Herzogenaurach
Stadtumlandbahn

Zwei Varianten, viele Emotionen: Ortsbegehung zur Stub

Der Zweckverband lud zur Begehung der beiden bisher möglichen Trassen und rund hundert Bürger folgten.
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Moderator Christoph Ewen befragt Bürger.  Fotos: Bernhard Panzer
Moderator Christoph Ewen befragt Bürger. Fotos: Bernhard Panzer
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Als sich der Pulk am Mittwochabend auf den Weg machte, hatte manch ein Bürger Skepsis im Blick. Es gab Fragen nach den Vorteilen für die Bevölkerung und Nachteilen für die Anlieger. Es wurden aber nicht nur Bedenken geäußert, bei anderen Teilnehmern hinterließ das Schienenprojekt durchaus positive Eindrücke.
Letztlich versprachen die Organisatoren der Trassenbegehung vom Zweckverband Stadtumlandbahn (Stub), jede Äußerung ernst zu nehmen und die Einwände respektive Vorschläge in die weitere Betrachtung einfließen zu lassen. "Wir werden darauf achten, dass Sie alle zu Wort kommen", sagte Moderator Christoph Ewen eingangs, und von diesem Angebot nahmen die Angesprochenen auch reichlich Gebrauch. Das Feld von rund hundert Menschen setzte sich aus den Offiziellen und Kommunalpolitikern zusammen, aus Anwohnern der beiden betroffenen Straßen, aus Mitgliedern des Plenums und so genannten Zufallsbürgern.


Schwierige Engstelle

Zweieinhalb Kilometer betrug die Strecke in etwa, die da beschritten wurde. Los ging's vom Startplatz an der Polizeiwache hinüber zur Flughafenstraße, wo bereits der erste kritische Punkt wartete: eine Engstelle. Diese könnte von der Straßenbahn nicht zweigleisig befahren werden, sondern nur noch auf einer Spur, was eine Ampelregelung erfordern würde. Dann ging's den Berg hinauf und hinüber zur Rathgeberstraße und weiter bergab zur Abschlussbesprechung im Feuerwehrhaus.
Zwischendurch wurden Stopps eingelegt, wo das für ein derart starkes Teilnehmerfeld möglich war. Dass man die Rathgeberstraße ohne Stopp hinab schritt, deutete Stub-Gegner Wolfgang Feucht auf seine Weise: Dort hätte es nämlich verstärkt Widerstand gegeben, sagte er. Ewen klärte auf: Das geschah aus Gründen der Sicherheit, dort war schlicht kein Platz für eine große Gruppe.
Protest gab's in dieser Straße tatsächlich, aber eher schweigender Natur. Dorlies und Martin Harrer hatten sich vor ihrem "Stoppt die Stub"-Schild postiert und gaben den Passanten ihren Protest mit auf den Weg: 8000 Fahrzeuge täglich und dazu noch eine Bahn, das sei zu viel.


Aurachtalbahn angesprochen

Die Rathgeberstraße hatte sich erst in jüngster Zeit als eine der beiden möglichen Trassen herausgestellt. Weil sie das Schaeffler-Osttor besser anbinden könne und auch vom Gefälle und der Wegführung geeignet sei. Das erläuterte Bürgermeister German Hacker (SPD). Die Flughafenstraße stammt aus den Überlegungen der Anfangszeit. Aber: "Es gibt noch keinen klaren Favoriten", hielt Zweckverbands-Geschäftsleiter Daniel Große-Verspohl eingangs fest. Es wären auch noch Begehungen weiterer Trassenvorschläge möglich, sollte sich etwas neues finden.
Freilich tauchte da auch die Forderung nach einer Belebung der Aurachtalbahn auf, was von Bürgermeister Hacker mit dem Hinweis auf die ablehnenden Erkenntnisse der Experten beantwortet wurde. Außerdem habe man ab Bruck in die Erlanger Innenstadt kein Ergebnis, ergänzte Große-Verspohl. "Das Problem ist immer Bruck." Nichtsdestotrotz werde auch diese Alternative "vertieft betrachtet."
Sorgen äußerten vor allem Anlieger der Flughafenstraße. Es sei eine enge Straße, da werde es Erschütterungen geben, worunter die Gebäude leiden könnten, so eine Aussage. Ein anderer Kritiker verwies auf den starken Verkehr in dieser Straße. Für ihn wäre es kaum vorstellbar, dass da auch noch eine Straßenbahn Platz hat. Die parkenden Fahrzeuge am Straßenrand müssten freilich weg, erläuterte technischer Leiter Gräf.


Warum nicht beide Straßen?

Gebe es denn überhaupt Bedarf für ein solches Projekt, das so viel Platz brauche, lautete eine weitere Frage. Beantwortet wurde sie mit dem Hinweis auf die Prognosen bis zum Jahr 2030, die eine Bahn rechtfertigen und inzwischen sogar schon längst überholt seien, was die Zahl der Benutzer angeht. Weitere Fragen galten dem Zeitplan (Laut Gräf wird abschnittsweise gebaut, die 25 Kilometer könne man natürlich nicht in einem Jahr schaffen) und den Preisen (Gräf: "Über die VGN-Tarife will ich heute nicht diskutieren. Die sind ein Politikum für sich") sowie auch den Fahrzeiten. In 20 Minuten ab Erlangen wäre da machbar, hieß es.
Einen "progressiven Vorschlag" äußerte Hermann Kopp. Warum macht man nicht die "nicht geliebte Schleife", also eine Streckenführung sowohl über die Flughafenstraße als auch über die Rathgeberstraße und nicht entweder oder, wollte er wissen. Das würde dann jeweils eine Einbahnstraße, auch für Autos, in eine Richtung bedeuten. Wartezeiten am künftigen Bahnhof könnte man somit vermeiden. Der technische Leiter Gräf sagte zu, auch diesen Vorschlag in die Überprüfung mit aufzunehmen, trotz "einer gewissen Skepsis" seinerseits.
Wie aber nahmen die "Zufallsbürger" die Begehung auf? Markus Rammig aus Herzogenaurach findet die Einbeziehung der Bürger grundsätzlich sehr positiv. Die Flughafenstraße fände er die schönere Trasse, jedoch unter dem Sicherheitsaspekt, unter anderem wegen der Engstellen, unattraktiver. "Die Rathgeberstraße sieht luftiger aus und scheint machbar", meinte Anke Stöckel aus Erlangen. Ihr fiel auch auf, dass es bei der Begehung viel Gegenwind aus der Bürgerschaft gegeben habe. "Manche waren einfach nur dagegen."
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