Laden...
Kienfeld
Streitobjekte

Windrad-Pläne in Kienfeld sorgen für Wirbel

Auf dem Höhenrücken südlich des Vestenbergsgreuther Ortsteils Kienfeld will ein Investor zwei Windräder bauen. Der geänderte Regionalplan würde dies erlauben, aber die Bürger laufen dagegen Sturm.
Artikel drucken Artikel einbetten
So wie in dieser Fotomontage würde sich das idyllisch gelegene Kienfeld mit Windrädern präsentieren. Montage: Gegenwind Kienfeld/Carolin Höfler (FT)
So wie in dieser Fotomontage würde sich das idyllisch gelegene Kienfeld mit Windrädern präsentieren. Montage: Gegenwind Kienfeld/Carolin Höfler (FT)
+1 Bild
Es ist das "Vorbehaltsgebiet Windkraft WK 51" das derzeit in Vestenbergsgreuth und speziell im Ortsteil Kienfeld die Wogen hoch gehen lässt. Mitten in dem Waldstück südlich von Kienfeld will eine Firma zwei Windräder aufstellen.

Beim Landratsamt in Höchstadt wartet eine entsprechende Bauvoranfrage auf die Bearbeitung. Wer sich hinter dem Antrag verbirgt, darüber wird gemunkelt. Bekannt ist nur, dass es sich um eine Firma handeln soll, die nicht aus dem Gemeindegebiet von Vestenbergsgreuth kommt.

"Landschaft nicht verschandeln"

Die Pläne stoßen unter den Bürgern auf heftigen Protest. Es hat sich bereits eine Initiative "Gegenwind Kienfeld" gegründet, die den Bau der Windräder verhindern will. "Unsere Landschaft soll so bleiben, wie sie ist. Sie darf nicht durch Windkraftanlagen verschandelt werden", sagt Bernd Schierer, Sprecher der Bürgerinitiative.


Er betont aber auch, dass für die Initiative die Gesundheit der Menschen im Vordergrund steht. Schierer und seine Mitstreiter fürchten Lärmbelästigung, Schattenwurf, Belästigung durch Warnlichter, Eiswurf und Brände. Eine sehr hohe Gefahr sehen die Gegner für die psychische und physische Gesundheit der Anwohner in den Schallwellen, die von Windkraftanlagen ausgehen. Nach Meinung der besorgten Bürger in Kienfeld sollten Windräder mindestens 2000, besser 3000 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt aufgestellt werden. Bei den Entfernungen fordert Schierer Gleichbehandlung zwischen Ansiedlungen auf dem Land und den Städten.

Statt Windräder zu finanzieren sollte das Geld lieber in den Ausbau von Speichermöglichkeiten für Strom aus erneuerbaren Energien fließen. In Kienfeld habe man schon keinen Bäcker und keinen Metzger mehr. "Die ruhige und unberührte Natur ist das letzte, das wir noch haben", sagt Schierer. Damit könne man Menschen noch bewegen, sich in Kienfeld niederzulassen.

Schlechter Stil

Vestenbergsgreuths Bürgermeister Helmut Lottes (UB) stellt sich auf die Seite seiner Bürger. Heimlich, still und leise und ohne die Bevölkerung einzubeziehen hätten ein Grundstückseigentümer und ein Investor die Windräder wohl bauen wollen, mutmaßt der Bürgermeister, "aber so geht man heute ein solches Projekt nicht an". Lottes spricht von "schlechtem Stil".

Bei diesem Vorgehen brauchen sich die Initiatoren nicht zu wundern, wenn sie auf Widerstand stoßen. Wenn man sich Informationen erst selbst zusammentragen muss, brodle die Gerüchteküche, stellt Lottes fest und versichert, dass keine in Kienfeld ansässigen Bürger oder Grundeigentümer hinter dem Projekt stecken.

Möglich macht die Planung südlich des Vestenbergsgreuther Ortsteils die 17. Änderung des Regionalplans vom Planungsverband Industrieregion Mittelfranken, die im März dieses Jahres beschlossen wurde. Wie Ruth Kronau-Neef, Pressesprecherin der Regierung von Mittelfranken, mitteilt, werde diese 17. Änderung in Kürze rechtskräftig. Die Planänderung sei übrigens im Einvernehmen mit der Gemeinde Vestenbergsgreuth erfolgt.

Für die Genehmigung der beiden Windräder ist ein immissionsschutzrechtliches Verfahren nötig, das vom Landratsamt Erlangen-Höchstadt durchgeführt wird. Die dort dafür zuständige Fachgebietsleiterin Sigrid Kaiser bestätigt die Voranfrage für das Vorbehaltsgebiet Windkraft WK 51. Geplant seien zwei Anlagen mit einer Nabenhöhe von jeweils 113 Metern (zum Vergleich: Die Windräder bei Mühlhausen haben 140 Meter Nabenhöhe). Noch sei der Antrag aber nicht näher auf seine Genehmigungsfähigkeit geprüft, sagt Sigrid Kaiser.

In dieser Prüfung werden die Anlagenpläne mit den Vorschriften abgeglichen, die es besonders hinsichtlich Lärm und Schattenwurf gibt. Je nach Anlagentyp, -art und -höhe seien dabei unterschiedliche Abstände zu berücksichtigen, teilt Regierungssprecherin Kronau-Neef mit.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren