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Herzogenaurach
Fußball-Legenden

Zwei Franken fahren die Fußballhelden von 1998 durch Paris

Die Busfahrer Helmut Seyrer aus Herzogenaurach und Alex Redwig aus Gößweinstein waren dabei, als Frankreich 20 Jahre Titelgewinn feierte.
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Helmut Seyrer (links) mit Fabien Barthez, dem französischen WM-Torhüter von 1998  Fotos: Alex Redwid
Helmut Seyrer (links) mit Fabien Barthez, dem französischen WM-Torhüter von 1998 Fotos: Alex Redwid
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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen, lautet eine Binsenweisheit. Auf Helmut Seyrer trifft das zu, gehörten Reisen doch stets zu seinem beruflichen Leben. Als Cheffahrer von Adidas hat er seit 1980 viele Stars chauffiert, auch auf längeren Fahrten, versteht sich. Keine Frage, dass das Unternehmen den 62-Jährigen, der inzwischen im Ruhestand ist, aber noch gerne als Springer für die Drei Streifen agiert, auch kürzlich wieder mobilisierte.
Da ging es nach Frankreich, berichtet Seyrer im FT-Gespräch. Es galt, ein paar Tage lang französische Fußballhelden zu fahren. Denn ganz Paris, wie es schien, feierte seine Weltmeister von 1998. 20 Jahre nach dem Titelgewinn versammelten sich die Stars von einst noch einmal, um gemeinsam Fußball zu spielen. Im altehrwürdigen Prinzenpark ging es vor 50 000 Zuschauern gegen ein Allstar-Tam der Fifa. Frankreich gewann mit 2:1, Torschützen waren Zinedine Zidane und Thierry Henry.
Der Welkenbacher Helmut Seyrer startete gemeinsam mit seinem Fahrerkollegen Alex Redwig aus Gößweinstein nach Paris. Bei Adidas in Herzogenaurach holten die Beiden den firmeneigenen Bus. Im Hotel Crillon mitten in Paris, am Place de la Concorde, nahmen sie die Franzosen auf und begleiteten sie zwei Tage durch den Dschungel der Großstadt.
"Das sind ganz nette Kerle", war Seyrers erster Eindruck. Und er weiß wovon er spricht, hat er in den Jahrzehnten seines Lebens als Adidas-Fahrer doch schon manche Ikone erlebt. Die Weltmeister von 1998 gaben sich völlig normal, keinesfalls abgehoben. "Jeder war freundlich zu uns. Sie haben uns sofort die Hand gegeben."
Besonders freute sich Seyrer, dass er Bixente Lizarazu wieder getroffen hat. Für den inzwischen 49-jährigen Franzosen, der viele Jahre in Diensten des FC Bayern München stand, hatte er auch eine persönliche Frage. Ob er denn den "Gaggi" Eyrich noch kenne, wollte der Herzogenauracher wissen. Denn der Nürnberger betreute lange Zeit für Adidas den FC Bayern. Klar wusste das der 1,69 Meter kleine Baske noch. Seine Grüße hat Seyrer bereits ausgerichtet.
Interessante Fußballer haben die beiden fränkischen Busfahrer getroffen. Zidane natürlich, der damals der Garant für den WM-Sieg war, und Henry, der bei der aktuellen WM 2018 als Co-Trainer für Belgien dabei ist. Aber auch den schillernden Torwart Fabien Barthez, der heute Rennfahrer ist. Oder Emmanuel Petit, der damals den Treffer zum 3:0-Endergebnis schoss.
Aber auch in der Fifa-Auswahl fanden sich ein paar Größen. Der Niederländer Edgar Davids, der dem Fernsehpublikum als der Mann mit den auffälligen Brillen bekannt ist. Oder der Serbe Dragan Stojkovich, der bei der WM 1998 für Jugoslawien spielte und ein Tor gegen Deutschland erzielte. Aber auch der schnellste Sprinter der Welt, Usain Bolt, kickte mit.


Quer über den Platz

Gerne erinnert sich der Herzogenauracher an dieses Spiel, das die beiden Fahrer erst abgeschrieben hatten. Denn nachdem sie die Mannschaft in die Katakomben des Stadions eingefahren hatten, wollten sie sich schon darauf einrichten, die mehrstündige Wartezeit im Bus zu verbringen. "Da aber kam ein Sicherheitsmann", berichtet Seyrer, "und der führte uns im voll besetzten Stadion direkt über den Platz". Und dort bekamen die Chauffeure einen Ehrenplatz - direkt hinter der Bank der Franzosen.
Helmut Seyrer war von 1980 bis 2008 Fahrer bei Adidas. Er wurde für die Familie Dassler eingestellt und chauffierte nach dem Tod von Firmengründer Adi (1978) vor allem seine Frau Käthe und Sohn Horst, aber auch dessen Geschwister, wie Brigitte Baenkler.
Eine lange Reihe an Stars des Sports saß in "seinem" Wagen. Das reichte von Kaiser Franz Beckenbauer bis zu Englands Superstar David Beckham, von Torwartlegende und Spaßvogel Sepp Maier bis zum Boxweltmeister Henri Maske. Aber noch andere, die kräftig austeilen konnten, durfte er chauffieren: Joe Frazier, die Boxlegende, oder Franz-Josef Strauß, den Politiker.


Schnupfer und Spaßvogel

Eine Anekdote fällt Seyrer sofort ein. Als er Sepp Maier nach Linz fuhr, 20 Jahre nach der "Schmach von Cordoba", bot ihm dieser Schnupftabak an. Seyrer, der die gleiche Marke verwendete, nahm gern an. "Der Sepp hat mir eine Prise auf den Handrücken getan", berichtet der Herzogenauracher. Und das während der Fahrt. In der heutigen Zeit undenkbar.
Für Helmut Seyrer war diese Zeit nicht nur ein Job, er lebte das, wie er sagt. "Mein Herz ist ein Dreiblatt."
Jetzt ist wieder Fußball-Weltmeisterschaft. Frankreich hat sich als Gruppenerster fürs Achtelfinale qualifiziert. "Weltmeister könnten sie aber nur werden", sagt Leyrer lachend, "wenn sie uns als Fahrer hätten." Dazu aber müsste France den Ausrüster wechseln. Denn nach Adidas (1972 bis 2010) ist das derzeit Nike.