Adelsdorf
Bebauung

Wo kauft das Adelsdorfer Neubaugebiet "Seeside" ein?

Der Discounter Norma möchte am Neubaugebiet Reuthsee eine Filiale eröffnen. Doch der Gemeinderat hat seine Bedenken.
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Hier möchte sich der Discounter Norma ansiedeln. Foto: Christian Bauriedel
Hier möchte sich der Discounter Norma ansiedeln. Foto: Christian Bauriedel
Nachdem ein Reihenhaus nach dem nächsten im Neubaugebiet Reuthsee ("Seeside") aus dem Boden sprießt wird immer deutlicher: Rund 2000 Bürger, die künftig im Neubaugebiet wohnen, müssen auch versorgt werden.

Der Discounter Norma hat eine Versorgungslücke erkannt und möchte nun den Anfang machen. Der Discounter interessiert sich für ein Grundstück an der Abzweigung von der Staatsstraße nach Wiesendorf. Nach ersten Planungen sollen auf der Fläche aber nicht nur ein Norma-Markt, ein Backshop und Getränkemarkt sondern auch vier Mehrfamilienhäuser mit jeweils sieben Wohnungen entstehen.

Elke Schuster, Geschäftsführerin des Planungsbüros Plan Pro Bau (PPB) hat dem Gemeinderat am Mittwoch ein Konzept vorgelegt, was auf der Fläche entstehen könnte. Der private Eigentümer wolle das Grundstück verkaufen.

"Grundsätzlich haben wir nichts gegen einen Markt an dieser Stelle. Der wichtigste Punkt ist jedoch ein Gesamtkonzept", sagt Bürgermeister Karsten Fischkal (FW).
Die Regierung von Mittelfranken könne sich dort einen Einzelhandel vorstellen. Es gebe jedoch Bedingungen: Wenn an der Nahversorgung gefeilt wird, spielt vor allem die Verkehrsanbindung eine wichtige Rolle. Der Discounter muss fußläufig oder mit dem Rad erreichbar sein. Außerdem muss das Baugebiet Oesdorfer Weg angebunden sein.

Wie genau das geschehen könnte, ist noch Teil der Planungen. Möglich wäre laut Fischkal beispielsweise ein Tunnel unter der Staatsstraße oder eine Brücke. Es wäre ein größerer Aufwand: "Ein Tunnel oder eine Brücke sind die Sache des Investors. Die Gemeinde wird es definitiv nicht bauen", betont Fischkal auf Nachfrage.


Zusätzlicher Discounter nötig

Das Einzelhandelskonzept vertrage durchaus einen zusätzlichen Discounter, findet Günter Münch, FW-Fraktionsvorsitzender. Man wünsche sich jedoch ein Gesamtkonzept. Außerdem sollte man auf einen der Adelsdorfer Händler zugehen, der hier bereits Gewerbesteuer zahlt. "Man sollte einen bestehenden Discounter ins Boot holen", findet Münch.

Johannes Funke (Pro Adelsdorf) fordert ebenfalls ein Gesamtkonzept. Zudem sei der Standort zu weit außerhalb.
Andere Töne kommen von SPD-Gemeinderat Jörg Bubel. Ein Einkaufsmarkt sei an dieser Stelle nur positiv, vor allem für die Seeside-Bewohner. "Das Einzelhandelskonzept in Adelsdorf hat Defizite", betont Bubel.

Konkurrenz für die bestehenden Geschäfte befürchte er nicht. Er könnte sich sogar vorstellen, noch näher an das Neubaugebiet heranzurücken. Eine Anbindung an das Baugebiet am Oesdorfer Weg sei zwar sinnvoll, auch brauche es einen Fahrradweg. Eine Fußgängerüberquerung gebe es bereits dorfeinwärts. Eine Brücke oder ein Tunnel seien dagegen "illusorische Maßnahmen".

An einer fehlenden Anbindung stört sich auch Michael Auer (Grüne). Die sei für solch eine "riesengroße Baumaßnahme" dringen notwendig. Seine Parteikollegin Sabina König spricht angesichts der überraschenden Anfrage sogar von einem "Überfallkommando". Sie sorge sich um eine erhöhte Gefahr von Überschwemmungen nach Starkregen wegen der vielen versiegelten Flächen. Zu präsent sind noch die Überflutungen an Fronleichnam.


Wohnhäuser ausklammern

Eine Norma könne sie sich an diesem Standort vorstellen, weil der Discounter das Industriegebiet entlasten würde. Die geplanten Wohnhäuser würde sie lieber ausklammern. "Die Wohnhäuser würden mir auch ein wenig wiederstreben", gibt Fischkal zu. Noch gebe es weder für die Mehrfamilienhäuser, noch für einen Getränkemarkt oder Backshop einen Investor.

Die Gemeinderäte stimmten dem Bebauungskonzept in der Sitzung am Mittwoch nicht zu. An der Idee weiterarbeiten wolle man dennoch. Deshalb soll das Konzept überarbeitet und in den Fraktionen besprochen werden. Dem Beschluss enthielt sich SPD-Gemeinderat Jörg Bubel. Der hätte den Plänen lieber gleich unter Auflagen zugestimmt.


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