Positiv standen die meisten Schüler, Eltern und auch Lehrer der Einführung des G8 von vornherein nicht gegenüber. Doch dass die Folge daraus ist, dass nun einige Kinder, die eigentlich fürs Gymnasium geeignet sind, diese Chance nicht wahrnehmen - damit hatten viele nicht gerechnet. Trotz hervorragender Noten und der bescheinigten Eignung für den Gymnasiumsbesuch, ziehen es viele Eltern vor, ihre Kinder über den zweiten Bildungsweg an die Hochschulreife heranzuführen.
Dass nicht jedes Kind auf Biegen und Brechen, ungeachtet seiner Fähigkeiten, am Gymnasium angemeldet werden muss, das ist die eine Sache. Aber Kinder, die die Eignung zweifellos besitzen, aus Angst vor dem G8 nicht an ein Gymnasium gehen zu lassen, erscheint Bernd Lohneiß ebenso wenig sinnvoll. "Ich habe das Gefühl, dass sich viele Eltern vom Namen ‚G8' abschrecken lassen", erzählt er. Seit August 2011 ist er als Schulleiter des Gymnasiums Höchstadt tätig.
Dass es seit der Umstellung auf das achtjährige Gymnasium Änderungen im Schulalltag gegeben hat, ist nicht zu verleugnen. Verstärkter Nachmittagsunterricht, zu viel Druck, der auf den Schülern laste, keine Freizeit mehr - all das sind Aussagen, mit denen man immer wieder konfrontiert wird. "Es ist schon so, dass sich einiges geändert hat, aber trotzdem bin ich davon überzeugt, dass das Gymnasium der Königsweg zum Abitur ist", sagt Lohneiß.

Intensivierungsstunden


Zudem sei zu beachten, dass der Wechsel zum Gymnasium immer schwerer ist, als der vom Gymnasium. "Außerdem sind die Auswirkungen des G8 in der Unterstufe noch kaum spürbar. Zusätzlich gibt es verschiedenste Maßnahmen, um Übergangsprobleme zu minimieren", betont der Schulleiter.
So gibt es unter anderem "Intensivierungsstunden" in den Kernfächern. Diese können teils nach Bedarf gesetzt werden, sodass Inhalte gefestigt und individuelle Schwächen reduziert werden können. Zudem werden Fünftklässler in den Kernfächern von einer Grundschullehrkraft begleitet. Zusätzlich finden Förderstunden mit dieser Lehrkraft statt, um auf die individuellen Stärken und Schwächen der Schüler eingehen zu können. Auch regelmäßige Treffen mit den Grundschulen finden statt. Hier werden Erfahrungen ausgetauscht, "damit zwischen den beiden Schularten eine gewisse Verzahnung entsteht und wir dann am runden Tisch über eventuelle Probleme reden können", so Bernd Lohneiß.
Auch Tutoren für die fünften Klassen oder das Nachhilfeangebot von Schülern für Schüler sollen den Kindern eine Stütze bieten. Um den Schülern praktische Erfahrungen mitzugeben, bestehen Schulpartnerschaften, unter anderem mit der Martin Bauer Group oder Siemens.
"Das achtjährige Gymnasium soll die Schüler noch gezielter als bisher das neunjährige auf die Anforderungen von Hochschulen und Wirtschaft vorbereiten", sagt dazu Kultusminister Ludwig Spaenle. Bei den ersten Abiturprüfungen zum achtjährigen Gymnasium haben mehr Schüler als am neunjährigen Gymnasium ein sehr gutes Ergebnis erzielt. "Allen Unkenrufen zum Trotz", freut sich Spaenle. "Es war unser Ziel, dass die Schüler des neun- wie auch des achtjährigen Gymnasiums vergleichbare Leistungen erbringen konnten und dies ist gelungen", sagt der Minister.

Ganzheitliches Angebot


Der Höchstadter Schulleiter Lohneiß verweist darauf, dass es kein wahllos zusammengewürfeltes Angebot für G8-Schüler sein soll. Er legt viel Wert auf Ganzheitlichkeit: "Eine gute Schule zeichnet sich durch eine alle Bereiche umfassende Schulkultur aus". Und dazu gehört ihm zufolge nicht nur das Wissen, das in den Kernfächern vermittelt wird. Auch Kunst, Musik, Theater und Sport liegen dem Schulleiter am Herzen, denn "das sind die Dinge, die die Persönlichkeit formen".
Doch auch die Eltern müssen mitarbeiten. "Es ist wichtig, dass die Kinder zu Hause zur Selbstständigkeit erzogen werden und, dass keine übergroßen Erwartungen an die Kinder gestellt werden", sagt Bernd Lohneiß. Schließlich sei das Potenzial eines Kindes im Übertrittsalter erst im Ansatz zu erkennen. Die nötige Reife fürs Gymnasium werde daher nicht vorausgesetzt. Sie zu erlangen sieht der Schulleiter als einen Prozess. Deshalb sei es wichtig, die Kinder da abzuholen, wo sie stehen. Denn nur so sei es möglich, sein persönliches Ziel zu realisieren: "Ich möchte erreichen, dass die Kinder früh aufwachen und sich auf die Schule freuen", sagt er.