Herzogenaurach
Interview

Zum Nordkap und zurück

Michael Stadelmann und Konrad Großkopf, zwei ehemalige Lehrer am Gymnasium in Herzogenauach, hatten sich für ihre Fahrradtour ein fernes Ziel gesetzt.
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Michael Stadelmann und Konrad Großkopf sind nach Wochen auf zwei Rädern am Nordkap angekommen. Foto: privat
Michael Stadelmann und Konrad Großkopf sind nach Wochen auf zwei Rädern am Nordkap angekommen. Foto: privat
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Sechs Wochen lang waren die pensionierten Pädagogen Konrad Großkopf und Michael Stadelmann von Mai bis Juli mit dem Fahrrad unterwegs, um ihren Traum, eine Radtour bis zum Nordkap, zu verwirklichen - und es wurde ein erlebnisreiches Abenteuer.

Stadelmann, heute 72 Jahre alt, war seit 1977 Lehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium Höchstadt, bis er im Jahr 1999 als Schulleiter an das Gymnasium Herzogenaurach wechselte. Er wohnt in Falkendorf (Aurachtal). Konrad Großkopf, der jetzt 65 Jahre alt ist, wohnt in Hemhofen/Zeckern und war weit über 30 Jahre am Gymnasium Herzogenaurach als Lehrer für Sport und Sozialkunde tätig. Sie verbindet die Liebe zum Radfahren.

Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser doch nicht alltäglichen und sicher recht anspruchsvollen Tour - waren Sie schon öfter mit dem Rad unterwegs?
Konrad Großkopf: Unsere erste gemeinsame Tour ging vor acht Jahren nach St. Petersburg. Bei dieser Gelegenheit träumte ich von einer weiteren Tour in den Südosten Europas, Michael jedoch eher von einer Tour in den Norden. Wir einigten uns dann auf die Exkursion mit der vermutlich größeren Herausforderung, eben zum Nordkap.

Wie haben Sie sich körperlich vorbereitet?
Michael Stadelmann: Es gab eigentlich keine extra Trainingseinheiten zur Vorbereitung. Jeder von uns unternahm jedoch viele Alltagsfahrten mit dem Fahrrad. Viel wichtiger als eine körperliche war für mich die planerische Vorbereitung. Seit Januar war ich dabei, in Absprache mit Konny die Rahmendaten für die Reise und dann vor allem die genaue Route sowie die Modalitäten der Anfahrt nach Oslo und der Rückfahrt vom Nordkap auszuwählen und festzulegen.

Welche Route haben Sie dann tatsächlich gewählt?
Grokopf: Mit der Radtour begonnen haben wir in Oslo. Von dort folgten wir der Glomma flussaufwärts und wählten dann eine landschaftlich sehr reizvolle Verbindung nach Trondheim. Dort stießen wir auf die nationale norwegische Fahrradroute 1 (Kystrata), die Teil der europäischen Atlantik Route Eurovelo 1 ist. Der Eurovelo 1 führt von Portugal bis zum Nordkap immer an der Atlantikküste entlang, ist aber nicht ausgeschildert.
Stadelmann: Wir fuhren die westlichsten kleineren Straßen, die Inselwelt der Lofoten und Vesteralen eingeschlossen. All diese Straßen waren schon deshalb nicht so verkehrsreich, weil die Fahrt dort durch unzählige Fährverbindungen über Fjorde für Pkw oder Wohnmobile sehr teuer wird. Wir zählten als Fußgänger oder konnten einige Fähren sogar kostenlos nutzen. Die gesamte Strecke, die sich dann auf 2700 Kilometer (ohne die Fährstrecken) summiert hat.
Hatten Sie die Strecke bereits vorher in Tagesetappen aufgeteilt?
Großkopf: Nein. Wir wussten sehr wohl, dass das tägliche Vorankommen durch die vielen Steigungen und durch die geringere Wetterstabilität an der Nordatlantikküste schwer vorauszuplanen war. Unserem Alter angemessen rechneten wir mit einem Tagesdurchschnitt von etwa 75 Kilometern und planten deshalb 37 Radtage für die gesamte Tour ein.
Stadelmann: Diese Vorsichtsmaßnahme kam uns sehr zustatten: Aufgrund hervorragenden Wetters und guter Machbarkeit der Steigungen haben wir für die gesamte Tour nur 30 Tage benötigt. Insgesamt saßen wir 185 Stunden im Sattel. Die Tagesetappen lagen zwischen 12 und 160 Kilomtern (durchschnittlich 89 Kilometer pro Tag bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,5 Kilometern die Stunde). Die Höhenmeter, die wir insgesamt sowohl aufwärts als auch abwärts gefahren sind, summierten sich übrigens auf fast 20 Kilometer, nämlich auf 19 500 Meter.

Dann waren Sie ja viel zu früh am Nordkap?
Stadelmann: Nein! Die eingesparten sieben Tage haben es uns ermöglicht, während der Tour an besonders attraktiven Orten Pausen einzulegen. So haben wir in Andenes an der Nordspitze der Vesteralen sowohl eine eindrucksvolle Walsafari als auch eine Papageientaucher- und Seeadlersafari unternommen und einen Tag für eine Bergwanderung genutzt.
Großkopf: Zwei Tage waren wir in Tromsoe und haben dort unter anderem sehr interessante Polarmuseen besucht und in der Eismeerkathedrale ein sehr beeindruckendes Mitternachtskonzert erlebt. Auch am Nordkap konnten wir einen Tag länger bleiben, als ursprünglich geplant.

Was waren die Highlights der Tour? Gab es auch mal Durchhänger?
Stadelmann: Die wunderbaren Landschaftsbilder, das ganz besondere Licht und die strahlenden Farben haben uns immer wieder aufs Neue überwältigt. Schließlich hatten wir dreieinhalb Wochen keinen Sonnenuntergang und gerade nachts war die Beleuchtung durch die tief stehende Sonne sehr geheimnisvoll. Aber auch kühne, hohe Brückenkonstruktionen, auf denen man dem starken, böigen Wind trotzen und Spur halten musste, sowie lange, dröhnende Tunnelfahrten waren beeindruckend.
Großkopf: Durchhänger gab es zu keinem Zeitpunkt. Zu sehr waren wir auf unser Ziel fixiert, als dass große Steigungen und kaltes Radwetter uns mental hätten herausfordern können.

Hat das Wetter immer mitgespielt?
Großkopf: Von den 30 Radtagen war eigentlich nur einer ein richtiger Regentag. Ansonsten gab es zuweilen kurze Schauer oder Sonne und Regen wechselten manchmal miteinander ab. "That's Norway!", war der Kommentar eines Einheimischen. Insgesamt überwog aber eindeutig sonniges und trockenes Wetter. Wir hatten das große Glück, dass wir im selben Tempo wie das Schönwettergebiet nach Norden geradelt sind.

Wie fühlten Sie sich am Ziel?
Großkopf: In diesem Augenblick war es für mich kein triumphales Gefühl, eine Beobachtung, die ich schon bei meinen früheren Fahrten machte. Ich spürte eher ein Gefühl der Zufriedenheit und des leisen Stolzes, es wieder mal geschafft zu haben.
Stadelmann: Je näher wir dem Ziel kamen, desto mehr wuchs in mir das Gefühl großer Dankbarkeit dafür, dass die Welt so unermesslich schön ist und dass ich dies bei unserer Tour so beeindruckend erleben darf. Ich war während der ganzen Reise ziemlich aufgekratzt und habe auch gerne die Nacht für kleinere Bergtouren genutzt. Besonders interessant war die Wanderung früh um 3 Uhr auf den Torghatten, der durch sein riesiges, 160 Meter langes, 20 Meter breites und 35 Meter hohes Loch zu den berühmtesten Bergen Norwegens zählt. Den letzten Tag und die Nacht vor unserer Rückreise mit dem Hurtigruten-Schiff verbrachte ich bei herrlichem Wetter mit einer ausgedehnten Wanderung an den nördlichsten Punkt Europas (1,4 Kilometer nördlicher als das Nordkap) und anschließend, weit nach Mitternacht, am Nordkap selbst. Zum Schlafen war für mich die Zeit viel zu schade!

Planen Sie wieder was Neues?
Beide: Schau'n wir mal, was Alter und Gesundheit zulassen.

Die Fragen stellte unsere
Mitarbeiterin Johanna Blum.


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