Herzogenaurach

Wird Solardach künftig Pflicht?

Die Stadtverwaltung bringt eine Idee der Agenda-Energieexperten auf den Tisch. In neuen Baugebieten könnten private Bauherren verpflichtet werden, eine Solaranlage zu errichten. Die Stadträte haben jetzt Gesprächsstoff.
Artikel drucken Artikel einbetten
Viele Dachflächen sind bereits - ganz freiwillig - mit Solaranlagen bebaut. Für neue Baugebiete kann sich die Stadt für die Bauherren nun eine Verpflichtung vorstellen.  Foto: Bernhard Panzer
Viele Dachflächen sind bereits - ganz freiwillig - mit Solaranlagen bebaut. Für neue Baugebiete kann sich die Stadt für die Bauherren nun eine Verpflichtung vorstellen. Foto: Bernhard Panzer

Es ist eine Idee, die die Energie-Experten der Agenda 21 schon vor Jahren geäußert haben. Sie regten eine Solarsatzung an, mit der private Bauherren verpflichtet werden sollten, entsprechende Anlagen auf die Dächer ihrer Häuser zu setzen. Damals war die Zeit offenbar noch nicht reif für solche Gedankengänge, doch jetzt kamen diese erneut auf den Tisch. Der Planungsausschuss des Stadtrates befasste sich am Mittwochabend damit.

Für das größte Baugebiet der Stadt kommt eine solche Solaranlagenpflicht freilich zu spät, die Herzo Base ist bereits großteilig bebaut, der Rest ist vermarktet. Nichtsdestotrotz soll die Idee in neu anstehenden Baugebieten berücksichtigt werden, falls die Stadträte sich dem anschließen mögen.

Die Stadtverwaltung hat sich des Themas angenommen und ließ das nun im Ausschuss vorberaten. Eine Solarsatzung als solche wäre zwar rechtlich nicht machbar, sagte eingangs Bürgermeister German Hacker (SPD). Man wolle den Gedanken dennoch weiter verfolgen, denn "die Zeit ist reif, das zu tun". Zielsetzung ist es jetzt, in Bebauungsplänen eine "verpflichtende Installation von Solaranlagen" aufzunehmen.

Über die Bauordnung möglich

Das wäre über Artikel 81 der Bayerischen Bauordnung gewährleistet, erläuterte die Leiterin des Planungsamts, Anja Wettstein. Dort sind die Nutzung erneuerbarer Energie und Maßnahmen zum Klimaschutz berücksichtigt. Dazu gehören Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen. Die Bestimmungen sollen in Wohngebieten mit Einzel, Doppel- oder Reihenhäusern gelten und Neubauten und wesentliche Umbauten betreffen. Allerdings müsse man immer auch das Abwägungsgebot einhalten, sagte Wettstein.

Gedacht wird an Photovoltaik-Anlagen mit mindestens drei Kilowattpeak (kwp) Leistung oder alternativ eine Solarthermieanlage, die mindestens 15 Prozent des Wärmebedarfs des Gebäudes deckt. Beim Geschosswohnungsbau und auch in gewerblichen Flächen müsste man das allerdings im Einzelfall prüfen.

Bürgermeister Hacker warf das Vorhaben in die Debatte, wohl wissend, dass es hierbei um ein "zweischneidiges Schwert" handelt. Es wäre aber eine gute Möglichkeit, im Sinne der Energiewende, den Anteil erneuerbarer lokal erzeugter Energie zu erhöhen. Und viele Bürger bauen solche Anlagen ja jetzt schon, auch aus Umweltbewusstsein.

SPD-Fraktionsvorsitzender Curd Blank sah das auch so. Die Kosten solcher Anlagen sinken ja weiter, auch wenn die Anschaffung die Baukosten zunächst erhöhe, wie Renate Schroff (SPD) ergänzte. Aber das rechne sich dann auch. Auch sie begrüßte die geplante Vorgehensweise grundsätzlich. "Es ist ein Schritt im Sinne des Klimaschutzes", sagte sie.

CSU ist skeptisch

Kritischer sah die CSU das Anliegen. Kurt Zollhöfer hatte rechtliche Bedenken hinsichtlich einer Verpflichtung und hinterfragte die Notwendigkeit generell: "Wenn die meisten Bürger das schon tun, muss man sie doch nicht zwingen." Auch Jurist Konrad Körner nannte rechtliche Bedenken. Jeder Bebauungsplan sei schließlich eine Abwägung für sich. Ein solcher Beschluss wäre da sehr fraglich. Außerdem gebe es Häuser, die anderweitig energetisch bereits "ein gutes Haus" sind. Müsse man dann trotzdem gezwungen werden? Und: "Warum verengen wir uns auf ein Instrument?"

Dem hielt German Hacker entgegen, dass auch ein Passivhaus noch Strom und warmes Wasser benötige. Er bewohnt seit 15 Jahren ein solches und hat solche Komponenten auf dem Dach.

Franz-Josef Lang (CSU) hielt das Vorhaben für eine sinnvolle Sache. Aber auch er war skeptisch: "Die gefühlte Reglementierung geht mir gegen die Natur". Worauf die Grüne Retta Müller-Schimmel sich am Begriff der Reglementierung störte ("Ich kann das Wort nicht mehr hören") und Bürgermeister Hacker mit einem Augenzwinkern einwarf: "Menschen muss man zwingen". Freilich habe die Reglementierung ihre Grenzen, ergänzte er. Aber hier wäre das angesichts der finanziellen Belastung ja kein Problem.

Ein Empfehlungsbeschluss wurde (noch) nicht getroffen, jetzt beraten erst einmal die Fraktionen intern. Dann geht's wieder in den Ausschuss.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren