg ziehen mussten, waren Todesnachrichten - die oft als Anzeige in der Zeitung abgedruckt wurden - bald keine Seltenheit mehr. Es hieß dann zum Beispiel: "Der furchtbare Krieg fordert auch von den hiesigen Söhnen, die im Felde stehen, seine Opfer. Am 19. November abends 7 ½ Uhr erlitt der Reservist im 4. Reserve Infanterieregiment Weigand Stenglein (Hirtenweigand) den Heldentod".
Diese Nachrichten nahmen sich auch einige junge Männer zu Herzen, die eingerückt waren, aber Fahnenflucht begingen.

Sehnsucht nach der Mutter

Vom einem solchen Fall berichtete auch die Zeitung: "Dem 21-jährigen Schäfer Georg H., welcher am 1.12.1914 als Ersatzrekrut beim 6. Chev.-Regiment eingestellt wurde, verließ angeblich vor lauter Heimweh und Sehnsucht nach Mutter, jedenfalls aber auch aus Furcht vor dem Ausmarsch in Feindesland, schon am 9.12.1914 - er war noch nicht vereidigt - früh um halb sechs Uhr seinen Truppenteil und begab sich nach Eichenbirkig, wo er zuletzt in Stellung gewesen war. Er wurde eine Woche später von der Gendarmerie wieder aufgegriffen, weil er wundgelaufene Füße hatte, einige Tage zurückbehalten und am 17. Dezember beim Regiment wieder eingeliefert", hieß es.
Von einer Bestrafung sah das Militär seinerzeit allerdings ab, nachdem der Fahnenflüchtige einen Tag später schließlich doch an die Front musste - wo er dann fiel.


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