Höchstadt a. d. Aisch
Gericht

Zocker will Geld zurückholen

Weil er an einem Spielautomaten eine Menge Geld verloren hatte, ist ein Mann in ein Höchstadter Bistro eingestiegen. Gestern stand er vor Gericht.
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Sein verspieltes Geld wollte sich ein Mann zurückholen - und brach dazu in ein Höchstadter Bistro ein. Foto: Angelika Warmuth/dpa
Sein verspieltes Geld wollte sich ein Mann zurückholen - und brach dazu in ein Höchstadter Bistro ein. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Auf frischer Tat ertappt wurde im Mai ein Einbrecher in einem Bistro in Höchstadt (wir berichteten). Gestern fand nun die Verhandlung vor dem Erlanger Amtsgericht statt.

In der Nacht zum 8. Mai klingelte die Polizei den Bistrobetreiber aus dem Bett: Ein aufmerksamer Nachbar oder Passant hatte verdächtige Geräusche in der Gaststätte in der Bamberger Straße gehört und die Ordnungshüter verständigt. Diese konnten nach kurzer Verfolgung beziehungsweise anschließender Fahndung drei mutmaßliche Einbrecher festnehmen. Zwei der Verfahren mussten allerdings eingestellt werden, weil den Personen - der Freundin des gestern Angeklagten und noch ein Bekannter - nichts nachgewiesen werden konnte. Angeblich hätten sie im Auto geschlafen, während der Dritte im Bunde seine Tat verübte.

1500 Euro verzockt

Zumindest indirekt scheint die Freundin aber an der Tat beteiligt zu sein. Der rumänische Staatsbürger gab vor Gericht nämlich an, spielsüchtig zu sein und am Vorabend seiner Tat in ebendiesem Bistro 1500 Euro beim Automatenspiel verloren zu haben. Daraufhin habe es mächtig Streit mit seiner Lebensgefährtin gegeben. Die für ihn logische Reaktion: In der nächsten Nacht ging er zurück, brach durch ein Fenster ein und knackte mehrere Automaten, um sein Geld zurückzubekommen.

Als die Polizei ihn erwischte, hatte er etwa 300 Euro einstecken. Zumindest dieses Geld konnte dem Betreiber zurückgegeben werden. Auf den Kosten für die Sachbeschädigung wird er wohl sitzen bleiben oder es über eine Versicherung regeln müssen. Der Beschuldigte versicherte zwar, den Schaden - laut Anklageschrift rund 5000 Euro - wieder gut machen zu wollen. Als Verursacher wäre er dazu auch verpflichtet. "Aber greifen Sie mal einem nackten Mann in die Tasche, dessen Adresse Sie nicht kennen", meinte Richter Wolfgang Gallasch im Nachgang. Zum Zeitpunkt des Einbruchs waren die drei Rumänen nämlich auf dem Weg nach Irland gewesen, weil sie dort Arbeit in Aussicht gehabt hätten.

Ein Jahr ohne Bewährung

So schnell wird das also nichts mit dem Abbezahlen. Zumal Richter Gallasch den Mann zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt hat. In Deutschland hatte er bislang eine weiße Weste. Ein internationales Register listet jedoch 13 Eintragungen auf - vorwiegend Diebstahlsdelikte in Italien.

Die Verteidigerin wollte die ausländischen Eintragungen nicht als strafverschärfend anerkennen und hatte ein Jahr mit Bewährung gefordert, zumal ihr Mandant seit dem 8. Mai in Untersuchungshaft sitzt. Der Staatsanwalt wollte ein Jahr und drei Monate ohne Bewährung. "Ich bin beiden entgegen gekommen", so Gallasch.

Der Bistrobetreiber musste aufgrund des Geständnisses nicht vor Gericht gehört werden. Er ist heute vor allem noch demjenigen dankbar, der den Einbruch bemerkt und gemeldet hat. Gerne hätte er sich auch erkenntlich gezeigt, wie er dem FT verriet. "Ich konnte aus Datenschutzgründen aber keinen Namen erfahren", bedauert er. Auch die schnelle und umfassende Polizeiarbeit lobt er: "Wenn der Einbrecher mehr Zeit gehabt hätte, hätte er noch mehr kaputt gemacht." Die Reparatur beziehungsweise der Austausch solcher Spielautomaten sei schließlich kein Pappenstiel.

Das Urteil indes ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigerin behält sich vor, noch in Berufung zu gehen.

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