Oberlindach
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Zum Endspiel gibt's in Oberlindach Cevapcici

Die in Oberlindach lebende Schwester Teresa Zukic drückt im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft ihrem Heimatland Kroatien die Daumen.
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Zum Endspiel wird die kroatische Flagge in Oberlindach gehisst. Foto: Richard Sänger
Zum Endspiel wird die kroatische Flagge in Oberlindach gehisst. Foto: Richard Sänger
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Es gar nicht so einfach, bei Teresa Zukic einen Termin zu bekommen. Denn die vielseitige Gemeindereferentin und Ordensschwester, Referentin, Buchautorin, Komponistin und Malerin sowie Hobbyköchin ist meist "Im Namen des Herrn" in der gesamten Republik unterwegs und hält bis zu 150 Vorträge im Jahr. "Jetzt in der Ferien- und Urlaubszeit in den Bundesländern ist es etwas ruhiger und kann mich meinen beiden nächsten Büchern widmen", erklärt sie schon am Telefon. Zwischendurch hat sie aber Zeit für ein Gespräch über Fußball und die Weltmeisterschaft, schließlich hat Schwester Teresa ein Faible für diesen Sport.

Zu Beginn der Weltmeisterschaft schlugen noch zwei Herzen in der Brust von Schwester Teresa, und fürs Finalspiel ließ sie sich sogar ein deutsches Trikot mit der Nummer 2 anfertigen. Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft schlägt ihr Herz natürlich für Kroatien.
"Bei uns in der kleinen Kommunität der Geschwister Jesu war Party, als Kroatien den Einzug ins Finale schaffte", erzählte Teresa Zukic beim Pressegespräch noch ganz aufgeregt. Schließlich wurde sie in Slavonski Brod in Kroatien geboren und Fußball wurde ihr gewissermaßen schon in die Wiege gelegt. Ihr Vater Rasim war Fußballer, bekam einen Vertrag in Deutschland und spielte in Pforzheim, weshalb er mit Frau, Sohn und Tochter nach Weinheim in Baden-Württemberg zog.
Teresa war damals sieben Jahre alt und interessierte sich für den Leistungssport. Als Kunstturnerin wurde sie Landesmeisterin am Schwebebalken, wechselte nach einiger Zeit in den Mehrkampf und gewann gleich ihren zweiten Wettbewerb. 1,72 Meter hoch und 5,30 Meter weit sprang sie, gehörte zum badischen Kader und wurde badische Meisterin im Mehrkampf. Fürs Abitur ging sie auf das Sportinternat in Bad Sooden-Allendorf, wurde 1996 deutsche Staatsbürgerin und hatte eine sportliche Karriere im Visier.


Die Nonne auf dem Skateboard

Doch dann kam ihr Jesus dazwischen. Im Sportinternat, kurz vor ihrem Abitur, entdeckte sie in einer Nacht die Bibel, ließ sich taufen und trat ins Kloster ein. Sie wurde Ordensschwester bei den Vinzentinerinnen, arbeitete in einem Kinderdorf, in Altenheimen, einem Behindertenheim und einer Sonderschule. Aus dieser Zeit stammen auch die bundesweit bekannten Bilder einer Nonne mit dem Skateboard, denn sie war mit den zu betreuenden Kindern auch sportlich aktiv, spielte mit ihnen Fußball und machte jeden Blödsinn mit.

Doch zurück zur WM und ihrem Interesse am Fußball. "Natürlich habe ich die WM verfolgt und auf Deutschland gesetzt", sagt sie und holt das deutsche Trikot. "Das war jetzt umsonst, aber es kommt ja wieder eine WM", meint sie schmunzelnd. Dass Deutschland schon in der Vorrunde ausschied, hat sie tief enttäuscht, aber die Deutschen seien verdient ausgeschieden.

Jetzt schlägt ihr Herz für Kroatien, denn im Innersten fühle sie sich ihrem Geburtsland immer noch verbunden. Nahezu ihre gesamte Verwandtschaft lebt in Kroatien, das auch jedes Jahr ihr Urlaubsziel sei. Dort wollte sie als Jugendliche bei einem Aufenthalt in der alten Heimat mal beim Fußballverein mittrainieren, aber "die haben mich nur verächtlich gemustert". Ein Mädchen und Fußball, das gehe überhaupt nicht, denn Damenmannschaften gab es damals noch nicht. Nach einigem Hin und Her machte ihr der Spielführer einen Vorschlag und legte den Ball auf den Elfmeterpunkt: "Wenn du das Tor triffst, darfst mit uns trainieren." "Ich habe dann die ganze Kraft in den Fuß gelegt, und plötzlich lag der Torwart samt Ball im Tor", erzählte sie lachend, sie wurde akzeptiert und durfte mit den Jungs trainieren.

"Ich darf das als Fränkin eigentlich nicht so laut sagen, ich bin nämlich Fan des FC Bayern", verriet sie schmunzelnd und wusste dazu gleich eine Begebenheit. Da Freunde und Bekannte von ihrer Liebe zum Fußball wussten, bekam sie eine Einladung ins Nürnberger Stadion und zu Gast waren die Bayern. "Die Nürnberger haben verloren und ich war inmitten der fahnenschwenkenden Clubfans, aber ich mich nicht getraut, meine Freude über den Bayernsieg zu zeigen und freute mich halt mehr innerlich."


Erfolg für ein kleines Land

"Wir haben England rausgekegelt und in Oberlindach wurde deshalb kräftig gefeiert. Ich hatte extra Cevapcici gemacht, die wird es beim Endspiel auch wieder geben", kündigte sie an. Natürlich wünscht sie am Sonntag den Kroaten alles Gute, schon die Teilnahme am Endspiel sei für das kleine Land ein Erfolg und werde es auch ein Stück weit verändern. Außerdem wünscht sie beiden Mannschaften viel Erfolg, den Fans ein tolles Spiel und dass die Spieler und Schiedsrichter das Turnier gesund überstehen. "Ich wünsche mir aber auch Respekt und Toleranz, Fairness und vor allem eine friedvolle Begegnung. Die Besseren mögen gewinnen. Ich bete, dass nichts passiert und wir bei aller Begeisterung nicht übersehen, wie vieles in Russland und der ganzen Welt im Argen liegt", erklärte Schwester Teresa abschließend.


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