Kloster Banz
Kriminalität

Europäische Polizei vernetzt sich auf Kloster Banz

Banden operieren längst international. Und Taschenräuber gehören bereits zum Organisierten Verbrechen. Auf Kloster Banz besprechen deshalb 200 europäische Polizisten, wie sie sich besser vernetzen können.
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Organisierte Kriminalität statt Kavaliersdelikt: Auch bei Taschendiebstahl kooperiert die europäische Polizei.  Symbolbild: Matthias Hoch
Organisierte Kriminalität statt Kavaliersdelikt: Auch bei Taschendiebstahl kooperiert die europäische Polizei. Symbolbild: Matthias Hoch
Artur Romanowski sagt, wer als Ziel feststeht, habe keine Chance mehr. Taschendiebe öffnen Rucksäcke im Gehen, spähen an Fahrkartenautomaten aus, wo das spätere Opfer die Brieftasche hinsteckt und notieren sich die Pin-Nummern. "Shoulder Surfing" sagt der Ermittler. Danach inszenieren die Diebe eine Menschenmenge, ein Gedränge, dann ist der Geldbeutel weg.

Romanowski sagt: "Die entscheidende Frage ist, wie kann der Schaden minimiert werden."


Und ist es passiert: Zeit notieren, Ort notieren, Bahnstation notieren. Das hilft den Ermittlern: Weil Taschendiebstahl längst durch Banden organisiert ist. Taschendiebstahl ist ein Fall für Europol.
Artur Romanowski ist Polizist. Er sitzt in einem schwarzen Sessel in einem Foyer auf Kloster Banz. Romanowski trägt Anzug, sein Kopf ist fast kahl geschoren, wenn er lacht, sieht er freundlich aus.
Romanowski ist Pole, er arbeitet für die europäische Polizeibehörde Europol.

Er ist Spezialist für Diebstähle und soll seinen deutschen Kollegen erklären, wie sie Europol nutzen können.

Einen Stock tiefer sitzen 200 Polizisten, Zöllner und Bundespolizisten. An den Wänden steht "Europol" und "Roadshow" und "Mehr Sicherheit für Europa". Auf dem Podium stehen Redner in Anzügen, die Vergleiche zurecht biegen, die von den Benediktinerinnen, die hier früher mal lebten, zur Polizeizusammenarbeit kommen. Es geht ums Teilen. Früher alles, heute die Information. Dazu sei Europol da, sagt Dietrich Neumann unten. Er ist Head of Business Corporate Services bei Europol, eine Art Referatsleiter. Er sagt, seine Behörde koordiniere, vernetze und analysiere. Europol habe keine Ermächtigungsbefugnisse und dürfe keine Weisungen erteilen.

Oben, im Ledersessel, wird Artur Romanowski deutlicher: "Jeder gestohlene Geldbeutel war früher ein Verbrechen für sich", sagt er.

Ein kleiner Diebstahl, nichts, verglichen mit anderen Verbrechen und daher kaum beachtet. Taschendiebstähle würden nicht als organisierte Kriminalität angesehen. "Wenn sie aber alle diese Informationen sammeln, sehen sie, dass dahinter mächtige, organisierte, kriminelle Gruppen stehen." Beutesummen von fünf Millionen Euro im Monat seien keine Seltenheit. Die Gruppen benutzen Kinder als Diebe und Frauen als Boten, alles laufe in Strukturen ab. Banden, die in einem Land auffliegen, ziehen in ein anderes weiter.

Das Bayerische Innenministerium erfasste 2012 insgesamt 6693 Taschendiebstähle, 14,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Weil das Phänomen mittlerweile so stark ausgeprägt ist, hielten Polizei und Europol Mitte Mai eine Taschendiebstahl-Konferenz in Den Haag ab.
Artur Romanowski sagt: Die Ermittler haben Verbindungen zwischen einzelnen Gruppen nachgewiesen. Ziele sind die großen Städte, dort, wo Touristen sind. Die melden Diebstähle oft gar nicht. Das mache die Ermittlung schwierig: Außerdem wechseln die Banden zwischen den Ländern. Romanowski sagt, es gebe Gruppen, die begingen 30 Verbrechen in der Woche in drei verschiedenen Ländern.
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